Gegen das Vergessen: Drei Schicksale erzählen vom Krieg - KGS-Schüler erarbeiten Gedenktafel
- Subtitle: Bad Bevensen
Bad Bevensen. Ein Zwangsarbeiter, ein neun Jahre altes Mädchen und ein SS-Sturmbannführer: Drei völlig unterschiedliche Weltkriegs-Schicksale zeigt eine Geschichts- und Erinnerungstafel auf dem so genannten Bombenfriedhof an der Klein Bünstorfer Straße in Bad Bevensen. Zwar blieb die Kurstadt weitgehend von den Zerstörungen verschont, doch war der Krieg natürlich auch vor Ort spürbar.
„Die Tafel passt zur Geschichte Bad Bevensens und erläutert den Namen des Hamburgischen Krankenhauses“, sagt Landrat Dr. Heiko Blume bei der offiziellen Einweihung. Konzipiert wurde sie von Schülerinnen und Schülern der Kooperativen Gesamtschule Bad Bevensen (KGS). Begonnen hat eine elfte Klasse, finalisiert wurde sie von der 10m. Finanziert hat die Tafel die Sparkasse Uelzen / Lüchow-Dannenberg.
Gerade vor dem Hintergrund, dass auf europäischem Boden durch den russischen Überfall auf die Ukraine wieder Krieg geführt wird, muss die eigene Geschichte sorgfältig aufgearbeitet und darf nicht vergessen werden. „Die Darstellung macht die letzten Kriegstage in Bad Bevensen deutlich“, sagt Samtgemeindebürgermeister Martin Feller und dankt insbesondere den Schülerinnen und Schülern für ihre Recherche. Datenbanken, das Standesamt der Samtgemeinde und das Stadtarchiv haben die Zehnt- und inzwischen Zwölftklässler für ihre Nachforschungen bemüht.
„Wir haben auch mit einem kanadischen Ahnenforscher Kontakt aufgenommen“, berichtet Julius Warnecke. Trotz einiger Rückschläge haben sie ihre Recherche stetig fortgesetzt – auch mit Hilfe des Lokalhistorikers Stefan Romey, der vor einigen Jahren von Hamburg nach Bad Bevensen gezogen ist und sich ausgiebig mit der Geschichte des Hamburgischen Krankenhauses auseinandergesetzt hat.
Das Hamburgische Krankenhaus dürfte den meisten Bad Bevensern noch ein Begriff sein. Bis 2003 wurden Patienten in den Gebäuden am Elbe-Seitenkanal behandelt. Die Historie des Hamburgischen Krankenhauses begann während des Zweiten Weltkrieges in den Jahren 1942 bis 1944. Der NS-Staat wollte für verletzte „vollwertige Volksgenossen“ Krankenhäuser außerhalb der Großstädte schaffen. Die Baracken wurden zunächst als Lazarett für Menschen aus Hamburg konzipiert und genutzt. Der Name lautete „Krankenhaus-Sonderanlage Aktion Brandt. Anlage Bevensen“.
Eng verknüpft mit dem Krankenhaus ist der so genannte Bombenfriedhof: Wer im Krankenhaus behandelt wurde und nicht überlebt hat, wurde auf dem Friedhof Bevensen begraben. Daraus resultiert das Bombenopfer-Denkmal auf dem kirchlichen Friedhof. „338 Kriegstote, Opfer sowie Beteiligte und Täter von Gewaltverbrechen liegen hier begraben“, weiß Karl-Friedrich Boese, Bildungsreferent vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die drei Biografien auf der Gedenktafel ermöglichen einen Blick auf die lokale Perspektive des Zweiten Weltkriegs. „Den gibt es in den Geschichtsbüchern nicht.“
Die neue Erinnerungstafel ordnet die Geschehnisse ein. „Ich hatte Großeltern, die ich fragen konnte. Die heutigen Schülerinnen und Schüler nicht mehr“, schildert KGS-Schulleiterin Michaela Petersen und unterstreicht die Notwendigkeit der Gedenktafel. Natürlich kommen in diesem Zusammenhang auch Fragen über das Verhalten vieler Menschen zutage. Doch vor der Drohkulisse der NS-Regierung wurde offener Widerstand allzu oft mit dem Leben bezahlt.
„Wir haben über die Darstellung des SS-Sturmbannführers und überzeugten Nazis auf der Gedenktafel rathausintern ausgiebig diskutiert“, sagt Feller. Das Ergebnis: Das Foto wurde entfernt und die Biografie kritisch beleuchtet. Karl-Friedrich Boese fasst stellvertretend zusammen, wofür die Gedenktafel steht: „Wir sind in der Verantwortung, dass so etwas nie wieder passiert.“
Foto: Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf
