UEN-Kolumne mit Professor Markus Launer: Die KI-Wirtschaft in Uelzen - Ein lokaler Blick auf eine globale Entwicklung
- Subtitle: Suderburg
Um zu verstehen, was Künstliche Intelligenz (KI) verändert, muss man nicht nach Shenzhen und Hangzhou (China) oder ins Silicon Valley (USA) schauen. KI ist längst auch in Deutschland angekommen – wenngleich Medien und Politik dies bislang kaum thematisieren. Zwar konzentriert sich die öffentliche Debatte vor allem auf Metropolen wie Berlin, München und Frankfurt. Doch die Technologie macht vor dem ländlichen Raum nicht halt – auch Uelzen bildet hier keine Ausnahme.
Dieser Beitrag beleuchtet, wie KI in die Wirtschaft der Region Uelzen Einzug gehalten hat. Die Recherche basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, ausgewertet mithilfe von Google und dem KI-System Gemini. Die Überprüfung erfolgte mit Unterstützung von Claude, einem KI-System des Unternehmens Anthropic. Der Text erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeichnet das öffentlich sichtbare Bild der KI-Akteure in Uelzen nach. Sollten Ungternehmen und Projekte fehlen, oder Firmenangebote falsch darsgestellt worden sein, freue ich mich über eine Rückmeldung – per E-Mail an
Öffentliche Wahrnehmung von KI in Uelzen: Müllkontrolle
Überregionale Bekanntheit erlangte der Landkreis Uelzen im Bereich Künstliche Intelligenz bislang vor allem durch eine Reportage des NDR – und das ist symptomatisch für das Problem. Die Dokumentation zeigt, wie die Abfallwirtschaft des Landkreises KI-gestützte Kamerasysteme in Müllfahrzeugen einsetzt, um Fehlwürfe in Biotonnen automatisch zu erkennen. Wird etwa Kunststoff in der Biotonne identifiziert, wird dieser Befund in Echtzeit an die Zentrale übermittelt; von dort erfolgt eine automatisierte Benachrichtigung der betreffenden Haushalte. Der gesamte Prozess ist datenbasiert und läuft weitgehend ohne menschliches Zutun ab.
Technisch betrachtet ist dieses System durchaus bemerkenswert: Es veranschaulicht, wie KI auch in kommunalen Alltagsprozessen effizient eingesetzt werden kann. Doch die öffentliche Rezeption birgt ein strukturelles Problem. Wenn ein Landkreis primär durch einen einzigen, zudem überwachungsassoziierten Anwendungsfall wahrgenommen wird, entsteht ein verzerrtes Bild – eines, das die tatsächliche Breite und das Potenzial lokaler KI-Entwicklungen verdeckt. Uelzen wird technologisch sichtbar, aber auf einen sehr engen Kontext reduziert: die Kontrolle von Müll.
Jenseits der Schlagzeilen: KI in der Uelzener Wirtschaft
Dieses öffentliche Bild wird der tatsächlichen Entwicklung nicht gerecht. Parallel zu kommunalen Anwendungen arbeiten Unternehmen in Uelzen und der umliegenden Region bereits aktiv mit KI – in der Prozessautomatisierung, im Marketing, in digitalen Geschäftsmodellen und in der Entwicklung neuer Softwarelösungen. Diese Aktivitäten sind weniger medienwirksam, wirtschaftlich jedoch deutlich relevanter. Die Region steht damit vor einer strategischen Herausforderung: KI ist vorhanden – sie wird jedoch nach außen falsch positioniert. Das Narrativ der Müllkontrolle überlagert ein weitaus breiteres wirtschaftliches Engagement, das bislang kaum sichtbar ist.
Jürgen Markwardt, Bürgermeister der Hansestadt Uelzen, positioniert die Hansestadt als digitalen Vorreiter und betont dabei die Bedeutung von Infrastruktur als Grundvoraussetzung für den Einsatz KI-gestützter Anwendungen. Im Mittelpunkt steht der Ausbau leistungsfähiger Glasfaser- und Datennetze, ohne die datenbasierte Systeme nicht skalierbar sind. Markwardt begreift KI aber nicht als isoliertes Technologiethema, sondern als Querschnittsimpuls für die Weiterentwicklung von Stadt, Wirtschaft und Kultur.
Auch im Stadtrat wird das Thema aufgegriffen. Joachim Delekat verweist auf den „Masterplan Innenstadt", in dessen Rahmen zunehmend intelligente Lösungen Berücksichtigung finden. Konkret geht es um die datengestützte Steuerung von Besucherströmen sowie die Optimierung von Verkehrs- und Parksystemen – Bereiche, in denen KI-basierte Ansätze perspektivisch einen messbaren Mehrwert leisten können.
Auf institutioneller Ebene nimmt der IT-Verbund Uelzen eine zentrale Rolle ein. Als gemeinsame IT-Infrastruktur der kommunalen Verwaltung treibt er die Digitalisierung systematisch voran und schafft damit die strukturellen Voraussetzungen für den künftigen Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Derzeit stehen die Standardisierung von IT-Systemen, die Automatisierung von Verwaltungsprozessen sowie der Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) im Mittelpunkt. RPA ermöglicht die regelbasierte Automatisierung wiederkehrender, strukturierter Abläufe und bietet im Verwaltungsalltag einen unmittelbaren praktischen Nutzen – ohne die komplexen Anforderungen vollständiger KI-Systeme vorauszusetzen.
