2.000 Stieleichen gesetzt: Oberschule Ebstorf pflanzt ihren eigenen Klimawald
- Subtitle: Ebstorf
Ebstorf. Eine fast einen Hektar große brache Fläche im Forst hinter dem Ebstorfer Campingplatz, 200 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Ebstorf sowie 2.000 junge Eichen: Am heutigen Dienstag fand für die Kinder und Jugendlichen ganz besonderer Unterricht bei strahlendem Sonnenschein statt: Unter fachkundiger Anleitung brachten sie die Setzlinge für den künftigen Schulwald in den Boden.
Das Gemeinschaftsprojekt der OBS Ebstorf, des Forstamts Oerrel der Niedersächsischen Landesforsten und der Stiftung Zukunft Wald (Landesforsten-Stiftung) ist jetzt schon ein Hingucker. In Gruppen und nicht in Reihen stehen die jungen Eichen - so geben sie sich gegenseitig Schutz und bilden gleichzeitig kleine Bio-Inseln. Auf der Fläche standen einst Buchen. Aber starke Hitze und wechselweise Nässe haben den empfindlichen Bäumen ein Ende bereitet. Eichen sind klimarobuster.
Das Forstamt hat außerdem bewusst einen Teil der Buchenstämme bis zu 6 Meter hoch stehenlassen. Sie werden eigene Biotope bilden, ebenso wie die großen Haufen Bruchholz und Geäst.
Die Pflanzfläche der Niedersächsischen Landesforsten wurde vom Forstamt Oerrel bereitgestellt und liegt fußläufig zur Schule. Damit bildet sie nun den Ausgangspunkt eines neuen Natur- und Lernraums für viele Generationen.
Die ldee für die gemeinsame Zusammenarbeit und Pflanzung des neuen Schulwalds wurde vom Uelzener Landrat Dr. Heiko Blume angestoßen und initiiert. Ein besonderer Meilenstein war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages am heutigen Dienstag: Schule, Forstamt und Stiftung gehen damit eine 30-jährige Partnerschaft ein, um den Schulwald gemeinsam zu entwickeln, zu pflegen und als Lernort zu nutzen.
Die Pflanzaktion markierte dabei den feierlichen Startschuss für die langfristige Zusammenarbeit. Über drei Jahrzehnte hinweg begleitet die Stiftung die Schule -von der Pflanzung über Pflegeeinsätze bis hin zu vielfältigen waldpädagogischen Angeboten.
Der neue, standortgerechte und klimaresiliente Wald aus Stieleichen wird ergänzt durch Kirsche, Weißdorn und Elsbeere. Gemeinsam mit den Kindern entsteht so Schritt für Schritt ein vielfältiger Mischwald, der langfristig zur Biodiversität und zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel beitragen soll.
Das Forstamt Oerrel der Niedersächsischen Landesforsten stellt die Fläche für die kommenden 30 Jahre zur Verfügung und stellte das Pflanzgut. Mit finanziell unterstützt wird das Umweltbildungsprojekt durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Die Förderung unterstützt insbesondere die waldpädagogischen Angebote sowie am heutigen Tag die Verpflegung der Schüler bei der Planzaktion.
Dr. Michael Habermann, Leiter des Forstamts Oerrel der Niedersöchsischen Londesforsten: „Die Schülerinnėn und Schüler setzen hier nicht nur junge Bäume in die Erde - sie wirken aktiv am Waldumbau mit und helfen dabei, unsere Wälder Schritt für Schritt klimastabiler zu gestalten. Indem wir von Buche auf Eiche umstellen, schaffen wir gemeinsam die Grundlage für einen widerstandsfähigen Wald der Zukunft. Zu sehen, wie die junge Generation Verantwortung für ihren Wald übernimmt, ist für uns Förster etwas ganz Besonderes."
Malte Dicke, Revierförster der Niedersächsischen Landesforsten: "Wer eine echte Verbindung zum Wald aufbaut, entdeckt oft auch die Freude an der Arbeit draußen. Vielleicht pflanzen hier gerade ein Forstwirt oder eine Försterin von morgen ihre ersten Bäume."
Arne Paulsen, Schulleiter der OBS Ebstorf: „Für uns als Schule ist Bildung für nachhaltige Entwicklung ein zentraler Bestandteil unseres Bildungsauftrags. Der Wald wird dabei zu einem besonderen Lernort, der unseren Unterricht sinnvoll ergänzt: Draußen zu lernen heißt, Zusammenhänge mit allen Sinnen zu erfahren und Inhalte aus dem Klassenzimmer lebendig zu vertiefen."
Dr. Heiko Blume, Landrat Landkreis Uelzen: „Es ist großartig zu sehen, wie hier gemeinschaftlich Verantwortung für den Wald in unserer Region übernommen und gleichzeitig der Zusammenhalt gestärkt wird. Dass die Schülerinnen und Schüler aktiv beim Pflanzen mitwirken, macht das Projekt besonders wertvoll."
Elisabeth Hüsing, Direktorin der Stiftung Zukunft Wald: „Wenn 200 Kinder und Lehrkräfte gemeinsam Bäume pflanzen, entsteht weit mehr als ein Waldstück. Es entsteht ein Gemeinschaftsprojekt, das Verantwortung, Naturverbundenheit und Zukunftshoffnung verbindet. Für uns als Stiftung Zukunft Wald ist es etwas Besonderes zu sehen, wie eine ganze Gemeinde hinter ihrem Schulwald steht."
Über die Stiftung Zukunft Wald
Die Stiftung Zukunft Wald ist eine Stiftung der Niedersächsischen Landesforsten. Sie fördert Natur- und Artenschutz sowie waldbezogene Umweltbildung in ganz Niedersachsen und initiiert eigene Projekte. Im Rahmen des landesweiten Projekts .„Schulwälder gegen Klimawandel", das 2011 gestartet wurde, wurden bereits mehr als 90 Schulwälder angelegt oder befinden sich aktuell in Planung. Mehr als 170 Schulen und Kindergärten beteiligen sich in diesem Projekt. Mit den auf 30 Jahre terminierten Kooperationsverträgen zwischen Schulen, Flächeneigentümern und der SZW verpflichten wir uns, nach der Neuanpflanzung der Schulwälder die Schulen in ihren dortigen Umweltaktivitäten und Lehrveranstaltungen zu beraten sowie personell und finanziell zu unterstützen. Die etwa 0,5 bis 1,5 Hektar großen Flächen werden den Schulen für 30 Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit können sie den Wald für Unterricht, Projekte und Aktionen nutzen. Die Stiftung Zukunft Wald übernimmt die Planung und Finanzierung der Planzaktionen - den Schulen entstehen keine zusätzlichen Kosten.
Fotos: Michalzik