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UEN-Kolumne mit Professor Markus Launer: KI im ländlichen Raum: Förderung der EU, Bund, Niedersachsen und das Beispiel Uelzen - Strukturpolitik im Spannungsfeld zwischen digitaler Spaltung und staatlicher Transferförderung

  • Subtitle: Suderburg

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein rein urbanes Phänomen mehr, das sich in den gläsernen Start-up-Zentren von Berlin, Silicon Valley oder Shenzhen erschöpft. Sie verändert fundamental, wie Europa wirtschaftet, arbeitet und lebt. Doch während die USA bei Forschung und Entwicklung das Tempo über privates Risikokapital und die Dynamik der New York Stock Exchange vorgeben und China auf eine straffe, staatlich koordinierte Technologiepolitik setzt, geht Europa einen eigenen, oft unterschätzten Weg: das Modell öffentlich finanzierter Drittmittel- und Strukturprojekte.

Was diese europäische Governance-Struktur konkret für ländliche Räume bedeutet, wie der Transfer einer global vernetzten Schlüsseltechnologie in die geographische Fläche gelingt und warum hier die Zukunft der regionalen Resilienz entschieden wird, ist die zentrale Leitfrage dieses Beitrags. Die ökonomische und strukturelle Ausgangslage präsentiert sich dabei als tiefes Paradoxon, das eine differenzierte Analyse verlangt: Die Förderlandschaft ist weitaus dichter und komplexer als erwartet. Wer die Strukturen analysiert, findet zielgerichtete Programme auf jeder föderalen Ebene – von Brüssel über die Bundesressorts bis in die niedersächsischen Landkreise.

Die europäische Ebene: Kohäsionspolitik gegen das Marktversagen

Die OECD zeigt in ihren Analysen zur regionalen Entwicklung, dass bestehende Innovationspolitik ländliche Räume strukturell benachteiligt. Geringe Netzwerkdichte und kleinere Märkte erzeugen erhebliche Innovationshemmnisse; die kritische Masse für eine spontane Wissensdiffusion fehlt. Zudem sorgt die geringe Bevölkerungsdichte für Skalennachteile beim Netzausbau, was privatwirtschaftliche Investitionen unrentabel macht – ein klassisches Marktversagen.

Die Europäische Union adressiert dieses Defizit über ihre Struktur- und Investitionsfonds (EFRE und ELER). Durch Programme wie Interreg oder RegioStrat wird versucht, die räumliche Konzentration von Innovationen in urbanen Zentren aufzubrechen. Ziel ist es, ländliche Regionen durch gezielte Finanzierung von Verbundprojekten in die Lage zu versetzen, Technologie nicht nur zu konsumieren, sondern als wertschöpfende Akteure mitzugestalten. Die Weltbank beschreibt diesen Ansatz als Chance zum technologischen „Leapfrogging“ – dem Überspringen klassischer Entwicklungshürden durch den gezielten Einsatz von Digitalisierung und KI.

Die Bundesebene: Strategische Transferstrukturen für die Daseinsvorsorge

In Deutschland verdeutlichen Daten des Thünen-Instituts das strukturelle Ungleichgewicht: Während 5,4 Prozent aller Patentanmeldungen auf KI entfallen, stammen diese fast ausschließlich aus Ballungsräumen. Der Bund steuert hier mit einer dezidierten Ressortforschung und anwendungsnahen Förderprogrammen entgegen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) finanzieren über Initiativen wie „Künstliche Intelligenz in den Ländlichen Räumen“ gezielt Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge.

Ergänzend dazu setzen das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) mit den Modellprojekten Smart Cities und das BMEL mit den Smarten.Land.Regionen auf den Aufbau digitaler Plattformökonomien. Da ländliche Räume strukturell unter einer zu geringen Vernetzungsdichte leiden, die die Innovationsdynamik bremst, wird versucht, diese durch künstliche Governance-Strukturen und Software-Ökosysteme (wie die Digitale Dörfer-Plattform des Fraunhofer IESE) kompensatorisch auszugleichen.