Der IT Verbund Uelzen betrachtet KI als wichtiges Werkzeug zur Verwaltungsmodernisierung, betont jedoch die Notwendigkeit eines systematischen und rechtssicheren Vorgehens. Wirtschaftlichkeit, klare Rahmenkonzepte und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben stehen dabei gleichrangig neben technologischen Ambitionen. Zur Qualitätssicherung setzt der IT-Verbund auf vordefinierte Anwendungen und standardisierte Nutzungskonzepte – ein Ansatz, der Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit in den Vordergrund stellt und dem besonderen Vertrauensanspruch öffentlicher Institutionen Rechnung trägt. Der IT-Verbund Uelzen sucht aktuell sogar Verstärkung für die Implementierung von KI und Robotic Process Automation (RPA) in der öffentlichen Verwaltung.
Lokale Großunternehmen digitalisieren mit KI
Bei der Uelzena eG, einer der wirtschaftlichen Säulen der Region, steht die Modernisierung von Produktion und Logistik im Vordergrund. Uelzena betont öffentlich, dass gezielte Investitionen in Technologie entscheidend sind, um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe zu sichern und langfristig stabile Auszahlungspreise für die angeschlossenen Milcherzeuger zu gewährleisten. Datenbasierte Prozesse und KI-gestützte Systeme spielen in dieser Strategie eine zentrale Rolle.
Der Fokus liegt auf Automatisierung und datengetriebenen Steuerungssystemen, mit dem Ziel, Effizienzgewinne in der Milchveredelung zu realisieren und Abläufe standortübergreifend zu harmonisieren. Konkret kommen dabei Systeme wie SAP S/4HANA sowie Lagerverwaltungslösungen von Körber Supply Chain zum Einsatz, die eine weitreichende Automatisierung und Vereinheitlichung der Prozesse ermöglichen.
Auch wenn KI dabei nicht explizit als zentrales Element kommuniziert wird, entstehen durch diese Digitalisierungsmaßnahmen die notwendigen Datenstrukturen und Prozesslogiken, die als Voraussetzung für weitergehende Anwendungen – etwa Predictive Analytics oder autonome Steuerungssysteme – unabdingbar sind. Die Uelzena eG befindet sich damit in einer Phase, die allgemein als digitale Transformation bezeichnet werden kann: systematisch, infrastrukturorientiert und mit klarem Blick auf künftige KI-Potenziale.
Die Stadtwerke Uelzen, die unter der Marke mycity auftreten, verorten das Thema KI vorrangig im Kontext von Smart City, digitaler Daseinsvorsorge und innovativer Energieversorgung. Mit Angeboten wie dem dynamischen Stromtarif mycity smart und dem gezielten Ausbau digitaler Netzinfrastruktur bewegt sich das Unternehmen in einem Bereich, in dem KI-Anwendungen – etwa für Lastprognosen, Verbrauchsoptimierung oder automatisierte Netzsteuerung – branchenweit stark an Bedeutung gewinnen. Konkrete KI-Projekte sind nach außen bislang wenig sichtbar; die technologische und infrastrukturelle Grundlage dafür wird jedoch aufgebaut. Die Stadtwerke Uelzen nehmen damit eine führende Rolle in Deutschland ein und stehen exemplarisch für einen in der kommunalen Versorgungswirtschaft zukunftsweisenden Entwicklungsansatz
Deutlich weiter in der konkreten Anwendung ist die Nordzucker AG. Das Unternehmen setzt KI bereits in mehreren Bereichen aktiv ein und gehört damit zu den technologisch fortgeschrittensten Akteuren der Region. Im landwirtschaftlichen Vorfeld erprobt Nordzucker im Rahmen von Smart-Farming-Initiativen KI-basierte Systeme zur automatischen Unkrauterkennung im Rübenanbau. Ziel ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gezielt zu reduzieren und den Anbau ökologisch wie ökonomisch zu optimieren. Ergänzend kommen datengetriebene Modelle zur Ertragsprognose zum Einsatz, teils in Kooperation mit Forschungseinrichtungen wie der Technischen Universität Braunschweig.
Das Werk Uelzen strebt damit operative Exzellenz und Dekarbonisierung an. In beiden Feldern gewinnt KI zunehmend an Bedeutung: Datenbasierte Steuerungssysteme und Predictive Maintenance sollen den Energieverbrauch komplexer Produktionsanlagen optimieren, die Prozessstabilität erhöhen und Ausfälle frühzeitig erkennen. Darüber hinaus setzt Nordzucker auf digitale Assistenzsysteme: Der Wartungsassistent ASK ODIN ermöglicht Technikern einen direkten, kontextsensitiven Zugriff auf relevantes Expertenwissen und unterstützt damit den Wissenstransfer im Produktionsalltag. Konkrete KI-Anwendungsfälle in der Fertigung werden zudem gemeinsam mit Technologiepartnern wie T.CON entwickelt und erprobt.
