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Genau 100 Tage bis zur Kommunalwahl: Interview mit Karl-Heinz Günther

  • Subtitle: Uelzen

Uelzen. In genau 100 Tagen finden die Kommunalwahlen in Niedersachsen statt. Auch Karl-Heinz Günther (CDU) gehört zu den ehrenamtlichen Politikern, die sich wieder zur Wahl stellen. Derzeit ist Günther stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt Uelzen, Ortsbürgermeister von Kirch- und Westerweyhe sowie Kreistagsabgeordneter.

UEN: Die hohe Anzahl der Wählerstimmen, die Sie bei der letzten Kommunalwahl erhalten - hat das etwas mit Ihnen gemacht und hat sich da etwas in den letzten Jahren bei Ihnen verändert?

Günther: Die Wähler haben mir mit Ihrer Stimme aufgezeigt, dass Sie mir vertrauen und  damit zum Ausdruck gebracht, wie ich das politische Amt und Ehrenamt wohl richtig mache. Ich höre den Menschen zu, nehme Sie ernst. Ich nehme ihre Sorgen, Ängste und Bedenken auf, und sie bekommen eine Rückkopplung, wie es sich gehört. Ich will nicht sagen - 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche. Das nicht, aber zeitintensiv ist es schon. Aber ich mache diesen Job gerne. Das ist mein Ansporn und hat mich in meinem Wirken bestätigt.

UEN: Seit nunmehr zwölf Jahren sind Sie Ortsbürgermeister von Kirch- und Westerweyhe und seit 2021 stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt Uelzen. Wie ist das eigentlich so, was ist das Besondere daran?

Günther: Das bedeutet für den Ortsrat zum Beispiel, dass wir uns gegenseitig schätzen, eine gesunde Streitkultur haben und fair miteinander umgehen. Als Ortsbürgermeister stehe ich dem Ortsrat, vor und alle Ortsratsmitglieder werden gleich behandelt. Da schaue ich nicht auf die Politische Zugehörigkeit. Es geht ums Ganze, es geht um uns, und es geht um das gemeinsame miteinander. Wir tun das doch alles für uns und unsere Menschen in unseren Ortschaften. Es kommt schon mal vor, dass der Ortsrat Entscheidungen trifft, die ich persönlich so nicht vertrete. Aber als Ortsbürgermeister stehe ich dem Rat vor und bin der Überbringer des Votums in den Stadtrat und Kreistag.

Ja, und das mit dem stellv. Bürgermeister der Hansestadt ist ebenfalls nur schön. Dieses Amt ist für mich eine Wertschätzung, eine Art Belohnung und Würdigung der geleisteten Arbeit der letzten Jahre. Und ja, da muss ich ehrlicherweise sagen, dass das etwas sehr Besonderes. Als stellv. Bürgermeister hat man überwiegend repräsentative Aufgaben zu erfüllen. So z. B. Geburts- u. Hochzeitsjubilare zu besuchen ist für mich eine der schönsten Aufgaben. Da geht einem schon mal das Herz auf. Dies ist einer meiner Lieblingsarbeiten, die ich sehr sehr gerne wahrnehme.

Etwas sehr Besondere ist auch das Mandat als Präsidiumsmitglied im NSGB. Dieses Mandat trägt dazu bei, dass ich die Gemeinde Uelzen, also die Hansestadt Uelzen, im Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) als Mitglied im Präsidium“ vertreten darf. Das Präsidium besteht aus 19 von den Bezirksverbänden gewählten Mitgliedern und dem Präsidenten. Dort bin ich einer von zwei ehrenamtlichen Bürgermeistern, die anderen sind Hauptberufliche Bürgermeister (HVB) und ein Mitglied des Landtages (MdL). Der NSGB ist als kommunaler Spitzenverband die Interessenvertretung der kreisangehörigen Städte und Gemeinden in Niedersachsen. Er vertritt 360 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden mit nahezu 3,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Das Einzugsgebiet umfasst drei Viertel der Fläche Niedersachsens und über 15.000 Mandatsträger gehören dem NSGB an. Der NSGB versorgt seine Mitglieder mit den aktuellen Entwicklungen aus der Landes- und Bundespolitik. Hier finden erfahren wir die neuesten Entwicklungen, die für unsere Städte, Gemeinden und Samtgemeinden wichtig sind. Die Arbeit im Präsidium ist für mich als Ehrenamtler schon sehr herausfordernd, aber es hat mich in den letzten Jahren weitergebracht und ich freue mich immer wieder, wenn das, was wir im Präsidium erarbeitet haben, insbesondere der Gemeinde Uelzen und unsere Gemeinden im Landkreis Uelzen, positiv zu Gute kommt. Es ist ein schönes Gefühl Informationen und Ergebnisse aus erster Hand erfahren zu dürfen. Daher würde ich die Arbeit im Präsidium des NSGB sehr gerne fortführen. Aber das entscheiden am Ende die Wähler mit Ihrer Stimmabgabe.

