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Kultur

Autorin Mina Bäuerlein in Bad Bevensen: „Vertrauen und den nächsten Schritt gehen!“

 |  Kunst & Kultur

Bad Bevensen. „Vertrauen und den nächsten Schritt gehen!“ Das sagt eine, die schon viele Schritte in ihrem Leben gegangen ist: Mina Bäuerlein war unterwegs von München bis nach Hohwacht an der Ostsee. 

Zu Fuß, und ihr Vertrauen ist in der Zeit enorm gewachsen. In die Menschen, denen sie begegnet ist, in die Wahrscheinlichkeit von glücklichen Wendungen, vor allem aber auch in sich selbst und ihre eigene Kraft. Über diese Erfahrungen hat sie ein paar Jahre später ein Buch geschrieben – „Die Rückwärtspilgerin oder Von einer, die auszog, das Leben zu küssen“. Jetzt hat sie im Griepe-Haus bei einer Veranstaltung des Fördervereins der Bibliothek in Bad Bevensen daraus vorgelesen und die zahlreich erschienenen Zuschauer mit auf die Reise genommen.

Der erste Teil des Titels ist schnell erklärt: Entgegen der klassischen Pilgerrrouten ging Bäuerlein den Weg von Süden nach Norden – rückwärts eben, aber froh darüber, das gut verknüpfte Netz des Jakobswegs nutzen zu können. Abenteuer gab’s trotzdem genug, außen und innen. 

Vom Leben geküsst, war die Autorin zum Zeitpunkt ihres Aufbruchs gerade nicht. Eine zwar nicht lebensbedrohliche, aber doch schmerzhafte Erkrankung machte die weitere Arbeit im Hospiz unmöglich, das jüngste Kind zog aus und die Wohnung wurde zu teuer. Während dieser Krise entstand nicht nur die Idee einer längeren Wanderung. Übers ganze Gesicht strahlend berichtet Mina Bäuerlein, wie sie sich in kurzer Zeit von fast allem Besitz verabschiedet hat. 

Liebgewonnene Möbel, an denen Jahre der Familiengeschichte hingen, wechselten den Besitzer oder wanderten in den Sperrmüll. Ein kleines Kellerabteil musste reichen, um die wichtigsten Schätze zu bewahren. Hier lagerte sie Fotos, Briefe, Bastelarbeiten von den Kindern – und den Sessel, in dem sie einmal „wenn es günstig läuft“, sterben möchte. 

Jetzt wollte Bäuerlein vor allem leicht werden, offen für das Unbekannte und sich nicht festlegen, was nach der Rückkehr kommen würde. Erst während sie unterwegs war, entwickelte sich die Reise zur Pilgerschaft. „Ich gab das Versprechen, dass ich alles, was mir begegnet, für die Zeit danach nutzen würde“, berichtet sie und ist froh, dass ihr das bis heute gelungen sei. 

Noch immer ohne Besitz, aber wieder sesshaft, begleitet Bäuerlein jetzt Menschen in Umbruch- und Krisensituationen. Aber natürlich hält es sie nicht auf Dauer an einem Ort. Im letzten Jahr war die Autorin mit dem Fahrrad und kleinem Wohnmobilanhänger auf Lesereise und hat dabei auch Bad Bevensen zusammen mit Hund Lilly einen Besuch abgestattet. Die Reise mit der nicht regenfesten Behausung war kaum weniger abenteuerlich als das Pilgern, und ein weiteres Buch ist schon in Planung. 

Mina Bäuerlein vermittelt an diesem Abend eindrucksvoll, dass es sich lohnen kann, das Vertraute einmal hinter sich zu lassen. „Dafür müsse man ja nicht gleich seinen kompletten Besitz aufgeben“, sagt sie lächelnd und fügt an: „aber mit etwas weniger Gewicht auf dem Rücken läuft es sich deutlich leichter“. Das Publikum applaudiert lange und nimmt sicherlich mit, dass damit nicht nur der Rucksack gemeint ist. 

Text/Fotos: sim