Das Niedersachsen-Modell: Dezentrale Innovationscluster im weiten Raum

Niedersachsen positioniert sich als ausgeprägtes Flächen- und Agrarland durch massive Investitionen als einer der bundesweiten Vorreiter bei der KI-Anwendung in der Fläche. Das Land hat ein digitales Gesamtpaket von 880 Millionen Euro aufgelegt, wovon rund 350 Millionen Euro in eine eigene, „menschenzentrierte KI-Strategie“ fließen. Das strategische Ziel besteht darin, dem Produktivitätsparadoxon zu begegnen: Produktivitätseffekte durch KI hängen maßgeblich von organisatorischer Anpassung, Prozessreorganisation und Kompetenzaufbau ab.

Um diesen Transfer zu institutionalisieren, setzt das Land auf dezentrale KI-Reallabore und Kompetenzknoten. Am Ostfalia Campus Suderburg wird im Projekt Dirrigent das digitale Wassermanagement erprobt, während das KI-Reallabor Agrar (RLA) in Osnabrück mit einem Millionenvolumen autonome Robotik für die Landwirtschaft erforscht. Dem vom IW Köln identifizierten Fachkräftemangel – der digitalen Spaltung durch zu wenige Informatikausbildungsgänge in der Peripherie – begegnet das Land mit über 50 neuen Digitalisierungsprofessuren (u. a. an der Ostfalia und Leuphana) sowie mobilen Einheiten des Mittelstand-Digital Zentrums Hannover.

Wie dieser technologieorientierte Strukturwandel trotz bürokratischer Hürden in der Praxis umgesetzt wird, welche Governance-Modelle die regionale Daseinsvorsorge nachhaltig sichern und wie Kommunen sowie Unternehmen die Fördertöpfe dieses vielschichtigen Ökosystems effektiv nutzen können, entschlüsselt der folgende Überblick.

Die wichtigsten KI-Förderbausteine im Überblick:

Direkte KI-Förderung setzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) um – etwa über den KI- und Daten-Akzelerator KIDA, das Fraunhofer-Verbundprojekt X-KIT, das Agrar-Reallabor RLA und das Mittelstandsreallabor CRAI in Osnabrück. In Rheinland-Pfalz ergänzt KI4KMU den Transfer in kleine Unternehmen.

Digitale Infrastruktur entsteht über Smarte.Land.Regionen, Digitale Dörfer, das Bundesprogramm Smart Cities sowie Smart Country Side – ergänzt durch das Mittelstand-Digital Zentrum Hannover und die Landesplattform niedersachsen-next.de.

Regionale Innovationskraft stärken die BMBF-Programme WIR! und RUBIN, die Zukunftsregionen Niedersachsen mit dem Projekt HeiDefinition sowie Interreg-Kooperationen in der deutsch-niederländischen Grenzregion. RegioStrat, KI.NON und die Südniedersachsenstiftung ergänzen dies auf lokaler Ebene.

Ausbildung und Fachkräfte sind der entscheidende Engpass – und werden über 50 neue Digitalisierungsprofessuren an Ostfalia, Leuphana, Jade, Hochschule Osnabrück, TU Braunschweig und Universität Oldenburg adressiert. Das L3S Research Center, das Pflegeprojekt LINGA, das Zukunftszentrum Nord (RZZ) und der KI-Campus Hub schaffen weitere Lernorte und Transferstrukturen.

Sektorale Anwendungen reichen von Präzisionslandwirtschaft bei Nordzucker und dem Bewässerungsprojekt Dirrigent über datenbasierte Mobilitätslösungen im mFUND bis zu KI in Gesundheit, Pflege und kommunaler Verwaltung – etwa dem KI-Assistenten Emma im Heidekreis und dem Agentic AI Hub als neuem Experimentierraum für autonome KI-Systeme in der Verwaltung.