UEN: Sie engagieren sich immer wieder bei regionalen Themen – unter anderem rund um die Deutsche Bahn, die geplante Neubautrasse durch den Landkreis Uelzen sowie bei Problemen mit Telefonstörungen. Was hat Sie dazu bewegt, sich in diesen Bereichen so intensiv einzubringen? Und wie ist aktuell der Stand der Dinge?

Günther: Beim Thema Deutsche Bahn und der geplanten Neubautrasse durch unseren Landkreis Uelzen war für viele von uns schnell klar: So geht das nicht. Die Trasse sollte direkt an unserem Vereinsheim des SC Kirch- und Westerweyhe vorbeiführen, weiter durch unseren schützenswerten Stadtwald, am Trinkwasserschutzgebiet entlang sowie vorbei am Bestattungswald und dem Wildgatter. Das war für uns hier in der Region einfach nicht akzeptabel. Da wir in Kirchweyhe bereits Erfahrungen mit einer Bürgerinitiative gesammelt hatten – damals bei der Diskussion um die B4-Ortsumgehung – haben wir uns entschlossen, erneut aktiv zu werden und wieder eine BI zu gründen. An dieser Stelle bin ich Dirk Marwede und den anderen Mitgliedern der Planungsgruppe sehr dankbar. Gemeinsam haben wir zunächst die „BI Kirch- und Westerweyhe DB Trassenwahn“ und später dann die „BI Region Uelzen DB Trassenwahn“ ins Leben gerufen. Mit inzwischen über 750 Mitgliedern waren wir sehr aktiv und haben es geschafft, dass unsere Anliegen genau dort gehört wurden, wo die Entscheidungen getroffen werden. Und wenn alles so kommt, wie wir es hoffen, soll der Ausbau der Bestandsstrecke Uelzen–Hamburg, also ALPHA E, im Jahr 2029 starten. Trotzdem wissen wir natürlich auch, dass die Deutsche Bahn weiter plant und jederzeit neue Varianten einer Neubautrasse oder eines bestandsnahen Ausbaus auf den Tisch kommen können. Deshalb bleibt unsere Bürgerinitiative weiterhin bestehen. Wir müssen aufmerksam bleiben und auch künftig Augen und Ohren offenhalten. Da war ja noch die Frage zu den Telefonstörungen bei der Telekom. Eigentlich begann das Ganze nur hier bei uns in Kirch- und Westerweyhe. Doch nach und nach weitete sich das Problem auf größere Teile des Landkreises Uelzen aus. Sie wollten wissen, wie es dazu kam.

Hier in Westerweyhe bekam ich zunächst Hinweise, dass einige Telefonanschlüsse nicht funktionierten. Gleichzeitig entstand bei vielen Betroffenen der Eindruck, dass sich die Telekom nicht wirklich zuständig fühlte und die Störungen nur sehr schleppend oder teilweise gar nicht bearbeitet wurden. Mit der Zeit wurden mir immer mehr Störungen gemeldet. Da stellte sich natürlich die Frage: Was kann man tun? Also habe ich die Medien eingeschaltet – Funk und Fernsehen berichteten darüber. Einige Tage später erhielt ich dann einen Anruf aus dem Büro eines Konzernbeauftragten, der einen direkten Draht zum Vorstand der Telekom hat. Wir führten ein langes, aber sehr konstruktives Gespräch und suchten gemeinsam nach Lösungen. Am Ende haben wir Vereinbarungen getroffen, mit denen beide Seiten gut leben konnten. Die gemeldeten Störungen wurden gesammelt und direkt weitergegeben. Außerdem gab es täglich Rückmeldungen zum Stand der Entstörung. Es wurden unzählige Probleme gemeldet, und meines Wissens konnten bis auf ein oder zwei Fälle schließlich alle behoben werden. Besonders positiv fand ich dabei den Umgang miteinander: fair, konstruktiv und zuverlässig. Beide Seiten haben ihr Wort gehalten. Das hat mir einmal mehr gezeigt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus.

Am Montag, den 30. Oktober 2023, haben wir gemeinsam mit über 100 Beteiligten aus beiden Ortsteilen auf dem Westerweyher Festplatz einen Kinder-, Jugend- und Seniorentreff errichtet. Begleitet wurde die Aktion vom NDR Fernsehen sowie von Radio Niedersachsen. Am Nachmittag wurde live im Radio berichtet und am Abend zeigte das NDR Fernsehen zwei vierminütige Reportagen über unser Projekt. Um die Entstehung der „Klönbox“ besser zu verstehen, sollte man wissen, warum der Container überhaupt auf dem Festplatz aufgestellt werden sollte.

Auf dem Festplatz befinden sich bereits ein Toilettenhaus mit Waschgelegenheiten, eine einzelne Sitzbank sowie eine Sitzgruppe mit Tischen. Außerdem gibt es dort ein Boulefeld, das hauptsächlich von der Seniorengruppe genutzt wird. Neben dem WC-Häuschen steht ein Lagercontainer der Landjugend. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Bürocontainer zur Aufbewahrung von Sitzbänken und weiteren Utensilien. Der Festplatz wird regelmäßig für verschiedene Großveranstaltungen, zum Golfspielen sowie von unserer Feuerwehr als Übungsgelände genutzt.

Kommen wir nun zum Hintergrund des Projekts:

Vor einer Ortsratssitzung im Oktober 2023 sprach mich mein Ortsratskollege Sascha Plachetka an und fragte, ob ich mir schon Gedanken darüber gemacht hätte, wie und wo wir einen Treffpunkt für Jugendliche schaffen könnten, die nicht in der Landjugend aktiv sind. Dazu muss man wissen, dass sich einige Jugendliche in Westerweyhe häufig an Bushaltestellen mitten im Ort treffen. Dort sitzen sie zusammen, unterhalten sich und manchmal wird es dabei auch etwas lauter, was leider nicht von allen Anwohnern positiv aufgenommen wird. Sascha sagte zu mir: „Ich habe da eine Idee, brauche aber Deine Unterstützung.“ Er zeigte mir Fotos von sogenannten Containerboxen und meinte: „So etwas könnten wir doch auch auf dem Festplatz aufstellen.“ Dort könnten sich die Jugendlichen ungestört, wetterunabhängig und jederzeit treffen. Ich war sofort dabei. Danach ging alles erstaunlich schnell. Bereits am nächsten Tag, dem 13.10.2023, lag ein Angebot für einen Container inklusive Lieferung über 2.085,50 Euro vor. Der Überseecontainer hat die Maße 2,50 m x 6,00 m und wiegt 2,3 Tonnen. Mein erster Gedanke war: „Ganz schön viel Geld.“ Noch am selben Tag führte ich Gespräche mit der Verwaltung, ob das Ortsratsbudget dafür überhaupt verwendet werden dürfe. Eigentlich stehen mir pro Jahr nur 2.000 Euro zur Verfügung. Doch ich dachte mir: Wenn es nötig wird, holen wir Unterstützung aus einem anderen Ortsrat – das hat früher schließlich auch schon funktioniert. Die Zusage der Verwaltung erfolgte noch am selben Freitagnachmittag. Sascha Plachetka führte am Wochenende weitere Gespräche mit dem Händler, um die Kosten zu senken. Dabei erklärte er, dass es sich um ein dörfliches Jugendprojekt handelt und fragte, ob ein günstigerer Preis möglich wäre, wenn der Container vom THW abgeholt würde. Schließlich konnte ein wirklich guter Preis von unter 2.000 Euro inklusive Lieferung vereinbart werden. Allerdings gab es einen Haken: Die Aktion musste sehr kurzfristig stattfinden – bereits am Dienstag, den 17.10.2023, und zwar ohne festen Abladezeitpunkt. Treffpunkt war um 12:00 Uhr auf dem Festplatz in Westerweyhe. Sascha organisierte daraufhin einen THW-Kranwagen zum Abladen des Containers, der pünktlich vor Ort war. Der Container wurde erfolgreich abgeladen und zunächst am Rand des Festplatzes zwischengelagert. Noch am selben Tag fand gemeinsam mit Horst Winkler, dem Leiter der Westerweyher Seniorengruppe, das erste Lagegespräch statt. Der zukünftige Standort wurde besichtigt und festgelegt. Bereits am nächsten Morgen kam der Anruf von Horst Winkler: „Du kannst vorbeikommen – das Gelände ist freigeräumt und vom Strauchwerk befreit. Es kann weitergehen.“ Gemeinsam wurde besprochen, welche Materialien benötigt werden: Sand, Split, Steine, Platten und vieles mehr. Also kontaktierte ich die Verwaltung der Hansestadt Uelzen und fragte freundlich nach gebrauchtem Material. Die Antwort war erfreulich unkompliziert: „Wann brauchst Du es und wohin sollen wir es bringen?“

Gesagt, getan – Lieferung am nächsten Morgen direkt zum Festplatz. Am selben Mittwoch gab es außerdem ein weiteres spannendes Gespräch – diesmal mit dem NDR. Noch während des Telefonats wurde ein möglicher Drehtag am 30.10.2023 vereinbart, allerdings zunächst ohne feste Zusage. Nun musste die gesamte Geschichte inklusive des geplanten Ablaufs kurzfristig drehreif aufgeschrieben und noch am selben Tag an die Redaktion geschickt werden. Am Freitagmorgen um 9:00 Uhr traute ich meinen Augen kaum: Auf dem Festplatz stand bereits ein Radlader und schob den Mutterboden dort ab, wo der Container später stehen sollte. Horst Winkler koordinierte die Arbeiten vor Ort. Außerdem wurde das bestellte Material geliefert. Noch am selben Tag wurde Split eingebracht und die Fläche für das Containerfundament vorbereitet. Am Samstagmorgen setzte ein Teleskoplader der Firma Agravis den tonnenschweren Container an seinen endgültigen Standort. Torben Salz von der Westerweyher Landjugend erledigte diese Aufgabe hervorragend – auf ihn konnte man sich wirklich verlassen. Am Montag darauf kam dann endlich die Zusage vom NDR für den Drehtag am 30.10.2023. Bereits am Dienstag wurden die Flächen an den Containerwänden markiert, die später ausgeschnitten werden sollten. Das THW Uelzen nutzte dies am Freitagabend sogar für einen Übungsdienst unter dem Motto „Öffnung eines Stahlcontainers in Gefahrenlage“. Dabei flogen Funken, es gab Feuer und jede Menge Lärm – ein echtes Spektakel. Am Samstagmorgen entgratete Sascha sämtliche Schnittkanten am Container. Damit sich später niemand an den Metallkanten verletzen konnte, wurden zusätzlich von einer Tischlerei gesponserte Holzbretter angebracht und verschraubt. Man musste wirklich an alles denken.

Und dann kam endlich der große Tag: Montag, der 30.10.2023 – genau 18 ereignisreiche und spannende Tage nach Beginn des Projekts. Der Fertigstellungstag, begleitet von den Medien. Ich hoffte nur, dass weiterhin alles so gut laufen würde. An diesem Tag waren über 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer vor Ort und packten mit an. Das Gelände vor dem Container wurde eingeebnet und mit Gehwegplatten versehen. Der Zugang zur Klönbox wurde alters- und behindertengerecht gestaltet – dafür war die Seniorengruppe Westerweyhe verantwortlich. Die Sitzgelegenheiten im Innenbereich bestehen aus Europaletten, die fest mit dem Boden verschraubt wurden. Zusammengebaut wurden die Möbel von den Jugendlichen der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Uelzener Unternehmen spendeten Europaletten sowie Geld für Sitzkissen. Viele Bürgerinnen und Bürger brachten Kaffee und Kuchen vorbei und versorgten damit Helfer und Kinder. Die Kirchweyher Feuerwehr war mit einem Großfahrzeug vor Ort und wurde von zahlreichen Mitgliedern der Kinder- und Jugendfeuerwehr begleitet. Stefan Lingg spendete Waffelteig, bereitete die Waffeln selbst zu und verteilte sie an alle Beteiligten. Der Lions Club Uelzen spendete Erbsensuppe, die von Barth-Catering zubereitet wurde. Der Club Heideblume stellte Getränke zur Verfügung – und das alles kostenlos. Der krönende Abschluss des Tages war schließlich die offizielle Namensgebung des Containers:

Der neue Kinder-, Jugend- und Seniorentreff heißt nun „Klönbox“.

Es war eine großartige Aktion, die vollständig durch ehrenamtliches Engagement möglich gemacht wurde. Ich bin unglaublich stolz auf das, was hier gemeinsam geleistet wurde, und würde jederzeit wieder ähnliche Projekte in unseren Ortschaften unterstützen und umsetzen. Denn die Zusammenarbeit mit so vielen engagierten Menschen macht einfach Freude. Die Nutzung der Klönbox ist enorm. Kinder-, Jugendliche und auch viele Senioren nutzen diese Anlaufstelle fast täglich und daher war die Idee und Umsetzung des Projektes in die Realität sehr wichtig für unsere Ortschaften.

