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„Ein gewisser Gestaltungswille ist erkennbar“: Klaus-Dieter Müller schätzt im Museumsdorf Hösseringen

Hösseringen. Von Budapest über Peine und die Lüneburger Heide nach Bremen – die alte Petroleumleuchte ist herumgekommen. Den größten Teil ihres Lebens hat sie allerdings beschaulich in einem Wochenendhäuschen in der Heide verbracht, wo sie noch lange nach Einführung der elektrischen Beleuchtung die einzige Lichtquelle war.

„Sie sorgt in der Familie für viele schöne Erinnerungen“, erzählt Eigentümerin Carla Rump, die an diesem Sonntag extra aus Bremen angereist ist. Sie ist dem Museumsdorf seit vielen Jahren verbunden und kommt öfter her, diesmal mit einigen Familienerbstücken im Gepäck. „Die sogenannte Lampa Magica ist in Budapest hergestellt worden, obwohl meine Familie, die seit 1500 in Peine ansässig ist, nie eine Verbindung nach Ungarn hatte“, wundert sie sich.

Doch Kunstexperte Klaus-Dieter Müller bringt Licht ins Dunkel: „Solche Lampen sind um 1870 in großen Mengen günstig verkauft oder sogar kostenlos abgegeben worden. Herstellerfirmen wollten auf diese Weise einen Bedarf an Petroleum, das nach und nach Kienspan und Kerzen ablöste, erzeugen.“

Der Sachverständige ist an diesem Sonntag wieder einmal ins Museumsdorf gekommen, um alte Erb- oder auch jüngere Fundstücke einzuschätzen. Bernd und Veit Bargmann haben mit ihren fünf Gemälden leider keinen Schatz entdeckt. Sie fanden die Bilder in einem alten Haus, das sie erworben haben. Die Vorbesitzer hatten sie einfach hängen lassen, vielleicht wussten sie bereits, dass es sich um günstige Dekorationsstücke handelt.

Gut, beim „Spätsommer in der Heide“ lasse sich ein „gewisser Gestaltungswille“ erkennen, meint Klaus-Dieter Müller, aber so insgesamt sei der Wert eher ideeller Natur. Die Bargmanns nehmen es nicht schwer. „Nun wissen wir, dass wir die Bilder ruhigen Gewissens entsorgen können, sollte es nötig sein“, fassen sie zusammen.

Ein schönes Service von Villeroy & Boch hat Jutta Gräf mitgebracht. Das Set von 1880 ist schon lange in Familienbesitz. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte es die Tante im Garten vergraben. Und im Zweiten Weltkrieg dann noch einmal. Kein Wunder, dass es in der Familie hochgeschätzt wird. Doch ein Wermutstropfenist dabei: Die Suppenterrine fehlt. Sie ging irgendwann zu Bruch, doch Klaus-Dieter Müller tröstet: „Mit etwas Geduld kann eine Terrine nachgekauft werden. 

Solche Stücke tauchen immer mal im Handel auf.“ Vom mittelalterlichen Spinnwirtel bis hin zum Holzpferd aus Spanien kommen noch so manche Stücke auf den Tisch von Klaus-Dieter Müller. Und der lässt es sich nicht nehmen, dem jüngsten Besucher des Tages eine Lupe zu schenken.

Für weitere Forschungen…

Fotos: Museumsdorf Hösseringen