Lokale Mikroförderung schließt die Lücke dort, wo große Programme nicht hinreichen: LEADER, ELER und der ESF+-Topf der NBank Soziale Innovation finanzieren Modellvorhaben – darunter die KI-gestützte Fehlwurferkennung in Müllfahrzeugen im Landkreis Uelzen.

Was hinter all diesen Programmen steckt, wie sie zusammenhängen und was sie für ländliche Räume konkret bedeuten – das zeigt dieser Beitrag ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Er will die Vielfalt der KI-Förderung im ländlichen Raum sichtbar machen.

Im Detail für interessierte Leser

Förderung ländlicher Räume durch die EU

Die Europäische Union fördert KI-Technologien über mehrere zentrale Instrumente. Horizon Europe (2021–2027) ist das wichtigste EU-Forschungs- und Innovationsprogramm mit einem Gesamtbudget von 95,5 Mrd. Euro. KI ist hier als Querschnittstechnologie in mehreren Clustern verankert, insbesondere in „Digitale Industrie und Weltraum". Sehen Sie dazu auch Horizont Europa – Finanzierung digitaler Technologien und Forschung | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas.

Für 2026 plant die EU spezifische Förderaufrufe zur Stärkung ländlicher Räume: Der Call „Boosting Sustainable Competitiveness in Rural Areas through Innovation" zielt darauf ab, die Wirtschaft jenseits der Landwirtschaft durch moderne Technologien zu fördern. Ergänzend erforscht das RAISE-Pilot-Netzwerk KI-Anwendungen in Wissenschaft, Landwirtschaft und Umweltschutz. Sehen Sie hier: https://ruralpact.rural-vision.europa.eu/news/new-opportunities-rural-areas-under-horizon-europe-2026-2027_en

Das Programm Digitales Europa ist das zentrale EU-Instrument zur breiten Einführung digitaler Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft. Für ländliche Räume besonders relevant sind drei Förderstränge: European Digital Innovation Hubs (EDIH) beraten KMU und Kommunen bei der KI-Adoption; Testing and Experimentation Facilities (TEF) ermöglichen die Erprobung von KI-Lösungen unter realen Bedingungen im Agrar- und Lebensmittelsektor; Common European Data Spaces fördern gemeinsame Datenräume für Landwirtschaft und Smart Communities als Grundlage für skalierbare KI-Anwendungen. Das Programm Digitales Europa zielt direkt auf den Aufbau digitaler Kapazitäten – darunter KI-Testumgebungen, Supercomputing und digitale Kompetenzen. Es fördert explizit die Übertragung von KI in Verwaltung, Gesundheit und KMU. Sehen Sie dazu https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/activities/digital-programme.

Im Rahmen der EU Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023–2027 ist Digitalisierung als Querschnittsziel verankert. Der ELER-Fonds fördert Investitionen in digitale Infrastruktur und Präzisionslandwirtschaft – von KI-gestützten Sensoren bis hin zu Drohnenanwendungen. Ergänzend unterstützt der Aktionsplan Smart Villages ländliche Gemeinden dabei, durch digitale Innovationen Daseinsvorsorge in Mobilität und Gesundheit aufrechtzuerhalten. Sehen Sie dazu https://agriculture.ec.europa.eu/overview-vision-agriculture-food/digitalisation_en.

Die Kohäsionsfonds / EFRE ermöglichen regionalen KI-Förderprogrammen in strukturschwachen Gebieten – für ländliche Räume besonders relevant, da Mittel gezielt für digitale Infrastruktur und Innovationskapazitäten eingesetzt werden können. Sehen Sie dazu auch https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/summary/european-regional-development-and-cohesion-funds-2021-2027.html

Das Rural Toolkit der Europäischen Kommission ist ein interaktiver Wegweiser, der lokale Akteure bei der Identifizierung passender EU-Fonds für die Entwicklung ländlicher Räume unterstützt. Die Plattform ermöglicht eine gezielte Suche nach Fördermitteln (z. B. EFRE, Digital Europe, ESF+, ELER) für Projekte wie smarte Infrastruktur oder KI-Kompetenzzentren und bietet inspirierende Praxisbeispiele sowie Anleitungen zur Kombination von Mitteln. Weitere Informationen finden Sie unter https://ruralpact.rural-vision.europa.eu/news/learning-rural-toolkit-eu-funding-new-report_en.