Das Helios Klinikum Uelzen, mit über 750 Mitarbeitenden einer der größten Arbeitgeber im Landkreis und akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover, setzt KI bereits in mehreren konkreten Bereichen ein. Für die Orthopädie und Unfallchirurgie steht Patienten ein KI-gestützter Chatbot zur Verfügung, der allgemeine Informationen zu Beschwerden am Bewegungsapparat liefert – ausdrücklich als Orientierungshilfe, nicht zur Selbstdiagnose. Als Teil der Helios-Gruppe profitiert der Standort zudem von einer Kooperation zwischen SAP und Fresenius, die auf eine KI-gestützte Plattform zur Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse in Diagnostik und Therapie zielt. Ergänzend nutzt das Klinikum datengestützte Prozesse im Entlassmanagement, um den Übergang in weiterführende Versorgungsformen wie Rehabilitation oder Pflege effizienter zu gestalten.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die kritische Perspektive: Stimmen aus der Belegschaft weisen darauf hin, dass Digitalisierung und veränderte Finanzierungslogiken im Klinikalltag den Zeitdruck in der Pflege erhöhen können – ein Spannungsfeld, das bundesweit diskutiert wird und auch in Uelzen relevant ist.
Innovative KI-Kleinunternehmer
Auch im Segment kleiner und mittelständischer Unternehmen wächst die Zahl der Akteure, die KI aktiv einsetzen und weiterentwickeln. Spezialisierte Beratungsagenturen, digitale Dienstleister und Start-ups nutzen KI in Bereichen wie Marketing, Prozessautomatisierung und Geschäftsmodellentwicklung – und bieten ihre Leistungen dabei teils weit über die Region hinaus an. Diese Unternehmen sind in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar, erfüllen jedoch eine wichtige Transferfunktion: Sie übersetzen komplexe KI-Technologien in konkrete, praxistaugliche Lösungen für andere Unternehmen und tragen so maßgeblich zur Verbreitung KI-basierter Anwendungen in der regionalen Wirtschaft bei.
Die Visoma GmbH gehört zu den fortschrittlichen, technologieorientierten Unternehmen im Raum Uelzen, die KI nicht nur anwenden, sondern aktiv in eigene Softwareprodukte integrieren. Mit Lösungen wie visoma tickets 3 verfolgt das Unternehmen das Ziel, wiederkehrende Routineaufgaben in Geschäftsprozessen zu automatisieren und die betriebliche Effizienz messbar zu steigern. Im Fokus stehen Anwendungsfelder wie Ticketing, interne Kommunikation und Prozesssteuerung – Bereiche, in denen KI ihre Stärken besonders gut ausspielen kann: Abläufe strukturieren, Informationen schneller verfügbar machen, manuelle Arbeit reduzieren. Geführt wird das Unternehmen von Mike Bergmann und Florian Talg, der an der Ostfalia Hochschule ausgebildet wurde. Damit steht Visoma exemplarisch für ein Muster, das im ländlichen Raum häufig zu beobachten ist: KI wird als pragmatisches Werkzeug zur Prozessoptimierung eingesetzt. Ihre Wirkung entfaltet sich im Hintergrund – in der Automatisierung von Abläufen, der Strukturierung von Informationen und der spürbaren Entlastung von Mitarbeitenden im Alltag.
Die Strategie Nord GmbH positioniert sich als Agentur an der Schnittstelle von digitalem Marketing, Employer Branding (Markenbildung für Arbeitgeber)und datengetriebenen Recruiting-Strategien. Der Fokus liegt auf Dienstleistungsunternehmen, für die das Uelzener Unternehmen spezialisierte Lösungen in der Mitarbeitergewinnung und Markenkommunikation entwickelt. Konkret kommt KI bei der Entwicklung und Umsetzung von Marketingkampagnen sowie in der Personalgewinnung zum Einsatz – etwa zur Produktion KI-generierter Film- und Bildinhalte, die skalierbare und individualisierte Kampagnen mit vergleichsweise geringem Produktionsaufwand ermöglichen. Ergänzend werden datenbasierte Analysen genutzt, um Zielgruppen präziser anzusprechen, Kommunikationsprozesse zu automatisieren und Recruiting-Abläufe effizienter zu gestalten – von der Kandidatenansprache bis zur automatisierten Vorauswahl.
Die Tippe New Media erweitert ihr etabliertes Leistungsportfolio im Online-Marketing gezielt um KI-basierte Beratungsangebote. Neben klassischen Feldern wie Suchmaschinenoptimierung, Webentwicklung und digitaler Kommunikation rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie Unternehmen KI konkret und gewinnbringend in ihre Geschäftsprozesse integrieren können. Tippe treibt die Integration von KI in die Workflows der Agentur aktiv voran. Konkret kommt KI in mehreren Bereichen zum Einsatz: bei der automatisierten SEO-Optimierung durch die Analyse von Markttrends und Suchbegriffen für lokale Unternehmen, beim KI-gestützten Prototyping von Web-Designs sowie bei der Implementierung von Chatbot-Systemen auf Kundenwebseiten. Der Ansatz ist dabei bewusst anwendungsorientiert – im Fokus steht nicht die Technologie als solche, sondern deren messbarer Nutzen im Unternehmensalltag.
