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"Grobes Foul" - Bodenteicher CDU unterstützt Müller und nicht Lemm - Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

  • Subtitle: Aue

Aue. Wie die Uelzener Nachrichten berichteten, unterstützt die CDU Bad Bodenteich bei der Wahl zum Samtgemeindebürgermeister am 13. September den parteilosen Amtsinhaber Michael Müller (https://www.uelzener-nachrichten.com/stadt-und-kreis/aue/10334-lebensqualitaet-steht-im-vordergrund-die-cdu-bad-bodenteich-stellt-sich-fuer-die-kommunalwahlen-auf?highlight=WyJjZHUiLCJib2RlbnRlaWNoIl0=) - und nicht Max Lemm, wie es der CDU-Ortsverband Wrestedt-Wieren-Stadensen tut. Die Sache schlägt Wellen, auch Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Jörg Hilmer bezieht Stellung und wirft den Bodenteicher Christdemokraten „grobes Foulspiel“ vor.

Der Bodenteicher Bürgermeister Jörg Formella versteht die Aufregung nicht: „Wir haben unsere Entscheidung im Oktober vorigen Jahres getroffen und auch nie damit hinterm Berg gehalten. Wir haben mit offenen Karten gespielt.“ Jörg Hilmer habe sogar an einer Versammlung teilgenommen, bei der das Thema angesprochen worden sei.

Hilmer in einer Presseerklärung: „Die öffentliche Distanzierung von Jörg Formella vom CDU-Kandidaten Max Lemm ist ein grobes Foul gegen einen Mannschaftskameraden. Max Lemm ist ein extrem fleißiger Vertreter seiner Heimat als ehrenamtlicher Bürgermeister der großen Gemeinde Wrestedt und als Kreistagsabgeordneter für die ganze Samtgemeinde Aue. Er ist von den Mitgliedern der CDU in Aue einstimmig nominiert worden und investiert sehr viel Zeit und auch Geld in diesen Wahlkampf, weil er, wir und ganz viele Bürgerinnen und Bürger in der Samtgemeinde Aue davon überzeugt sind, dass er der Richtige für die Zukunft der Samtgemeinde Aue ist. ‚Friendly Fire‘ aus den eigenen Reihen hat Max Lemm nicht verdient.“

Formella bleibt dabei: Die Entscheidung der Bodenteicher CDU für Müller sei seit langem klar kommuniziert worden, es sei keineswegs versucht worden, kurz vor der Wahl Stimmung zu machen. „Wir haben hervorragend zusammengearbeitet und viel erreicht. Wir hoffen auf eine Fortsetzung für eine gute Lebensqualität im Flecken und der Samtgemeinde Aue“, heißt es in der Pressemeldung.

Eisiger Gegenwind kommt indes vom CDU-Ortsverband Wrestedt-Wieren-Stadensen: „Die öffentliche Unterstützung des CDU-Ortsverbandes Bodenteich-Soltendieck für den amtierenden Samtgemeindebürgermeister Michael Müller hat uns ebenso überrascht wie unseren gemeinsamen Kandidaten Max Lemm. Wir bedauern sehr, dass man sich im Ortsverband Bodenteich-Soltendieck nicht dazu durchringen konnte, einen CDU-Kandidaten aus Wrestedt zu unterstützen. Unsere Tür für eine gemeinsame Zusammenarbeit bleibt dennoch weiterhin offen. Der erste Schritt dafür muss nun allerdings vom Ortsvorstand um Jörg Formella ausgehen.“

Eindeutig Position beziehen auch die Ratsfrauen und -herren der CDU Wrestedt-Wieren-Stadensen im Gemeinderat Wrestedt und im Samtgemeinderat Aue (Gruppensprecher CDU/FDP/WGA Gruppe im Gemeinderat und stellv. Gruppensprecher CDU/FDP Gruppe im Samtgemeinderat Torben Schoop): „Die Unterstützung Jörg Formellas für Michael Müller bei der Wahl zum Samtgemeindebürgermeister stößt bei uns auf absolutes Unverständnis. Über fünf Jahre haben wir in der CDU/FDP-Gruppe im Samtgemeinderat gut zusammengearbeitet. Die Fähigkeiten Lemms können nicht die Ursache für die fehlende Unterstützung durch Herrn Formella sein. Die regelmäßig kritischen Worte des Gruppensprechers in den politischen Gremien der Samtgemeinde in Richtung Michael Müller scheinen hingegen inzwischen vergessen.

Möglicherweise ist der Informationsfluss zwischen Verwaltung und Politik im Flecken Bad Bodenteich ein anderer. In der Gemeinde Wrestedt war der teilweise unzureichende Informationsfluss hingegen häufig ein zentraler Kritikpunkt. An der politischen Arbeit in den Samtgemeindegremien wird die Nachricht über die Unterstützung Müllers zunächst nichts ändern.“

Dass Michael Müller den Rückhalt der SPD verloren hat, zeichnete sich bereits Anfang dieses Jahres ab, als es aus den Reihen der Sozialdemokraten hieß, man werde Müller bei einem neuerlichen Urnengang nicht mehr unterstützen. 2017 war Müller mit Unterstützung der SPD Aue Verwaltungschef geworden.

Jetzt erklärt Andrea Kläden, die dieses Mal für die SPD als Kandidatin um das Amt der Samtgemeindebürgermeisterin ins Rennen geht: „Die Aussage, Herr Müller binde Herrn Formella in viele Prozesse und Entscheidungen ein, greift aus meiner Sicht zu kurz. Die Einbindung der politischen Gremien und ihrer Vertreterinnen und Vertreter in Entscheidungsprozesse ist keine persönliche Leistung, sondern gehört zu einer transparenten und demokratischen Verwaltungsarbeit. Entscheidend ist doch die Frage, ob alle Ratsmitglieder, Fraktionen und Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen gut informiert und eingebunden werden. Genau hier gibt es aus meiner Sicht durchaus Verbesserungsbedarf. Herr Formella spricht ausdrücklich von seiner persönlichen Zusammenarbeit mit Herrn Müller – nicht von der Zusammenarbeit der gesamten CDU-Fraktion."

Maik Semler (Gruppensprecher FLW – Freie Liste Wrestedt, derzeit Fraktionsvorsitzender der UWG-Fraktion im Gemeinderat Wrestedt) fügt hinzu: „Wir teilen die Darstellung von Herrn Formella ausdrücklich nicht und finden die öffentliche Distanzierung von Max Lemm, nachdem man zunächst die volle Unterstützung für ihn bekräftigt hatte, unglücklich. Gerade aber auch die Aussagen zur aktuellen Arbeit von Michael Müller geben uns Anlass, dessen bisherige Amtsführung und politische Positionen noch einmal kritisch zu betrachten. Für uns ist entscheidend, was Michael Müller in seiner bisherigen Amtszeit geleistet und wie er politische Prozesse gestaltet hat – insbesondere bei Transparenz, Information und der Einbindung der politischen Gremien."

Grafik: CDU