UEN: Sie möchten gern das kirchliche Gemeindehaus in Westerweyhe in ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH) umwandeln. Was möchten Sie dort veranstalten und für wem ist das Haus geplant? Geben Sie uns doch bitte mal einen Sachstand?

Günther: Das bisher kirchlich genutzte Gemeindehaus in Westerweyhe soll in ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH) umgewandelt werden, das künftig allen Menschen im Ort als zentraler Treffpunkt zur Verfügung steht. Ziel dieser Umnutzung ist es, einen offenen, lebendigen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem sich das Dorfleben in seiner ganzen Vielfalt entfalten kann. In dem Dorfgemeinschaftshaus sollen unterschiedlichste Veranstaltungen und Angebote stattfinden. Dazu gehören zum Beispiel traditionelle Dorffeste wie das Heideblütenfest und gemeinsame Feiern im Jahresverlauf, aber auch Treffen von Vereinen, Arbeitsgruppen und Initiativen aus Westerweyhe und der Umgebung. Ebenso kann das Haus für kulturelle Veranstaltungen wie kleine Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen genutzt werden, die das Gemeinschaftsleben bereichern und den Austausch fördern.

Darüber hinaus soll das Gebäude auch Raum für private und familiäre Anlässe bieten, etwa für Geburtstagsfeiern, Jubiläen oder andere persönliche Feste. Auch regelmäßige Angebote wie Spielenachmittage, Seniorentreffen, Jugendgruppen oder Bildungs- und Informationsveranstaltungen sind vorgesehen. Da das Gebäude einen großen Saal und einen Bühnentrakt hat, planen wir Theaterveranstaltungen und Klavierabenden. Der große Saal kann für Übungsabende für Tanzgruppen wie der Volkstanzgruppe und den Line-Dancer genutzt werden. Dadurch entsteht ein vielseitiger Ort, der Menschen aller Altersgruppen anspricht und verbindet. Das Dorfgemeinschaftshaus ist dabei ausdrücklich für alle Bürgerinnen und Bürger gedacht. Es soll Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Menschen gleichermaßen zusammenbringen und ihnen einen Ort bieten, an dem sie sich treffen, austauschen und gemeinsam aktiv sein können. Auch Vereine, ehrenamtliche Gruppen und weiterhin kirchliche Gemeinschaften sollen das Haus nutzen können.

Insgesamt soll das ehemalige Gemeindehaus zu einem offenen Mittelpunkt des Dorflebens werden – ein Ort, der Gemeinschaft stärkt, Begegnungen ermöglicht und das soziale Miteinander in Kirch- und Westerweyhe langfristig fördert.

UEN: Sie arbeiten seit 2025 an einem interessanten Projekt - „Demokratie für die Kleinsten“. Was bedeutet das und was sind die Beweggründe?

Günther: „Als Kalle Günther und natürlich als Ortsbürgermeister vermittele ich im Kindergarten spielerisch Werte für ein gemeinsames Miteinander. Meinungen fair vertreten, mit Argumenten überzeugen, gemeinsam Mehrheiten finden: Fast selbstverständlich machen wir regelmäßig von diesen Werkzeugen der Demokratie Gebrauch, spätestens bei anstehenden Wahlen. Aber diese Fertigkeiten im Umgang miteinander müssen erlernt und geübt werden. Demokratie kann gar nicht früh genug vermittelt werden. Vor allem dann nicht, wenn unsere Demokratie bundesweit durch Kräfte auf den Prüfstand gestellt wird, die sie von innen aushöhlen wollen. Ich bin daher der Meinung, dass der Grundstein bereits im Kindesalter gelegt werden muss

Eines möchte ich aber unbedingt klarstellen. Die Erzieher und Erzieherinnen in den Kindergärten leisten in diesem Sinne eine wunderbare und sehr erfolgreiche Arbeit und den machen sie hervorragend. Ich möchte nur vertiefen und die Sicht der Kinder auf Aussenstehende Menschen und Ereignisse lenken.

Ich habe lange darüber nachgedacht wie ich die Sache anpacken muss. Ich dachte nur einfach mal machen und nicht lange nachdenken. Deswegen führte mich der Weg vor einigen Monaten kurzerhand zum DRK-Kreisverband, der im Landkreis Uelzen Träger etlicher Kindertagesstätten ist – so auch in Westerweyhe.