Die Axians Digital Process Solutions ist am Standort Uelzen als Teil eines internationalen IT-Dienstleisternetzwerks tätig und spezialisiert auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen sowie die Gestaltung moderner Arbeitswelten. Axians treibt insbesondere das Konzept der sogenannten „Dunkelverarbeitung" voran – vollautomatisierte Prozessketten, die ohne manuellen Eingriff ablaufen. Axians betont den strukturellen Wandel von der punktuellen Softwareanwendung hin zur durchgängig automatisierten Prozesskette. Technologisch setzt Axians vorrangig auf Microsoft-Lösungen – darunter Microsoft 365, die Power Platform und Azure – und damit auf ein Ökosystem, in das KI-Funktionen zunehmend nativ integriert sind. KI tritt hier in der Regel nicht als eigenständiges Produkt in Erscheinung, sondern als eingebettete Funktion innerhalb umfassender Digitalisierungsplattformen. Typische Anwendungsfelder umfassen die Automatisierung von Routineprozessen, die intelligente Strukturierung von Informationen sowie die Unterstützung von Entscheidungsprozessen durch datenbasierte Analysen.
Crateflow hat sich auf KI-gestützte Vorhersagemodelle für den Vertrieb spezialisiert. Das Startup unterstützt Unternehmen dabei, Absatzzahlen für einen Horizont von zwölf bis achtzehn Monaten datenbasiert zu planen – ein Anwendungsfeld, das gerade im mittelständischen Vertrieb erhebliches Effizienzpotenzial bietet.
AI COMPL1ZEN verfolgt einen anderen Schwerpunkt: Das Unternehmen integriert menschzentrierte KI in Unternehmensprozesse und ist mit dem LeadPilot – einem KI-gestützten Telefonagenten für die Kaltakquise – in einem besonders sensiblen Anwendungsbereich aktiv. AI COMPL1ZEN bietet am Standort Uelzen KI-Beratung und Webentwicklung an, mit Fokus auf die Integration von Sprachmodellen wie ChatGPT in bestehende Web-Infrastrukturen und Shopware-Systeme.
Auf der Seite etablierter IT-Dienstleister ist zunächst die TELCAT IT SERVICES GmbH zu nennen – einer der größten IT-Dienstleister Norddeutschlands mit Sitz in Uelzen. Als Teil der Salzgitter-Gruppe begleitet das Unternehmen mittelständische Kunden bei der Cloud-Transformation und dem Einsatz intelligenter IT-Lösungen. Wachter & Karbon IT-Consulting, seit 2006 am Standort verwurzelt und seit 2026 Teil der Accompio-Gruppe, bleibt als Spezialist für komplexe IT-Projekte und Großkundenlösungen in Uelzen präsent. Das IT Brauhaus oHG ergänzt das Angebot mit praxisnaher Digitalisierungsberatung, ERP-Lösungen und Cloud-Services für lokale Unternehmen.
Gemeinsam bilden diese Akteure eine IT-Infrastruktur, die weit über das hinausgeht, was man einem ländlichen Standort gemeinhin zuschreiben würde – und die zugleich als Grundlage für weitergehende KI-Integration in der regionalen Wirtschaft dient.
KI im Banken- und Versicherungssektor
Auch im Bankensektor am Standort Uelzen wird Künstliche Intelligenz zunehmend eingesetzt, vor allem zur Automatisierung des Kundenservices und zur Optimierung interner Prozesse. Dabei profitieren lokale Institute in der Regel von zentral entwickelten KI-Lösungen ihrer Verbünde, die vor Ort angewendet werden.
Die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg setzt verstärkt auf digitale Assistenzsysteme, um ihre Erreichbarkeit zu erhöhen. Auf der Website unterstützt der Chatbot „Linda“ bei alltäglichen Anliegen wie Kontofragen, Kartenservices oder Öffnungszeiten. In geschützten Bereichen kann die Assistenz auch weitergehende Funktionen übernehmen, etwa im Kontext von Überweisungen. Ergänzend wird über das zentrale Netzwerk das generative KI-Tool „SparkasseGPT“ eingeführt, das Mitarbeiter dabei unterstützt, komplexe Finanzthemen schneller und verständlicher für Kunden aufzubereiten. Intern kommt KI zudem bei der Bearbeitung von Routineprozessen zum Einsatz, beispielsweise bei der Dokumentenprüfung im Kreditgeschäft.
Auch die Volksbank Uelzen-Salzwedel eG integriert KI in ihre Omnikanal-Strategie, um digitale und persönliche Kundenkanäle stärker zu verzahnen. KI-gestützte Chatbots übernehmen die erste Einordnung von Kundenanfragen, etwa zu Kontomodellen oder Finanzierungen. Darüber hinaus werden im Hintergrund KI-Modelle zur Betrugsprävention eingesetzt, die Transaktionsdaten in Echtzeit analysieren und auffällige Muster erkennen, um Kunden besser vor Cyberkriminalität zu schützen.
Auch die Uelzener Versicherungen setzt Künstliche Intelligenz gezielt ein und nimmt damit in der Region eine Vorreiterrolle ein. Als spezialisierter Anbieter im Bereich Tierversicherungen verfolgt das Unternehmen eine klare Strategie zur Nutzung von KI, insbesondere zur Steigerung von Servicequalität und Effizienz. Innder versicherung steht der Einsatz von KI nicht als Selbstzweck im Vordergrund, sondern als Instrument zur konkreten Prozessoptimierung. Nach der strategischen Ausrichtung im Jahr 2025 liegt der Fokus seit 2026 verstärkt auf der praktischen Umsetzung. Zentrale Anwendungsfelder sind die Optimierung von Serviceprozessen sowie die Entwicklung neuer, datenbasierter Produkte im Bereich der Tierversicherung.
