Uelzen soll Veranstaltungszentrum werden: CDU-Fraktion beantragt Prüfung einer modularen Mehrzweckhalle
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Uelzen. Die Hansestadt Uelzen hat seit drei Jahren keine eigene Veranstaltungshalle mehr. Die Schützengilde kann nicht schießen, die Kegler nicht mehr kegeln. Die CDU-Fraktion im Stadtrat schlägt vor, die Herausforderungen gemeinsam zu lösen und daraus einen Standortvorteil zu machen. Ihr Antrag beschließt allerdings noch keinen Bau, sondern ein Verfahren in vier Phasen: Erst soll gemeinsam mit Vereinen, Kultur- und Veranstaltungsschaffenden ein Zielbild entstehen, danach entscheidet der Rat über einzelne, frei kombinierbare Module. „Wir wollen keine Halle auf Verdacht bauen“, heißt es zur Begründung von Stefan Hüdepohl. „Zuerst muss die Frage beantwortet werden, welche Veranstaltungen Uelzen dauerhaft anbieten will und kann. Erst danach weiß man, was gebaut werden muss.“
Ausdrücklich vorgesehen ist, dass die Politik nicht erst am Ende über eine fertige Vorlage abstimmt, sondern die Konzepterarbeitung von Beginn an mitträgt. Die Fachausschüsse des Rates sollen in der Workshopreihe der ersten Projektphase durchgehend vertreten sein: gemeinsam mit den Sportvereinen, der Schützengilde, den Keglern, Kulturschaffenden, Veranstaltern, der Gastronomie und regionalen Unternehmen.
„Wir reden über eine Investition, die Uelzen für die nächsten drei Jahrzehnte prägt“, sagt Wilhelm Bauck, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. „Solche Entscheidungen trifft man nicht am Ende einer Verwaltungsvorlage, sondern am Anfang eines Prozesses. Deshalb gehören die Fachausschüsse in jede Werkstatt - mit der klaren Aufgabe, bei jedem einzelnen Modul die wirtschaftliche Frage zu stellen: Was bringt es zurück, und wer betreibt es?“
Für Bauck ist das Vorhaben ausdrücklich ein wirtschaftspolitisches: „Eine Halle ist kein Selbstzweck, sie ist Standortinfrastruktur. Unternehmen folgen Fachkräften, und Fachkräfte folgen Orten, an denen man gerne lebt. Wer heute über Veranstaltungsräume entscheidet, entscheidet mittelbar über Zuzug, Ausbildungsplätze und Kaufkraft. Diese Rechnung legen wir offen, mit allem, was sie kostet, und mit allem, was sie einbringt.“
Kern der Idee ist eine Mehrzweckhalle für mindestens 1.000 Zuschauer mit VIP- und Gastronomiebereich. Darum herum schlägt die Fraktion Module vor, über die einzeln entschieden werden kann: eine Trainingshalle mit drei teilbaren Feldern, eine Außenbühne für Konzerte, eine Beachsporthalle für Handball, Volleyball und Fußball, Padel-Tennis, eine Kegelbahn, ein Fitnessbereich, ein 3x3-Basketballfeld und unterirdisch eine Schießbahn für die Schützengilde gegebenenfalls mit einem unterirdischen Stockwerk für weitere Veranstaltungen, das zugleich als Schutzraum förderfähig werden könnte.
Jedes dieser Module soll einzeln kalkuliert und nach zwei Maßstäben bewertet werden: Rechnet es sich wirtschaftlich? Und zahlt es auf die Attraktivität Uelzens ein, auf Vereinsleben, Aufenthaltsqualität und den Zuzug von Fachkräften? „Beides sind gute Gründe“, so Stefan Hüdepohl. „Aber wir wollen bei jedem Baustein sagen können, welcher der beiden Gründe gilt. Was nicht passieren darf: dass etwas Teures mitläuft und niemand erklären kann, warum.“
Ein zentraler Punkt des Antrags ist die frühe Einbindung privater Partner. Bereits in der ersten Projektphase, parallel zur Beteiligung der Vereine, soll die Verwaltung einen dokumentierten Investoren- und Betreiberdialog führen. Ziel ist herauszufinden, welche Module private Investoren selbst finanzieren, errichten oder betreiben würden und welche baulichen Voraussetzungen sie dafür brauchen.
Die Begründung dafür ist praktischer Natur: Wer Investoren erst fragt, wenn die Planung steht, bekommt entweder Absagen oder teure Nachträge. Ein Fitness- oder Gastronomiebetreiber braucht andere Zuwegungen, Deckenhöhen und Anschlüsse als eine reine Sporthalle. Im Entwurf kosten solche Anforderungen fast nichts, im fertigen Bauwerk sehr viel.
