UEN-Kolumne mit Professor Markus Launer: Ostfalia co-organisiert KI-Konferenz in Taipeh, Taiwan
- Subtitle: Suderburg
Suderburg. Wer an Künstlicher Intelligenz (KI) forscht, der kommt derzeit an den USA, China, Japan, Korea und Taiwan nicht herum. Laut dem Verband Bitkom sind die führenden KI-Unternehmen zu 41% US-Unternehmen, zu 23% aus China und 7% aus Japan. Aus Europa gibt es zum Thema KI Trends wenig zu berichten. Deutschland wurde in der Bitkom Studie kaum erwähnt. Die Insel Taiwan war immerhin mit 4% Anteil am Weltmarkt angegeben. Hier gibt es besonders interessante Entwicklungen, die auch Uelzen betreffen.
Taiwan entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Standort für KI-Forschung und -Entwicklung. Die Regierung verfolgt eine klare nationale KI-Strategie, die Forschung, Talentförderung und industrielle Anwendung systematisch verbindet. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von KI mit Taiwans Stärken in der Halbleiter-, Elektronik- und Fertigungsindustrie. Parallel wird massiv in Recheninfrastruktur und sogenannte „Sovereign-AI“-Kapazitäten investiert. KI-Forschung spielt eine große Rolle in Bereichen wie Smart Manufacturing, Robotik und Gesundheitswesen. Internationale Technologiekonzerne wie Google und Nvidia betreiben bedeutende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Taiwan. Zentrale Akteure sind staatliche Institute wie das Industrial Technology Research Institute (ITRI) sowie führende Universitäten. Und was bedeutet das für Uelzen?
Die National Chengchi University (NCCU) in Taipeh ist führend in der KI-Forschung. Für Prof. Markus Launer von der Ostfalia Hochschule in Suderburg war das ein Ansporn im Forschungssemester dort mitzuarbeiten und zu mitzuforschen. Die National Chengchi University (NCCU) bündelt ihre KI-Aktivitäten insbesondere im Interdisciplinary Artificial Intelligence Center (IAIC), das Forschung und Lehre über Fachgrenzen hinweg fördert. Ein zentrales Merkmal ist die enge Verbindung von KI mit den Geistes- und Sozialwissenschaften, wodurch technologische Entwicklungen in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet werden. Ergänzend dazu betreibt das College of Informatics aktive Forschung in klassischen KI-Bereichen wie Maschinellem Lernen, Computer Vision, Mensch-Computer-Interaktion und Big Data. Die Universität verfolgt dabei konsequent einen Human-Centered Approach, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt. KI-Projekte werden nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich ihrer kulturellen, ethischen und sozialen Auswirkungen reflektiert. Insgesamt positioniert sich die NCCU als Standort für interdisziplinäre, gesellschaftlich verantwortungsbewusste KI-Forschung. Das passt zu Uelzen und der Ostfalia Philosophie.
Kontakte zu Prof. Frank Hung und Prof. Pei-Hsuan Hsieh führten zu einer gemeinsamen Forschungskonferenz namens ITMA der Ostfalia mit der National Chengchi University (NCCU) in Taipeh (https://itma.org.tw/2025-itmaostfalia-university). Die größte Onlinezeitung von Taiwan berichtete: https://shorturl.at/9wwc9. Als Key Note Speaker berichtete Launer über die neuen Trends aus Palo Alto in den USA und Shenzhen und Hangzhau in China. In weiteren Vorlesungen auch an Partneruniversitäten vertiefte er die Diskussionen um KI und Chatbots. Doch was kann bei einer solchen Konferenz aus der Forschung und Lehre in Suderburg berichtet werden?
Übergeordnet zeigt der Gartner Hype Cycle 2025, eine Analyse aktueller und zukünftiger Technologietrends, einen Fokus hin zu sog. KI-Agenten. Das sind (teil-) autonome Systeme, die Aufgaben und Entscheidungen selbstständig übernehmen. Gartner ordnet sie dem „Peak of Inflated Expectations“ zu und warnt zugleich vor „Agent Washing“, bei dem einfache Chatbots fälschlich als echte KI-Agenten vermarktet werden. Die Ostfalia forscht dazu in verschiedenen Projekten, u.a. eine Studie zu KI-gestützte Chatbots in der Kundenkommunikation, KI im Gesundheitswesen, aus der OLIF Lern- und Innovationsfabrik zum Thema generative Chatbots oder dem Projekt DiWeiWei über digitale Technologien mittels sprachbasierten Chat Bots.
In der Denomination „Dienstleistungsmanagement“ von Launer geht der Trend vom Predictive Maintenance (vorausscheuende Wartung) hin zu Predictive Behaviour, etwa bei der Next Best Offer Analysis. KI-Systeme können Kaufentscheidungen von Kunden vorhersagen, bevor die Kunden sich ihrer Präferenzen selbst bewusst sind. Grundlage dafür sind Big Data, Kontextinformationen und maschinelles Lernen, das Muster erkennt, speichert und kontinuierlich verbessert. Im B2C-Bereich führt dies zu passgenaueren Angeboten und weniger Ressourcenverschwendung. Im B2B-Geschäft führt es zu besser vorbereiteten Verhandlungen. Gleichzeitig verändern Large Language Models Vertrieb und Kundenservice grundlegend: Diese KI-basierten Chatbots liefern schnellere, präzisere und rund um die Uhr verfügbare Kundenkommunikation, während einfache Chatbots zunehmend an Bedeutung verlieren. Und: Sie sind stets freundlich, legen nicht auf oder lassen Sie nie in einer Warteschleife hängen.
Besonders weitreichende Entwicklungen gibt es der Emotion Detection (KI-basierte Emotionsanalyse). KI kann emotionale Reaktionen über Kameras und Sensoren erkennen und Service- oder Verkaufsgespräche verbessern. Die KI gibt Tipps, wie mit dem gegenüber am besten umzugehen ist. Bspw. Erkennt die KI eine ablehnende Haltung des Gegenüber an kleinsten Gesichtregungen, auch wenn er oder sie lächelt. Darüber hinaus wird das Management von Mitarbeitenden zunehmend automatisiert. KI-gestützte Personal- und Trainingssysteme analysieren Leistung, individualisieren Lernangebote und begleiten Entwicklung über lange Zeiträume. KI im Dienstleistungsmanagement steigert Effizienz und Qualität, wirft jedoch zugleich grundlegende Fragen zu Datenschutz, Transparenz und Ethik auf. Und wenn der KI-gesteuerte Roboter die Hausarbeit im eigenen Heim übernimmt, die Frage ist, was speichert er und wer hört zu? Aber das tut Alexa ja schon heute.
Launer berichtete zudem aus seiner eigenen aktuellen Forschung in Suderburg, insbesondere zur rationalen und intuitiven Entscheidungsfindung mithilfe Künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt stand dabei die Human-Machine Interaction, also das Zusammenspiel zwischen menschlichem Urteilsvermögen und KI-gestützter Entscheidungsunterstützung. Untersucht wird, wie algorithmische Analysen rationale Entscheidungen verbessern können und zugleich intuitive menschliche Kompetenzen ergänzen oder beeinflussen. Ziel der Forschung ist es, Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass Mensch und KI ihre jeweiligen Stärken optimal einbringen. Entscheidungen von Menschen mit Unterstützung durch KI können bestehende Ideen überprüfen und bestätigen oder zur Generierung neuer Ideen und Lösungsansätze führen. Erste empirische Ergebnisse zeigen, dass Personen mit einem eher rationalen Entscheidungsverhalten KI vor allem zur Bestätigung bestehender Konzepte nutzen (Confirmation Bias). Menschen mit überwiegend intuitiver Entscheidungsfindung setzen KI dagegen kreativer ein und entwickeln neue Ideen ergebnisoffen. Ein Teil der Menschen kombiniert beide Entscheidungsmechanismen – rational und intuitiv. In der Forschung wird in diesem Zusammenhang von sogenannten „weisen Entscheidungen“ gesprochen: Diese Personen nutzen KI zunächst zur kreativen Ideengenerierung, entwickeln die Ansätze weiter und überprüfen sie anschließend systematisch.
Und was heißt das für Uelzen lokal? Auch in Uelzen können Unternehmen KI-basierte Chatbots einsetzen, von der Kundenkommunikation bis hin zu Training von Mitarbeitern. Dafür wurde ja das Glasfasernetz auch verlegt. In der öffentlichen Verwaltung können Kundenanfragen schneller bearbeitet werden. Die Stadt Uelzen informiert bspw. darüber, wie Bürgerinnen und Bürger Künstliche Intelligenz hautnah erleben und darüber mitdiskutieren können. Die Potenziale der Bürger sollen gefördert werden und gleichzeitig Risiken verantwortungsvoll im Blick behalten. An den Berufsbildenden Schulen bietet Schulleiter OStD Stefan Nowatschin gesonderte Ausbildungen zu KI. Künstliche Intelligenz ist auch in Uelzen ein entscheidender Faktor für die Zukunft. Und auch in Suderburg gibt es an der Ostfalia viel zu Thema KI zu lernen und forschen.