KI und Robotik in der Landwirtschaft
Ein zentrales Beispiel für den praktischen Einsatz von KI im ländlichen Raum ist das 5G-Innovationsprojekt Smart Beregnung. In Zusammenarbeit mit der AGRAVIS Raiffeisen AG wird dabei eine datenbasierte Bewässerungsempfehlung für landwirtschaftliche Flächen entwickelt. Sensordaten aus Boden, Wetter und landwirtschaftlichen Maschinen werden auf einer digitalen Plattform zusammengeführt und in Echtzeit verarbeitet. Auf dieser Grundlage berechnen KI-Modelle, wann und in welchem Umfang Felder bewässert werden sollten – mit dem Ziel, Wasser effizient einzusetzen und landwirtschaftliche Erträge zu sichern.
Eng verknüpft mit diesem Projekt ist die Agravis Future Farm in Suderburg. Auf rund 260 Hektar werden dort moderne Agrartechnologien unter realen Feldbedingungen erprobt. Im Mittelpunkt stehen KI-gestützte Anwendungen wie autonome Feldrobotik, präzise Einzelpflanzenerkennung zur gezielten Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln sowie datenbasierte Anbausysteme. Eine leistungsfähige 5G-Infrastruktur ermöglicht dabei die Verarbeitung großer Datenmengen in Echtzeit – eine technische Voraussetzung, ohne die viele dieser Anwendungen nicht realisierbar wären.
Die Future Farm in Suderburg arbeitet eng mit wissenschaftlichen Partnern zusammen, um Forschungsergebnisse direkt in die landwirtschaftliche Praxis zu überführen. Beteiligt sind das Institut für nachhaltige Bewässerung und Wasserwirtschaft im ländlichen Raum (INBW) unter der Leitung von Prof. Klaus Röttcher an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie Dr. Jürgen Klaus Grochol von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Auf Unternehmensseite sind Vitrum GmbH, die comcross GmbH sowie Lünecom Kommunikationslösungen eingebunden.
Veröffentlichungen und Berichte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigen, dass der Einsatz von KI-gestützter Technik in der Landwirtschaft im Raum Uelzen tatsächlich zunimmt, insbesondere im ökologischen Landbau und in kooperativen Versuchssystemen.
Im Bio-Bereich wird der Einsatz autonomer Feldroboter wie des FarmDroid FD20 vor allem mit der erheblichen Reduktion von Handarbeit begründet. Die Technologie ermöglicht es, Saat und mechanische Unkrautbekämpfung präzise zu kombinieren, da der Roboter die exakte Position der Pflanzen kennt und bereits vor dem Auflaufen der Kulturpflanzen „blind“ hacken kann. In diesem Kontext wird der Bauckhof als Referenzbetrieb innerhalb der Öko-Modellregion Heide-Elbe genannt, insbesondere im Zusammenhang mit mechanischer Unkrautbekämpfung und Ansätzen zur Skalierung des ökologischen Landbaus durch Automatisierung. Eine direkte, dauerhafte Nutzung spezifischer Robotersysteme ist jedoch nicht in allen Fällen öffentlich eindeutig dokumentiert, sondern wird häufig im Rahmen von Projekten und Demonstrationsbetrieben diskutiert.
Im Bereich landwirtschaftlicher Dienstleistungen zeigt das Lohnunternehmen Oetke die zunehmende Bedeutung von datenbasierter Präzisionstechnik. Hier kommen Sensortechnologien zum Einsatz, die während der Überfahrt den Nährstoffbedarf von Pflanzen erfassen und die Düngung in Echtzeit anpassen. Solche Systeme reduzieren den Input und optimieren gleichzeitig die Erträge. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass diese Technologien nicht von jedem Betrieb selbst angeschafft werden müssen, sondern als Dienstleistung verfügbar sind.
Darüber hinaus fungieren Betriebe wie Alvermann und Gnieser als Praxispartner in Forschungs- und Industrieprojekten, etwa im Umfeld der Nordzucker AG. In Programmen wie „Smart Beet“ werden dort KI-gestützte Systeme zur Einzelpflanzenerkennung und zum punktgenauen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unter realen Bedingungen getestet. Ziel ist es, den Mitteleinsatz zu minimieren und gleichzeitig die Praxistauglichkeit der Technologien unter regionalen Bedingungen – etwa den spezifischen Bodenverhältnissen der Uelzener Heide – zu validieren.
Hannes Besenthal steht exemplarisch für eine wachsende Gruppe von Landwirten in der Region Uelzen, die moderne, KI-gestützte Technologien im Betrieb einsetzen. Dazu zählen insbesondere kamerabasierte Systeme, die Pflanzen auf dem Feld analysieren und zwischen Kulturpflanzen und Unkraut unterscheiden können. Auf dieser Grundlage ist es möglich, Pflanzenschutzmittel gezielt und punktgenau einzusetzen („Spot-Spraying“), anstatt ganze Flächen zu behandeln. Ziel ist es, den Einsatz von Chemie deutlich zu reduzieren, Kosten zu senken und gleichzeitig Umweltauflagen besser einzuhalten.
Die Landwirtschaftskammer stellt fest, dass im Raum Uelzen eine ungewöhnlich hohe Dichte an Anwendungen im Bereich der Feldrobotik und sensorgestützten Präzisionslandwirtschaft existiert. Insbesondere autonome Hacktechnik und kamerabasierte Applikationssysteme gelten als zentrale Treiber dieser Entwicklung. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass ein Teil dieser Technologien noch projektbasiert eingesetzt wird und nicht flächendeckend im Regelbetrieb angekommen ist.