Damit verfolgt die Fraktion zwei Ziele: einen niedrigeren städtischen Investitionsanteil und einen Betrieb, der möglichst wenig städtisches Personal bindet. Die Halle solle „möglichst frei“ sein, frei planbar für Vereine und Veranstalter und in weiten Teilen selbstverwaltend, mit digitaler Buchung, automatisierter Zutrittskontrolle und smarter Gebäudetechnik. Geprüft werden sollen drei Betreibermodelle, die sich vor allem darin unterscheiden, wer das Auslastungsrisiko trägt.
Ausdrücklich benennt der Antrag auch die Grenze dieser Auslagerung: Je stärker sich der Betrieb wirtschaftlich tragen muss, desto mehr richtet sich die Belegung nach Zahlungsfähigkeit. Deshalb sollen feste Kontingente und gedeckelte Entgelte für Vereins-, Schul- und Schießsport bereits in die Ausschreibung geschrieben werden und nicht erst in der Vertragsverhandlung.
Getrennt behandelt der Antrag die Lage der Schützengilde Uelzen. Weil deren Schießstand nicht nutzbar ist, soll bereits in der ersten Phase ein kurzfristiges Übergangskonzept erarbeitet werden, unabhängig davon, ob und wann eine neue Halle entsteht. Gemeinsam mit den anderen Stadtschützen soll parallel ein langfristiges Konzept für das Schützen- und Vereinswesen entstehen. Hintergrund sind schrumpfende Schützenfeste und fehlende Mitglieder, eine Entwicklung, die viele Vereine der Hansestadt betrifft.
Vor ähnlichen Fragen stehen die Uelzener Kegler. Uelzen war über Jahrzehnte eine Keglerstadt. Bereits 1892 schlossen sich Kegler aus acht Vereinen zum Lokalverband zusammen, später richtete die Stadt norddeutsche Kegelfeste und sogar Bundesmeisterschaften aus. Heute ist die Bahninfrastruktur der begrenzende Faktor: Wo Bahnen wegfallen, verliert ein Traditionssport seine Grundlage. Auch dafür soll die Workshopreihe eine Perspektive erarbeiten, sowohl kurzfristig als auch als Modul einer späteren Anlage.
„Das Schützenwesen ist in Uelzen kein Nostalgieprojekt, sondern gelebtes Ehrenamt - und es ist zukunftsfähig, wenn wir es lassen“, sagt Wilhelm Bauck. „Aber wer heute in einen Verein eintritt, sucht moderne Anlagen, planbare Zeiten und niedrige Einstiegshürden. Ein Schießkino, Lasersport für Kinder und Schulen, eine Kegelbahn, auf der auch der Betriebsausflug landet: Das sind keine Spielereien, das sind die Mitgliederzahlen von morgen.“
Der Fraktion geht es dabei nicht allein um einzelne Vereine. „Uns reicht es nicht, der Gilde eine Bahn hinzustellen, den Keglern eine zweite, und das Thema abzuhaken“, so Bauck. „Wir wollen mit der gesamten Uelzener Vereinswelt ein Konzept erarbeiten, das trägt: Wie gewinnen wir wieder Mitglieder? Wie füllen wir die Feste? Wie teilen wir Anlagen, Technik und Ehrenamt so, dass sich nicht jeder Verein allein abarbeitet? Eine gemeinsam genutzte Anlage kann dafür ein starker Hebel sein. Die Antwort auf alles ist sie nicht. Deshalb fragen wir zuerst und bauen später.“
Das Theater an der Ilmenau bleibe das kulturelle Herz der Stadt, betont die Fraktion. Die Mehrzweckhalle solle Formate abdecken, die das Theater bewusst nicht bediene: große Sportveranstaltungen, Messen, Feiern und Außenveranstaltungen. Beide Häuser sollen von Beginn an gemeinsam an einem Tisch sitzen.
Zum Hintergrund: Eine Sanierung der seit April 2023 geschlossenen Stadthalle würde nach vorliegenden Schätzungen nicht weniger als 17 Millionen Euro kosten - ohne Berücksichtigung der jüngsten Baukostensteigerungen und ohne dass eine zukunftsfähige Veranstaltungsstätte entstünde. Die Kosten der nun beantragten Prüfung beziffert die Fraktion auf 60.000 bis 120.000 Euro. Gemessen an einem Projekt, das je nach Modulumfang zwischen 16 und über 50 Millionen Euro kosten könne, sei das der günstigste Teil des Weges, „und der einzige, bei dem Sparen später teuer wird.“
Foto: Michalzik