Und seitdem bin ich regelmäßig zu Gast in der örtlichen Kita und vermittele, mit den Erzieherinnen und Erziehern zusammen, mit der Kompetenz von jahrzehntelanger lokalpolitischer Erfahrung das Thema Demokratie. Umringt von den Jungs und Mädchen und teils einem regelrechten Fragen-Hagel ausgesetzt, nehme ich mir gerne die Zeit, um zu antworten, Beispiele zu nennen und aus dem politischen Alltag zu berichten. Wie wird man z. B. Bürgermeister? Ich berichtete aus meinem Leben, über meine Mitgliedschaft in den örtlichen Vereinen, Spielmanns- und Fanfarenzug, Fußball, ehrenamtliches Engagement und schließlich die Einsicht, wenn alle mitmachen, lässt sich vieles einfacher regeln und gestalten. Abstimmung mit Plexiglasröhrchen und einzulegende Stimmplättchen  Immer frage ich dann nach – wer ist dafür, wer stimmt dagegen? Ein spielerischer Prozess, der begeistert angenommen wird.

Auch zwischen zwei verschiedenen Kinderbüchern, aus denen ich zum Abschluss eines Besuchstages vorlese, dürfen die Kinder mit erhobenen Fingern oder mit dem Stimmplättchen auswählen. Ein echtes Highlight gab es beim jüngsten Besuch, ich habe Wahlmaschine entworfen und gebaut. Ein massives und schweres Konstrukt aus Holz und Plexisglasröhren. Das Spiel hat einen schönen im Gruppenraum bekommen. Wenn nun in der Kita abgestimmt wird, darf jedes Kind einen Holzchip in die Röhre seiner Wahl werfen. Am Ende kann jeder klar und deutlich sehen, wo die Mehrheit liegt. Fair und demokratisch. Faires Miteinander beinhaltet Kompromisse. Wichtig ist für uns, dass die Kita-Kinder lernen: Ein auf fairen Regeln basierendes Miteinander beinhaltet immer auch Kompromisse, denn jede Stimme zählt, die Minderheit wird respektiert, aber am Ende entscheidet die Mehrheit. Nur, wenn wir jetzt erkennen, dass unsere Werte bereits den Kleinsten vermittelt werden müssen, werden wir unsere Demokratie dauerhaft sichern und künftigen Generationen weitergeben können. Ich glaube fest, dass das einer der richtigen Wege ist um Kindern spielerisch und am einfachstem Demokratie zu zeigen und zu erklären.

Ich bin aber noch lange nicht fertig mit dem Projekt. Ich plane noch weitere tolle Veranstaltungen: Es steht unter anderem ein gemeinsamer Besuch des Uelzener Rathauses sowie der Besuch des geplanten Dorfgemeinschaftshauses in Westerweyhe auf dem Programm.

UEN: Sie engagieren sich im niedersächsischen Gemeindebund (NSGB) und sind Präsidiumsmitglied. Sie sind aber auch Mitglied im Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss des NSGB. Was ist der NSGB? Und was macht das Präsidium sowie der Bauausschuss? Wie kommt da rein?

Günther: Es gibt drei kommunale Spitzenverbände in Niedersachsen. Den Niedersächsischen Landkreistag (NLT) und in diesem vertritt unser Landrat Heiko Blume den Landkreis Uelzen. Dann gibt es noch den Niedersächsischen Städtetag (NST), in dem ist Bürgermeister Jürgen Markwardt der Hansestadt Uelzen vertreten.

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGN) ist der dritte kommunale Spitzenverband der kreisangehörigen Städte, Gemeinden und Samtgemeinden in Niedersachsen. Dort vertrete ich als stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt Uelzen unsere Gemeinden und Samtgemeinden des Landkreises Uelzen. Der NSGB vertritt die Interessen seiner Mitgliedskommunen gegenüber dem Land, dem Bund und teilweise auch auf EU-Ebene. Konkret geht es dabei um alles, was Kommunen direkt betrifft: von Finanzen und Kitas über Bauleitplanung bis hin zu Umweltrecht und Infrastruktur. Wenn jemand, so wie wir im Präsidium des NSGB sitzt, gehört er zur politischen Leitungsebene des Verbandes. Das Präsidium trifft Grundsatzentscheidungen, legt Positionen fest und steuert die politische Arbeit zwischen den Verbandstagen.