KI als Impulsgeber für Stadtentwicklung und Kultur
Auch in der Kreativwirtschaft hält KI in Uelzen Einzug. Die Sons of Motion Pictures mit Sitz in Leipzig, in Uelzen sehr aktiv, setzt Künstliche Intelligenz intensiv in der Medienproduktion ein – von der Erstellung visueller Inhalte bis zur Optimierung komplexer Produktionsabläufe. Die Initiative ist seither ein gefragter Gesprächspartner zum Thema KI in der Kreativwirtschaft. Neben Stable Diffusion und Midjourney (die vor allem für Storyboarding und Prävisualisierung genutzt werden) kommen Tools für - Videogenerierung, Text-to-3D und KI-gestützten Schnitt zum Einsatz.
KI-gestützte Werkzeuge ermöglichen es dem Unternehmen, Produktionsprozesse zu beschleunigen, Inhalte effizienter zu erstellen und gestalterische Möglichkeiten zu erschließen, die mit klassischen Methoden kaum realisierbar wären. Über die operative Anwendung hinaus hat das Unternehmen eine strategische Beratungsdimension entwickelt: Es berät Unternehmen und Institutionen zum Einsatz von KI, unter anderem im Kontext von Stadtentwicklung und digitalen Transformationsprozessen.
Auch in der Stadtentwicklung wird KI zunehmend als Thema aufgegriffen – wenngleich hier weniger die konkrete Anwendung als vielmehr die strategische Orientierung im Vordergrund steht. Die Veranstaltungsreihe City Meets Culture 3.0 (CMC) der Hansestadt Uelzen setzt sich gezielt mit der Verschmelzung von Stadtentwicklung, Kultur und Künstlicher Intelligenz auseinander. Das Format versteht sich als experimentelles Labor, in dem Visionen für ein smartes Uelzen entwickelt, erprobt und diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen Austausch, Reflexion und die gemeinsame Entwicklung von Perspektiven für die Region – ein Ansatz, der die gesellschaftliche Dimension technologischen Wandels ernst nimmt und in den lokalen Diskurs einbettet.
Schirmherr der Reihe ist Bürgermeister Jürgen Markwardt, der die strategische Relevanz des Formats betont: KI sei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um die Stadt lebendiger und zukunftsfähiger zu gestalten. Das Stadtmarketing Uelzen treibt als einer der Hauptorganisatoren die Frage voran, wie KI das Erlebnis in der Innenstadt konkret verändern kann – etwa durch smarte Leitsysteme oder datengestützte Eventformate. Sons of Motion Pictures bringt die kreative Perspektive ein und sieht in KI ein Mittel, mit dem Uelzen kulturell über sich hinauswachsen könne: Technologie mache vor Ort sichtbar, was bislang undenkbar schien.
KI in Bildung und Forschung
An der Berufsbildenden Schule I Uelzen (BBS I) wird das Lernen mit KI besonders gefördert. Die BBS 1 beteiligt sich z. B. am Projekt Land mit KI – Land mit Zukunft? und verfolgt damit das Ziel, Schülerinnen und Schüler frühzeitig und strukturiert mit den Entwicklungen und Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz vertraut zu machen. Unter der Leitung von Oberstudiendirektor Stefan Nowatschin wird KI dabei nicht als isoliertes technisches Thema vermittelt, sondern bewusst in einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext eingebettet.
Das Besondere an diesem Ansatz liegt im direkten, praxisnahen Zugang Lehrer OStR Frank Nierath berichtet, KI wird nicht abstrakt behandelt, sondern im Klassenzimmer konkret diskutiert, erprobt und kritisch eingeordnet. Ziel ist der Aufbau eines grundlegenden Verständnisses für Funktionsweisen, Potenziale und Risiken der Technologie – über die bloße Nutzung einzelner Anwendungen hinaus. Gleichzeitig wird verdeutlicht, welche Bedeutung KI für die zukünftige Arbeitswelt in der Region haben kann – in der Landwirtschaft ebenso wie im Handwerk, in der Verwaltung oder im Dienstleistungssektor. Die BBS I nimmt damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion wahr: Sie bereitet junge Menschen nicht nur auf den Umgang mit KI vor, sondern befähigt sie, diese Technologie zu verstehen, zu hinterfragen und aktiv mitzugestalten.
Am Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften wird KI intensiv in angewandter Forschung, Lehre und regionalem Wissenstransfer eingesetzt. Mehrere laufende Projekte verdeutlichen die Bandbreite der Aktivitäten.
In der Fakultät Bau-Wasser-Boden untersucht das Projekt KI-Kanal den Einsatz neuronaler Netze zur Optimierung von Regenwasser-Kanalnetzen – ein Beitrag zur Infrastrukturentwicklung, der angesichts zunehmender Starkregenereignisse an praktischer Relevanz gewinnt. Das Projekt WERTIS-KI verfolgt einen anderen Ansatz: Hier wird eine KI trainiert, Gegenstände automatisch zu erkennen, um optimale Entsorgungswege vorzuschlagen und Fehlwürfe zu reduzieren – mit messbarem Potenzial zur CO₂-Einsparung. Das Reallabor 5GSmartCountry wiederum erforscht im Teilprojekt Smart Forestry die digitale Vernetzung im ländlichen Raum unter Einsatz moderner Sensorik. In Projekten wie der Future Farm fungiert Ostfalia als zentraler Ansprechpartner für die Integration von Felddaten in KI-Modelle und begleitet Landwirte bei der Bereitstellung und Nutzung ihrer Daten für analytische Anwendungen.