Mit dem AI Act verabschiedete die Europäische Union im Juni 2024 weltweit erstmals eine umfassende gesetzliche Regulierung für KI-Systeme, die verbindliche Anforderungen an Sicherheit und Grundrechtskonformität festlegt. Damit soll die Grundlage geschaffen werden für Wachstum durch KI, auch im ländlichen Raum. Zu den Chancen und Risiken von KI in der EU siehe auch https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20200918STO87404/kunstliche-intelligenz-chancen-und-risiken

Für ländliche Grenzregionen ist zudem das EU-Programm Interreg relevant (https://interreg.eu/). Es fördert grenzüberschreitende Kooperationen zu Digitalisierung und KI – etwa im Rahmen neuer Interreg-A-Projekte in der deutsch-niederländischen Grenzregion Niedersachsen. Das ist strukturell bedeutsam, weil viele periphere ländliche Räume zugleich Grenzräume sind und von transnationaler Zusammenarbeit besonders profitieren können. Das Land Niedersachsen nutzt das Programm aktiv: Im Interreg-A-Programm Deutschland–Nederland wurden zuletzt vier neue Projekte mit niedersächsischer Beteiligung bewilligt – zu digitaler Transformation in KMU, verantwortungsvollem KI-Einsatz im Gesundheitswesen, klimafreundlichen Wertschöpfungsketten und effizienter Hafenlogistik. Sehen Sie dazu https://www.stk.niedersachsen.de/startseite/presseinformationen/interreg-a-vier-neue-projekte-starken-digitalisierung-ki-und-kreislaufwirtschaft-in-der-grenzregion-248724.html

Deutschlandweite KI-Förderung für den ländlichen Raum

In Deutschland organisieren diese Transferleistung aktiv nicht nur wissenschaftliche Akteure, sondern auch Kammern, Verbände und Ministerien. Regionalplanung und kommunale Entwicklung im ländlichen Raum sind jedoch durch heterogene Akteursstrukturen und eine fragmentierte Anbieterlandschaft geprägt. Impulse aus Modellvorhaben – etwa zu Resilienz oder Digitalisierung – erreichen die Breite der Praxis oft zu wenig. Gleichzeitig fehlt es an praxisnahen Fortbildungsangeboten zur KI-Transformation sowie an fachübergreifenden Austauschformaten. Mehr zum Thema Wissenstransfer und Transformation ländlicher Räume finden Sie beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unter https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2026/bbsr-online-15-2026.html

Ländliche Räume stehen vor strukturellen Herausforderungen: Abwanderung, fehlende Beschäftigungsangebote und Versorgungslücken prägen viele Regionen. Neue Technologien bieten Ansätze, diese Defizite zu adressieren – von Telemedizin und E-Government über Remote Work bis hin zu digitalen Bildungsangeboten. Das Fraunhofer Institut (IESE) bündelt relevante Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Verbundprojekt X-KIT, das drei BMEL-geförderte KI-Projekte im Cluster „Ländlicher Raum" zusammenfasst. Ziel ist die prototypische Erprobung konkreter KI-Anwendungen sowie die systematische Analyse ihrer Chancen und Grenzen. Zwei Themen sind erwähnenswert für die ländliche Regionen: Chancen und Potenziale neuer KI-Technologien, Herausforderungen und Risiken von KI-Technologien. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.iese.fraunhofer.de/de/projekt/x-kit/fachbeitrag/laendlicher-raum.html 

