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Demokratie für die Kleinsten: Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther vermittelt im DRK-Kindergarten Westerweyhe spielerisch Werte für ein gemeinsames Miteinander

  • Subtitle: Westerweyhe

Von Michael Michalzik

Westerweyhe. Gemeinsam entscheiden, miteinander spielerisch handeln und lernen: Demokratische Prozesse lassen sich bereits im Kindergarten vermitteln. „Das ist wichtiger denn je“, erklärt Karl-Heinz Günther, Ortsbürgermeister von Kirch- und Westerweyhe. Denn der Christdemokrat warnt seit Jahren vor dramatischen Veränderungen der politischen Landschaft,  vor einer Gefahr für die Demokratie auf allen Ebenen: „Politische Rattenfänger versuchen, vermeintlich einfache Antworten zu geben - und meinen in Wirklichkeit Autokratie.“ Über Jahrzehnte erlernte und weitergegebene demokratische Werte drohten deswegen in Gefahr zu geraten. 

Günther befasst sich mit diesem Zukunfts-Thema bereits seit Monaten. Er ist überzeugt, dass man diesen Tendenzen in allen Bereichen unserer Gesellschaft entgegenwirken muss - mit den Mitteln der Demokratie und für jedes Alter geeignet: „Diese Werte können auch schon ganz kleine Kinder lernen.“ Deswegen hat der Ortsbürgermeister Kontakt zur DRK-Kita in seinem Heimatort, dem mit 3.500 Einwohnern größtem Uelzener Ortsteil Westerweyhe, aufgenommen und im Gespräch mit den Pädagoginnen seine Ideen vorgestellt. Der erste Schritt ist gemacht: Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund, in dessen Präsidium Karl-Heinz Günther als stellvertretender Bürgermeister die Hansestadt Uelzen vertritt, hat Büchlein für ganz junge Leser herausgebracht, in denen kindgerecht die Aufgaben eines Bürgermeisters/einer Bürgermeisterin erklärt werden. Mit 60 Exemplaren machte sich Günther jüngst zur Kita auf, um daraus vorzulesen und die Bücher zu verteilen. Die Jungs und Mädchen waren begeistert von der spielerischen Demokratie-Stunde.

Und nun soll es natürlich weitergehen. Der Ortsbürgermeister geht als nächstes das Thema „demokratische Mitbestimmung“ auf seine pragmatische Art an: Er will bei einem seiner nächsten Besuche in der Tagesstätte mit den Kindern transparente Plexiglasröhren montieren, die für Abstimmungen verwendet werden können: „Jedes Kind bekommt einen Chip. Wenn eine mehrheitliche Entscheidung gemeinsam getroffen werden soll, können die Kinder auf einen Blick sehen, wie sich eine Mehrheit bildet, wenn die Chips nach und nach in die Röhren gesteckt werden.“

Denn für Günther steht fest: „Kindergartenkindern Demokratie beizubringen, geschieht am besten durch praktische Erfahrungen, spielerische Aktivitäten und altersgerechte Gespräche, anstatt durch formellen Unterricht. Es geht darum, grundlegende Konzepte wie Zuhören, Teilen, Respekt, das Treffen von Entscheidungen und das Verständnis, dass jede Stimme zählt, zu vermitteln.“

Dazu gehöre vor allem die gemeinsame Entscheidungsfindung: Was singen wir jetzt? Aus welchem Buch soll vorgelesen werden? Was spielen wir jetzt zusammen? Gefestigte Strukturen seien ebenfalls hilfreich, etwa eine „Regel des Monats“: „Wir helfen uns gegenseitig beim Aufräumen“. In Regelkreisen ließen sich Probleme gemeinsam ansprechen oder auch neue Regeln etablieren: „Jedes Kind sollte dabei die Möglichkeit bekommen, sich zu äußern.“ Auch das Verteilen kleiner Aufgaben wie Tischdecken oder Blumengießen vermittele das Gefühl von Verantwortung für die Gemeinschaft. 

Wichtig ist für den Ortsbürgermeister, dass die Kita-Kinder lernen: Ein auf fairen Regeln basierendes Miteinander beinhaltet immer auch Kompromisse: „Jede Stimme zählt, die Minderheit wird respektiert, aber am Ende entscheidet die Mehrheit“, so der Kommunalpolitiker, der auch dem Rat der Hansestadt Uelzen sowie dem Uelzener Kreistag angehört: „Nur, wenn wir jetzt erkennen, dass unsere Werte bereits den Kleinsten vermittelt werden müssen, werden wir unsere Demokratie dauerhaft sichern und künftigen Generationen weitergeben können.“

Fotos: privat