Im Studiengang Betriebswirtschaft und Management begegnet den Studierenden seit Jahren Pepper – ein rollender Lehrroboter, der KI im Hochschulalltag erfahrbar macht. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch ein Rückschlag: Ein Forschungsprojekt, das KI zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung beim Recycling von Elektroschrott einsetzen sollte, wurde abgesagt. Das Vorhaben hatte bereits gute Ergebnisse gezeigt – unter anderem bei den drei Kooperationspartnern Leben leben gGmbH, den Expert Elektrofachmärkten GmbH und Port Metals GmbH.
Die Akademie Überlingen bietet KI-Weiterbildung auch vor Ort in Uelzen an. Sie unterhält einen Standort in der Bahnhofstraße 41 und bietet von dort aus Zugang zu spezialisierten IT- und KI-Kursen – darunter Themen wie Machine Learning und Data Science. Der Unterricht findet als Live-Online-Format über einen Virtuellen Campus statt: Teilnehmende sind in Echtzeit mit Dozierenden und Lerngruppen vernetzt, ohne auf vorproduzierte Videos angewiesen zu sein. Der Standort stellt Lerninfrastruktur – Arbeitsplätze, Technik und Internetanbindung – für jene bereit, die zu Hause nicht über die nötige Ausstattung oder Ruhe verfügen. Beratung zu Fördermöglichkeiten wie dem Bildungsgutschein sowie sozialpädagogische Begleitung erfolgen weiterhin persönlich vor Ort. Damit verbindet das Angebot die Reichweite digitaler Lernformate mit der Niedrigschwelligkeit eines lokalen Anlaufpunkts – ein Modell, das gerade im ländlichen Raum an Bedeutung gewinnt.
Auch im Bereich der Erwachsenenbildung wird KI in Uelzen aktiv vermittelt. Die Kreisvolkshochschule Uelzen bietet Präsenzkurse wie „KI – Brauch ich nicht. Oder?“ an, um Bürgerinnen und Bürgern den praktischen Nutzen von Künstlicher Intelligenz niedrigschwellig näherzubringen. Ziel ist es, Berührungsängste abzubauen und grundlegende Kompetenzen im Umgang mit KI im Alltag zu vermitteln. Der DAA Uelzen bietet eine Ausbildung „Data-Science – Künstliche Intelligenz (KI) und Data-Science – Starter“ an. Dieser Kurs dauert zwischen 3 und 6 Monaten und schließt mit einer DAA-Prüfung ab.
Auch die Agentur für Arbeit Uelzen greift das Thema KI aktiv auf – aus einer arbeitsmarktnahen Perspektive. Mit kostenlosen Workshops wie „Du. Echt. Und vorbereitet – Karrierehilfe KI" zeigt sie Bewerberinnen und Bewerbern live und praxisnah, wie KI-Tools bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, der Formulierung von Anschreiben und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche unterstützen können. Dieser Ansatz ist bemerkenswert, weil er KI nicht als abstraktes Technologiethema behandelt, sondern unmittelbar in den Alltag von Arbeitssuchenden übersetzt. Die Agentur positioniert sich damit als niedrigschwelliger Zugang zu KI-Kompetenz – für eine Zielgruppe, die in der regionalen KI-Debatte sonst kaum sichtbar ist.
Parallel dazu engagiert sich die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg mit Programmen wie „KI-Scout (IHK)“. Dieses richtet sich insbesondere an Auszubildende und zielt darauf ab, KI-Kompetenzen direkt in die Betriebe zu tragen. Die Teilnehmenden werden befähigt, konkrete Anwendungsfelder zu identifizieren und Innovationen im eigenen Unternehmen anzustoßen.
KI-Wissenstransfer: Vernetzung als Standortstrategie
Neben konkreten Anwendungen setzt Uelzen gezielt auf Vernetzung und Wissenstransfer als Bausteine einer regionalen KI-Strategie. In KI-Foren und Digitalisierungsveranstaltungen werden Unternehmen für den Einsatz von KI sensibilisiert – mit besonderem Fokus auf praxisrelevante Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und die Optimierung betrieblicher Abläufe. Die Region kooperiert dabei mit etablierten Partnern: Die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften bringt wissenschaftliche Expertise ein, während das Mittelstand-Digital Zentrum Hannover gezielt kleine und mittlere Unternehmen bei der Identifikation und Umsetzung konkreter KI-Anwendungen unterstützt. Diese Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Förderinstitutionen schafft eine Infrastruktur des Wissens, die über einzelne Projekte hinausweist und die Grundlage für eine nachhaltige Diffusion von KI-Kompetenz in der Region legt.
Flankiert wird die lokale KI-Entwicklung durch überregionale Innovationsstrukturen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die INNO.NON GmbH mit Sitz in Buchholz in der Nordheide. Als Innovationsagentur verfolgt sie das Ziel, eine zentrale Drehscheibe für Innovationen und Technologietransfer in Nordostniedersachsen zu etablieren. Sie fungiert als Bindeglied zwischen Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Politik und Verwaltung und unterstützt dabei, neue Technologien – darunter explizit auch KI – in die Region zu transferieren und in konkrete Anwendungen zu überführen.