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) fungiert zudem als zentrale Projektträgerin und schlägt die Brücke zwischen Forschung und praktischer Anwendung in der Fläche. Ihre Initiative KI in den Ländlichen Räumen bündelt Maßnahmen zur Stärkung von Lebensqualität und Wirtschaftskraft außerhalb urbaner Zentren – mit Schwerpunkten in Mobilität, Nahversorgung, Gesundheit und Pflege. Geförderte Projekte wie KI-Pilot, SMAEG-Bot und das Verbundprojekt Stadt-Land-Fluss zur digitalen Vernetzung regionaler Erzeuger und Konsumenten illustrieren die Bandbreite konkreter Anwendungen. Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert KI im ländlichen Raum breit angelegt (https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/landwirtschaft_node.html). Mit der Initiative KI- und Daten-Akzelerator (KIDA) bündelt das Ministerium zudem Kompetenzen, um die Forschung im Agrifood-Bereich gezielt zu stärken (https://www.kida-bmel.de/).

Im Rahmen des Bundesprogrammes für Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung unterstützt das BMLEH bundesweit in ländlichen Räumen innovative Ansätze in digitalen Prozessen. Modellvorhaben, wie beispielsweise Smarte.Land.Regionen, leisten hier ihren Beitrag zur Verbesserung der Daseinsvorsorge vor Ort. Ziel aller Aktivitäten ist auch hier, die ländlichen Regionen als eigenständige Lebens-, Wirtschafts-, Erholungs- und Naturräume zu stärken, sie nachhaltig zu gestalten, zukunftsfähig zu machen und ihre Attraktivität zu erhalten. Mehr Informationen zum Bundesprogram Digitalisierung fürs Land finden Sie unter https://land-zukunft.de/themen/digitalisierung-auf-dem-land/.

Die Förderung regionaler Landwirtschaft mit KI durch das BMEL ist bereits am weitesten fortgeschritten, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer Institut. Präzisionslandwirtschaft nutzt Sensordaten zu Boden und Pflanzengesundheit für eine punktgenaue Ausbringung von Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Autonome Maschinen navigieren selbstständig und optimieren Prozesse wie den Mähdrescherbetrieb in Echtzeit. Systeme zur Schädlings- und Krankheitserkennung – etwa das Projekt AI2 zur automatisierten Zählung von Rapsglanzkäfern – ersetzen aufwendige manuelle Kontrollen. In der Nutztierhaltung erkennt KI Verhaltensauffälligkeiten frühzeitig und unterstützt das Tierwohl. Im Bereich Daseinsvorsorge optimieren KI-Algorithmen bedarfsgesteuerte Rufbus-Systeme und machen den ÖPNV in dünn besiedelten Gebieten effizienter. Sehen Sie dazu https://www.fraunhofer.de/en/press/research-news/2021/november-2021/ai-technologies-for-sustainable-agriculture.html

Zu erwähnen ist zudem Land.Digital, ein Förderprogramm des BMEL, das 48 innovative Projekte zur Digitalisierung ländlicher Räume. Die Ergebnisse bieten eine breite empirische Grundlage für skalierbare Lösungsansätze. Es ist kein spezielles KI-Programm, aber anschlussfähig für regionale KI-Governance, Datenstrategien und Smart-Region-Konzepte. Sie dazu https://www.bmleh.de/DE/themen/laendliche-regionen/digitales/land-digital/land-digital_node.html

Die Einführung von KI in der Gesundheitsversorgung und Verwaltung wird maßgeblich durch Bundesministerien (BMG, BMEL), Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer IESE sowie Initiativen wie URBAN.KI gefördert, um die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum zu stärken. Konkrete Tools zur Diagnostikunterstützung und Prozessautomatisierung werden unter anderem vom Hausärzteverband und IT-Dienstleistern wie Dataport implementiert. Weitere Informationen zu den Initiativen finden Sie auf https://www.haev.de/fileadmin/user_upload/News_Dateien/2024/2024_07_04_HAEV_Positionspapier_KI.pdf

