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B4: Sicherheits-Umbau der einstigen Todesstrecke

  • Subtitle: Uelzen

Von Michael Michalzik

Uelzen. Andreas Dobslaw projiziert die Fotos zerstörter Autowracks auf die Leinwand. Wracks, in denen Menschen auf der B4 gestorben sind: „Solche Bilder wollen weder Polizei noch Feuerwehr oder die anderen Helfer mehr sehen.“ Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen während der Jahresversammlung der Verkehrswacht Uelzen unter Vorsitz von Maik Kröger, als der Polizeibeamte Dobslaw in seinem Vortrag noch ein Video zeigt. Zu sehen sind haarsträubende, rücksichtslose Überholmanöver, wie sie vor einigen Jahren auf der Bundesstraße nördlich von Uelzen gang und gäbe waren.

Andreas Dobslaw, 2. Vorsitzender der Verkehrswacht Uelzen, lässt Kritik an den jüngsten baulichen Veränderungen keinen Raum: „Wer meint, dass die alte, zweispure Lösung besser war als das aktuelle 2+1-System, hat keine Ahnung oder sagt bewusst die Unwahrheit“, hält der Verkehrssicherheitsexperte fest: „Damals waren mehr als 30 Tote in einem Jahr auf der B4 keine Seltenheit.“ Dobslaw selbst bezeichnet sich als „Kind der B4“ – aufgewachsen in Kirchweyhe, beschäftigt ihn die Trasse seit mehr als 50 Jahren. Er blickt im Vortrag zurück auf die Zeit vor 1996, als die B4 zwischen Uelzen und Tätendorf noch eine reguläre, zweispurige Bundesstraße war. Der Polizeihauptkommissar erinnert daran, wie der Verkehr mit der Wiedervereinigung auf dem 16 Kilometer langen Abschnitt massiv zugenommen habe. Und er erinnert an schlimmste Unfälle, unter anderem während der Rübenkampagne.

Bis sich die Unfallkommission der Sache angenommen habe. 1996 war die Einführung der „Mehrzweckstreifen“ an den Fahrbahnrändern ein Versuch, das Überholen langsamer Fahrzeuge zu entschärfen: „Die Verkehrsteilnehmer haben leider nicht so funktioniert wie erhofft.“ Es kam zu haarsträubenden Situationen, auch weil Lastwagen ohne Rücksicht Traktoren überholten – in der Hoffnung, der Gegenverkehr werde schon an die Seite fahren: „Es war Wildwest auf der Bundesstraße.“

Also reagierten die Behörden auf die Unfallzahlen und – schwerpunkte: „Wir reden nichts schön wir reden Zahlen“, beschreibt Dobslaw seine Arbeit. Die nicht bewährten Mehrzweckstreifen am Rand wurden mittels Leitpfosten „zurückgenommen“. Eine durchgehende Tempo-80-Regelung wäre nicht durchsetzbar gewesen. Deswegen wurde das Tempo dort beschränkt, wo es möglich war. Um den Verkehr trotzdem rollen zu lassen, wurde die 2+1-Lösung umgesetzt – mit Abschnitten, in den überholt werden kann. Was aber nicht für Lastwagen über 7,5 Tonnen gilt, die sonst für „Überholdruck“ sorgen würden, wenn sie ihrerseits ausscheren würden.

Der Umbau auf 2+1 zwischen Kirchweyhe und Tätendorf ist abgeschlossen. Doch die Bauarbeiten auf der Bundesstraße gehen weiter: Nördlich von Bienenbüttel beginnt Anfang Mai der Rückbau der Seitenstreifen in mehreren Bauabschnitten. Während der Arbeiten ist mit deutlichen Behinderungen zu rechnen.

Inzwischen rollen bis zu 19.000 Fahrzeuge am Tag über die B4 nördlich von Uelzen. 18 Prozent davon sind Schwerlastverkehr. Deswegen sieht Dobslaw langfristig erhebliche Belastungen: 2029 wird der Fehmarnbelt-Tunnel fertiggestellt sein. Der gesamte Skandinavien-Fernverkehr werde dann über die B4 rollen. Für eine spürbare Entlastung könne der Bau der A39 sorgen: „Aber wer weiß, wann das einmal umgesetzt wird.

Fotos: Michalzik, privat