Darüber hinaus ist die INNO.NON mit ihrem Bereich KI Automatisierung als spezialisierter Dienstleister aktiv, der sich gezielt auf den praktischen Einsatz von KI in Geschäftsprozessen konzentriert. Der operative Schwerpunkt liegt auf der automatisierten Verarbeitung von Dokumenten sowie auf KI-gestützten Lösungen im Kundenservice. Eingehende Informationen – etwa Rechnungen, Formulare oder Kundenanfragen – werden automatisch erfasst, strukturiert und weiterverarbeitet. Im Kundenkontakt kommen intelligente Assistenzsysteme und automatisierte Antwortsysteme zum Einsatz, die Standardanfragen eigenständig bearbeiten. Das Ziel: Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse in kleinen und mittleren Unternehmen effizienter gestalten und manuelle Routinearbeit spürbar reduzieren.
Eine koordinierende Funktion bei der Verbreitung von KI in der Region übernimmt die Wirtschaftsförderung Uelzen Aktiv. Sie agiert sie als Lotse zu landes- und bundesweiten Förderinstrumenten und begleitet Unternehmen individuell bei der Antragstellung und der Auswahl geeigneter Förderbausteine. In Kooperation mit der NBank in Hannover und dem Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW) werden regelmäßige Sprechtage organisiert, bei denen konkrete KI-Vorhaben geprüft und passende Förderoptionen identifiziert werden. Ein zentrales Instrument ist dabei das Programm Digitalbonus.Niedersachsen-innovativ, das insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung oder Weiterentwicklung von KI-Systemen finanziell unterstützt.
Neben der Förderberatung setzt Uelzen Aktiv auf Wissenstransfer und Vernetzung. Formate wie das KI-Forum Planvolle Innovation – KI zwischen Verantwortung und Effizienz bringen Unternehmen mit Fachleuten zusammen, unter anderem vom Mittelstand-Digital Zentrum Hannover. Ergänzend werden Online-Formate realisiert – etwa in Zusammenarbeit mit der INNO.NON GmbH – in denen Themen wie der EU AI Act oder konkrete Anwendungsfälle praxisnah diskutiert werden.
Das 2024 initiierte Kompetenznetzwerk KI.NON ist ein Projekt der INNO.NON GmbH und versteht sich als regionale Community of Practice für den praxisnahen Einsatz von KI. Es vernetzt Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor, unterstützt Unternehmen beim Einstieg in KI-gestützte Prozesse und bietet Erstberatungen sowie Netzwerkveranstaltungen kostenfrei an – finanziert durch öffentliche Förderung.
Als Partner fungieren die Ostfalia Hochschule, die Leuphana Universität Lüneburg sowie regionale IHKs und Wirtschaftsförderungen, darunter Uelzen Aktiv. Die INNO.NON GmbH zielt darauf ab, die Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in elf Landkreisen – darunter Uelzen – durch gezielten Wissens- und Technologietransfer zu stärken. KI.NON bildet dabei den spezifischen fachlichen Schwerpunkt.
Die Zukunftsregion HeiDefinition steht für den Zusammenschluss der Landkreise Celle, Heidekreis und Uelzen als Zukunftsregion. Für HeiDefinition sind knapp acht Millionen Euro aus EU-Förderfonds reserviert, zuzüglich Eigenmittel rund 13,5 Millionen Euro für die Umsetzung von Projekten. KI-Strategieentwicklung ist explizit Teil des Programms.
Fazit: Uelzen ist KI-Standort mit Potenzial
Die Bestandsaufnahme zeigt ein Bild, das in der öffentlichen Wahrnehmung bislang kaum sichtbar ist: Künstliche Intelligenz ist in der Region Uelzen längst keine Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Praxis – in Industriebetrieben, kommunalen Verwaltungen, Kreativagenturen, Bildungseinrichtungen und landwirtschaftlichen Reallaboren. Die Bandbreite der Akteure und Anwendungsfelder ist bemerkenswert für eine Region, die im überregionalen Diskurs noch nicht als Technologiestandort wahrgenommen wird.
Dabei lassen sich drei strukturelle Muster erkennen. Erstens vollzieht sich KI-Integration in Uelzen überwiegend still und pragmatisch: Nicht Hochglanzpräsentationen, sondern konkrete Prozessoptimierungen stehen im Vordergrund. Zweitens besteht eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Tiefe der KI-Aktivitäten und deren öffentlicher Sichtbarkeit. Drittens zeigt sich, dass Vernetzung und Wissenstransfer zunehmend als eigenständige Standortfaktoren begriffen werden: Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Förderinstitutionen schafft eine Infrastruktur, die einzelne Projekte trägt und verstetigt.
Die entscheidende Frage für die Zukunft lautet nicht, ob KI in Uelzen angekommen ist – das ist sie. Die Frage ist, ob es der Region gelingt, aus einer Vielzahl paralleler Einzelinitiativen eine kohärente, nach außen sichtbare Innovationsstrategie zu entwickeln. Dafür sind die Grundlagen vorhanden. Was fehlt, ist ein gemeinsames Narrativ – eines, das über die Müllkontrolle hinausweist und das tatsächliche Bild einer Region zeichnet, die den digitalen Wandel nicht abwartet, sondern aktiv mitgestaltet.
Foto: KI-generiert