KI-basierte Umweltprojekte wie „KI-Nationalpark“ und „FutureForest“ nutzen Kamera- und Satellitendaten zur Überwachung von Biodiversität und Waldzustand. Die Initiativen werden vom Bundesumweltministerium (BMUV) gefördert und in technischer Kooperation mit verschiedenen Fraunhofer-Instituten und der Friedrich-Ebert-Stiftung realisiert. Weitere Informationen zum Projekt KI-Nationalpark finden Sie bei https://nationale-naturlandschaften.de/verbandsaktivitaeten/ki-nationalpark

Das Programm Modellprojekte Smart Cities (MPSC) des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist trotz seines Namens auch für ländliche Räume relevant. Zahlreiche der 73 Modellprojekte sind Landkreise und interkommunale Zusammenschlüsse, die gezielt Lösungen für geringe Siedlungsdichte, weite Wege und dünne Verwaltungsressourcen entwickeln. Adressiert werden typisch ländliche Herausforderungen: digitale Nahversorgung, Telemedizin – etwa die Tele-Versorgung im Landkreis Mayen-Koblenz – sowie digitale Bürgerbeteiligung in weitverzweigten Gemeindestrukturen. Entwickelte Lösungen werden überwiegend als Open Source bereitgestellt, damit auch finanzschwache Kommunen sie ohne Neuentwicklung übernehmen können. Der Stufenplan Smarte Städte und Regionen (2024) verankert gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land als explizites strategisches Ziel. Sehen Sie dazu https://www.bmwsb.bund.de/DE/stadtentwicklung/stadtentwicklungpolitik/smart-cities/smart-cities_node.html

Ergänzend fördert das Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit dem mFUND datenbasierte Mobilitätsanwendungen und die Vernetzung zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung. Für ländliche Räume besonders relevant sind Anwendungen im Bereich On-Demand-Verkehr, Rufbussysteme, Mobilitätsdaten und intelligente Verkehrssteuerung. Auch wenn KI dabei nicht immer explizit adressiert wird, schafft datenbasierte Mobilität die infrastrukturelle Grundlage, auf der KI-gestützte Lösungen aufbauen können. Sehenn Sie dazu https://www.bmv.de/DE/Themen/Mobilitaet/mFund/Ueberblick/ueberblick.html 

Strukturpolitisch relevant sind zudem die BMBF-Programme WIR! – Wandel durch Innovation in der Region und RUBIN. Während die meisten Förderprogramme sektoral bei Landwirtschaft oder Daseinsvorsorge ansetzen, adressieren beide die regionale Innovationsfähigkeit als solche: WIR! fördert neue regionale Bündnisse und innovationsbasierten Strukturwandel, RUBIN stärkt unternehmerische Kooperationen in strukturschwachen Regionen mit dem Ziel, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und neue Märkte zu erschließen. Damit schließen sie eine wichtige Lücke im Förderrahmen. Lesen Sie dazu https://www.innovation-strukturwandel.de/strukturwandel/de/programm/wir_/wir_.html

Ländliche Räume haben die Aufgabe Netzwerke und Skalenefekte zu ermöglichen. Fraunhofer IESE zeigt im Projekt Digitale Dörfer, dass digitale Plattformen im ländlichen Raum nur dann wirksam sind, wenn sie eine kritische Nutzerzahl erreichen. Netzwerkeffekte machen regionale Kooperation zur Voraussetzung – nicht zur Option: Interkommunale Vernetzung steigert Wirtschaftlichkeit und Reichweite digitaler Dienste gleichermaßen. Für Deutschland konkretisieren Studien und Programme diese Zusammenhänge. Die Fraunhofer-Gesellschaft zeigt in zahlreichen Projekten, dass insbesondere fehlende Daten, Kompetenzen und Umsetzungsstrukturen die Einführung von KI in KMU bremsen. Mehr zum Thema digitale Dörfer finden Sie beim Frauenhofer Institut unter https://www.digitale-doerfer.de/

Für den ländlichen Rau maßgeschneidert ist das Programm Digitales Dorf. In der Gesundheitsversorgung reduziert Telemedizin räumliche Distanzen, während KI-gestützte Diagnostik und Monitoring neue Formen der Betreuung ermöglichen. Im Bereich Mobilität eröffnen On-Demand-Systeme und perspektivisch autonome Lösungen Ansätze zur Schließung bestehender Versorgungslücken. Gemeinsam ist diesen Feldern, dass KI Effizienz steigern, Versorgungssicherheit verbessern und neue Dienstleistungen hervorbringen kann. Mehr zur Forschung zum Thema „Digitales Dorf“ von Frauenhofer Institut finden Sie hier: https://www.scs.fraunhofer.de/de/referenzen/digi-ort.html .