Der Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss des NSGB ist dagegen ein sogenannter Fachausschuss. Dort werden fachlich sehr konkrete Themen aus den Bereichen Bauordnung, Städtebau, Raumplanung, Umweltrecht, Klimaschutz und Infrastruktur intensiv vorbereitet. Der Ausschuss diskutiert zum Beispiel Gesetzesänderungen, Stellungnahmen zu Landesplänen oder praktische Probleme der Bauleitplanung in den Kommunen. Die Ergebnisse fließen dann in die Positionen des Gesamtverbandes ein und werden oft vom Präsidium oder den Hauptausschüssen übernommen. In diesen Ausschuss kommt man nicht „einfach so“ durch Bewerbung, sondern über eine Benennung durch die Mitgliedskommunen bzw. die Verbandsstrukturen. Typischerweise werden Personen entsandt, die in ihrer Kommune fachlich zuständig sind – etwa Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Bauamtsleitungen oder Ratsmitglieder mit entsprechendem Schwerpunkt. Die Zusammensetzung wird dabei so gestaltet, dass unterschiedliche Regionen und kommunale Größenklassen vertreten sind.

Kurz gesagt: Der NSGB ist die politische Interessenvertretung der Kommunen, das Präsidium ist die strategische Spitze, und der Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss ist das Fachgremium, in dem die inhaltliche Detailarbeit für diese Themen geleistet wird.

UEN: Sie sind ehrenamtlicher Richter, wie kam es dazu?

Günther: Ich bin ehrenamtlicher Richter geworden, weil ich mich schon immer für das Funktionieren unseres Rechtsstaats interessiere und mich gerne gesellschaftlich engagiere. Besonders spannend finde ich die Frage, wie unser Rechtssystem in der Praxis arbeitet, wie Urteile entstehen und welche Überlegungen letztlich zu einer Verurteilung führen. Durch meine achtjährige Tätigkeit im Anstaltsbeirat der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen hatte ich bereits regelmäßig Kontakt sowohl zu Mitarbeitenden der Justiz als auch zu Inhaftierten. Diese Erfahrungen haben meinen Blick geschärft und bei mir den Wunsch geweckt, auch die „andere Seite“ der Justiz kennenzulernen – also die Perspektive der Gerichte und der Entscheidungsfindung im Strafverfahren.

Aufgrund meines Wohnorts und der Nähe zur JVA wurde ich auf dieses Ehrenamt aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich mir diese verantwortungsvolle Aufgabe vorstellen könnte. Nach einem Bewerbungs- und Auswahlverfahren über die zuständigen Gremien wurde ich schließlich berufen. Seitdem nehme ich regelmäßig an Hauptverhandlungen teil und entscheide gemeinsam mit den Berufsrichtern über Strafsachen.

Ich empfinde diese Aufgabe als sehr sinnvoll und verantwortungsvoll, weil sie mir einen direkten Einblick in die Arbeit der Justiz ermöglicht. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass Rechtsprechung nicht ausschließlich von Juristinnen und Juristen im Berufsalltag getragen wird, sondern durch ehrenamtliche Richterinnen und Richter aus der Gesellschaft ergänzt wird. Dadurch fließen auch Erfahrungen und Sichtweisen aus dem alltäglichen Leben in die Entscheidungen mit ein, was ich als große Stärke unseres Rechtssystems sehe.

UEN: Wie sehen Sie eigentlich den heutigen politischen Umgang miteinander – sowohl zwischen Gesellschaft und Politik als auch umgekehrt?

Günther: Fangen wir einmal bei uns hier vor Ort an – in unseren Ortschaften und in Uelzen. Wir Kommunalpolitiker sind die gewählten Vertreter unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir arbeiten mit den Menschen und für die Menschen und haben ein gutes Verständnis für ihre Anliegen. Das liegt vor allem daran, dass wir zuhören, das Gespräch suchen und die Sorgen und Wünsche der Bürger ernst nehmen. Wir sind nah an den Menschen dran und können sie deshalb auch gut mitnehmen. Für die Bürgerinnen und Bürger sind wir greifbar und direkt ansprechbar. Ich habe den Eindruck, dass wir von vielen Mitbürgern als ein Teil der Gemeinschaft wahrgenommen werden. Unser Ziel ist es, das umzusetzen, was sich die Menschen vor Ort wünschen. Natürlich gelingt das nicht immer – auch das gehört zur Realität dazu. Wenn wir ehrlich sind, geht es meistens um die Fragen und Herausforderungen, die uns hier direkt betreffen und die wir gemeinsam lösen müssen. Dabei kann man es selbstverständlich nicht jedem recht machen. Trotzdem versuchen wir es immer, denn genau das ist unser Auftrag – und das ist auch gut so. Schließlich müssen und wollen wir sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der Verwaltung gerecht werden. Weil wir hier fair miteinander umgehen und uns gegenseitig respektieren, funktioniert das in der Regel auch gut. Deshalb sehe ich in Uelzen beim gesellschaftlichen Miteinander derzeit kein grundsätzliches Problem. Schauen wir jedoch einmal über den Tellerrand nach Berlin in die Bundespolitik, dann entsteht ein anderer Eindruck. Ich glaube, dass dort in den vergangenen Jahren manches nicht richtig, vielleicht auch zu schnell entschieden wurde. Bei einigen politischen Vorhaben hat man die zeitliche Umsetzung falsch eingeschätzt und dabei zu wenig an die Menschen gedacht. Vor allem hat man es versäumt, die Bürger ausreichend mitzunehmen. Daraus entsteht bei vielen Menschen das Gefühl, vergessen oder abgehängt zu werden. Hinzu kommt, dass wir hier im ländlichen Raum oft ganz andere Probleme haben als die Menschen in den Großstädten. Man denke nur an die ärztliche Versorgung oder an den öffentlichen Nahverkehr. Die Parteien der Regierungskoalition scheinen derzeit die drängenden Fragen und Sorgen vieler Menschen nicht ausreichend beantworten zu können. Dadurch wächst die Distanz zwischen Regierung und Bevölkerung. Gleichzeitig nehme ich aber auch eine gewisse politische Ermüdung in der Gesellschaft wahr. Die oft nur schwach besuchten öffentlichen Veranstaltungen zur Europawahl zeigen, dass das Interesse an einer intensiveren Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen offenbar bei vielen Menschen zurückgegangen ist.

