SPD Bevensen kritisiert CDU-Vorwürfe gegen Arbeitnehmer
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Bad Bevensen. Bad Bevensen. Der Vorsitzende der SPD Bevensen, Hannes Henze, übt Kritik an den jüngsten Äußerungen von CDU-Chef Friedrich Merz und Forderungen des Wirtschaftsflügels der Union. Die Vorwürfe mangelnder Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, das Kritisieren der Krankheitstage sowie der Vorstoß zur Abschaffung des Rechts auf Teilzeit seien ein „Affront gegen alle arbeitenden Menschen in diesem Land", so Henze.
Der Anstieg der Krankheitstage sei vor allem auf die digitale Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zurückzuführen. Seit der Einführung der elektronischen Krankschreibung würden nun alle Krankheitstage vollständig erfasst, während zuvor viele Fälle nicht erfasst wurden. Das bestätigt auch das Statistische Bundesamt. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen", kommentiert der SPD-Vorsitzende.
Tatsächlich zeige die Realität ein ganz anderes Bild: Studien belegen, dass deutlich mehr Menschen krank zur Arbeit gehen, als zu Hause zu bleiben - ein Phänomen, das als Präsentismus bekannt ist und langfristig zu schwerwiegenderen gesundheitlichen Problemen führt. Im Jahr 2024 gingen 63 % der Beschäftigten auch dann zur Arbeit, wenn sie sich „richtig krank" fühlten. 44 % arbeiteten sogar länger als eine Woche trotz Krankheit.
„Die Behauptung, es fehle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an Leistungsbereitschaft, entbehrt jeder Grundlage", erklärt Henze. Die Realität der deutschen Arbeitswelt widerlege die CDU-Vorwürfe eindrucksvoll. Laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung leisteten Beschäftigte in Deutschland im Jahr 2024 rund 1,2 Milliarden Überstunden - das entspricht mehr als 750.000 Vollzeitstellen. Besonders alarmierend: Mehr als die Hälfte dieser Überstunden (53,6 Prozent) wurden nicht vergütet.
„Wo ist da die mangelnde Leistungsbereitschaft?", fragt Henze. „44 Prozent der Beschäftigten arbeiten durchschnittlich länger als vertraglich vereinbart, jede und jeder Vierte leistet mehr als fünf Überstunden pro Woche. Das sind keine faulen Menschen - das sind Menschen, die sich für ihren Job aufopfern."
Deutliche Kritik äußert der SPD-Vorsitzende auch am Begriff „Lifestyle-Teilzeit", mit dem der Wirtschaftsflügel der CDU das Recht auf Teilzeitarbeit diskreditiere. „Ich bin fassungslos, wie hier persönliche Lebensentscheidungen verächtlich gemacht werden", kritisiert Henze. Die SPD verweist auch darauf, dass laut des Instituts für Wirtschaftsforschung eine Einschränkung des Rechtsanspruchs einen großen Schaden für viele Unternehmen und die Wirtschaft bedeuten würde. Der Fachkräftemangel könne sich dadurch sogar erhöhen.
„Teilzeitarbeit ermöglicht es Menschen, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Das als Lifestyle-Teilzeit zu diskreditieren, zeigt eine erschreckende Verachtung für die Lebensrealität vieler Menschen. Man darf dabei auch nicht zwischen guten und schlechten Gründen unterscheiden. Die Wahlfreiheit muss erhalten bleiben."
Henze teilt das Anliegen, mehr Menschen in Vollzeitarbeit zu bringen, sieht dafür aber andere notwendige Maßnahmen: „Wenn wir wollen, dass mehr Menschen in Vollzeit arbeiten, müssen wir die Rahmenbedingungen bei der Kinderbetreuung oder auch der Pflege verbessern, anstatt den Menschen etwas aufzuzwingen.“