Das Fraunhofer IESE engagierte sich zudem im EU-Projekt DESIRA (Horizon 2020) – „Digitisation: Economic and Social Impacts in Rural Areas" – das wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung im ländlichen Raum untersuchte. In einem Living Lab in Betzdorf-Gebhardshain wurden konkrete Lösungen für typische Herausforderungen erprobt: eingeschränkte Jobperspektiven, Versorgungslücken in Mobilität und Gesundheit sowie unterdurchschnittliche digitale Infrastruktur. Das Projektkonsortium umfasste 25 Forschungsinstitute, NGOs und KMU aus ganz Europa. Mehr Informationen zu DESIRA finden Sie unter https://www.iese.fraunhofer.de/blog/digitalisierung-auf-dem-land/.

Auf politischer Ebene adressiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit Initiativen wie der KI-Strategie und „Mittelstand-Digital“ gezielt die Transferprobleme in kleinen und mittleren Unternehmen. Ergänzend setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf anwendungsnahe Förderprogramme. Die Bundesregierung beschreibt ausdrücklich den Transfer von KI in den Mittelstand als zentrales wirtschaftspolitisches Ziel. Das beinhaltet auch die Verbreitung von KI im ländlichen Raum mit Unterstützung für KMU sowie und tragfähige Transfer- und Anwendungsstrukturen.

Netzwerk Mittelstand: https://www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/Artikel/Themenbuehne/neuausrichtung-mittelstand-digital.html

KI Strategie des Bundesministeriums für Wirtschaft: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2021/02/kapitel-1-7-ki-strategie-angepasst-und-aktualisert.html

Die Deutsche Vernetzungsstelle Räume für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (DVS) beschreibt Digitalisierung als Querschnittstechnologie und Innovationsmotor, der strukturelle Nachteile ländlicher Räume gezielt adressieren kann. Im Mittelpunkt stehen der Aufbau regionaler Netzwerke, datenbasierte Dienstleistungen, Plattformansätze und digitale Governance – zusammengefasst unter dem Konzept der Smart Villages. Sie bietet zahlreiche Informationen zu den Themen digitale Strategie, Infrastruktur und Lösungen sowie Smart Villages unter https://www.dvs-gap-netzwerk.de/dorf-region/digitalisierung/

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) treibt den KI-Transfer in ländliche und strukturschwache Räume durch gezielte Kooperationsmodelle voran (https://www.dfki.de/web). Im Projekt Smart Region – Transferlab Eifel werden KI-Technologien direkt im Eifelkreis Bitburg-Prüm implementiert, wobei Mitarbeitende lokaler Unternehmen eng in die Forschungsteams eingebunden sind (https://www.dfki.de/web/news/start-transferlab-eifelkreis). Der Green-AI Hub Mittelstand unterstützt KMU bei der ressourceneffizienten KI-Nutzung durch Vor-Ort-Beratung – besonders wertvoll in Regionen mit geringer Forschungsdichte (https://www.green-ai-hub.de/). Durch Außenstellen in Oldenburg, Osnabrück, Lübeck und Trier rückt das DFKI geografisch näher an mittelständische Unternehmenscluster außerhalb der Metropolen. Projekte wie RAISE in Rheinland-Pfalz ermöglichen KMU die Entwicklung prototypischer KI-Lösungen auch ohne eigenes Expertenteam (https://mwvlw.rlp.de/presse/detail/schmitt-dfki-erhaelt-landesfoerderung-ki-kompetenz-und-innovationskraft-kleiner-und-mittlerer-unternehmen-staerken).