UEN: Befürchten Sie, dass sich die demokratischen Grundwerte verändern, und sehen Sie unsere Demokratie dadurch gefährdet?

Günther: Demokratien verändern sich seit jeher – das ist grundsätzlich nichts Negatives. Gesellschaftliche Werte wandeln sich mit der Zeit, wie etwa die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe zeigt. Problematisch wird es jedoch, wenn sich Wertvorstellungen in eine Richtung entwickeln, die mit den Grundprinzipien unseres Grundgesetzes kollidieren. Gerade hier zeigt sich, wie verletzlich demokratische Ordnungen sein können, wenn Politik und Gesellschaft zu passiv reagieren. Die Verteidigung der Verfassung darf deshalb nicht nur eine formale Aufgabe des Staates bleiben, sondern muss aktiv von Politik und Zivilgesellschaft getragen werden. Die zunehmende Politikmüdigkeit vieler Menschen ist dabei besonders gefährlich, weil sie demokratische Prozesse schwächt und extremen Positionen mehr Raum gibt. Demokratische Werte müssen daher klarer und entschlossener vertreten werden. Politik darf zudem nicht als einseitiger Prozess verstanden werden, bei dem Entscheidungen nur „von oben“ getroffen werden. Demokratie lebt vom kritischen Austausch zwischen Politik und Gesellschaft. Sie ermöglicht den Menschen, frei zu entscheiden und Einfluss zu nehmen – genau deshalb muss sie konsequent geschützt und verteidigt werden.

Wenn ich an meine politischen Ziele denke, ist mir vor allem ein respektvoller und fairer Umgang miteinander wichtig. Unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie dazu, und gerade deshalb ist es entscheidend, dass wir uns gegenseitig zuhören, wertschätzen und gemeinsam nach guten Lösungen suchen. Unsere Demokratie zu schützen und zu stärken sehe ich als gemeinsame Aufgabe von Politik und Gesellschaft. Auch wenn das in der heutigen Zeit eine große Herausforderung ist, sollten wir uns immer bewusst machen, dass Freiheit und Mitbestimmung keine Selbstverständlichkeit sind, sondern ein hohes Gut, das es aktiv zu bewahren gilt.

Als Ortsbürgermeister habe ich die Möglichkeit, das Leben der Bürgerinnen und Bürger in vielen Bereichen direkt mitzugestalten. Mir ist es wichtig, dazu beizutragen, dass das Zusammenleben in unseren Dörfern gut funktioniert und sich die Menschen wohlfühlen. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren unserer kommunalen Demokratie vor Ort. Diese Aufgabe erfüllt mich mit großer Freude und echter Überzeugung – ich bin mit Herz und Leidenschaft Kommunalpolitiker und Ortsbürgermeister.

Auf persönlicher Ebene wünsche ich mir vor allem, weiterhin gesund und aktiv zu bleiben. Außerdem ist mir sehr wichtig, dass meine Familie hinter mir steht und mich weiterhin unterstützt und begleitet, auch bei neuen Ideen und Vorhaben. Insgesamt habe ich den Wunsch, noch einiges zu bewegen und auch in Zukunft Verantwortung zu übernehmen und Dinge positiv zu gestalten.

Ich möchte noch einiges bewegen.

Fotos: privat