Hier der überarbeitete Abschnitt mit allen Links:

Förderung von KI im ländlichen Raum in Niedersachsen

Niedersachsen zählt zu den aktivsten Förderern von KI in Deutschland und hat dabei einen expliziten Schwerpunkt auf ländliche Räume gesetzt. Mit der Landesstrategie Künstliche Intelligenz, dem Programm Zukunftsregionen Niedersachsen, der Digitalagentur Niedersachsen sowie KI-Reallaboren in Osnabrück und der Agrarwirtschaft verfolgt das Land einen dezentralen Ansatz: KI-Kompetenz soll nicht in Metropolen konzentriert bleiben, sondern in die Fläche getragen werden. Das Gesamtvolumen der Landesstrategie beträgt gemeinsam mit Bundes- und EU-Kofinanzierung rund 350 Millionen Euro. Leitend ist dabei ein menschenzentrierter Ansatz: Datenschutz und Ethik sollen aktiv gestaltet, Innovationen nicht gehemmt werden. Dazu schreibt der NDR: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Niedersachsen-investiert-880-Millionen-in-Digitalisierung,digitalisierung382.html

Einen guten Überblick zur Strategie der Landesregierung zur Künstlichen Intelligenz finden Sie unter https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/digitalisierung/kunstliche_intelligenz/ki_strategie_niedersachsen/strategie-der-landesregierung-zur-kunstlichen-intelligenz-211196.html. Den Niedersächsischen Digitalisierungsfahrplan finden Sie unter https://digitalagentur-niedersachsen.de/digitalisierungsfahrplan-niedersachsen/

Im Programm Zukunftsregionen Niedersachsen haben sich Landkreise und kreisfreie Städte zu regionalen Verbünden zusammengeschlossen, um Transformationsprozesse passgenau vor Ort zu gestalten. Es verbindet Regionaltransformation, Innovationsgovernance und digitale Entwicklung in einem integrierten Ansatz und adressiert damit jene Governance- und Vernetzungsdefizite, die im ländlichen Raum strukturell bremsend wirken. Für die Region Uelzen wurde im Rahmen dieses Programms das Projekt HeiDefinition gemeinsam mit den Regionen Heidekreis und Celle aufgelegt; bislang wurden 14 Projekte gefördert. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.mb.niedersachsen.de/startseite/regionale_landesentwicklung_und_eu_forderung/regionale_landesentwicklung/unsere_programme/zukunftsregionen_in_niedersachsen/zukunftsregionen-in-niedersachsen-201702.html und https://www.heidefinition.de/

Niedersachsen macht sein dezentrales KI-Ökosystem durch spezialisierte Reallabore und Anwendungszentren greifbar – als gezieltes Gegengewicht zur räumlichen Konzentration in Metropolen. Das CRAI in Osnabrück ist das bundesweit erste Reallabor für vertrauenswürdige KI im Mittelstand. Das KI-Reallabor Agrar erprobt KI- und Robotiktechnologien direkt in der Landwirtschaft, unter anderem auf einem Versuchshof im Landkreis Osnabrück. Das DFKI Niedersachsen in Osnabrück und Oldenburg bildet den wissenschaftlichen Ankerpunkt für den KI-Transfer im Nordwesten; das Mittelstand-Digital Zentrum Hannover fungiert als zentrale Anlaufstelle für KMU. Mehr zum KI-Reallabor Agrar finden Sie unter https://netzwerk-ackerbau.de/ki-reallabor-agrar/ und zum CRAI unter https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/uber_uns/presse/presseinformationen/ki-reallabor-fur-den-mittelstand-startet-in-osnabruck-236476.html

Die Digitalagentur Niedersachsen bündelt als One-Stop-Shop Förderwege und Beratungsangebote für KMU, Kommunen und Innovationsnetzwerke. Niedersachsen.next ergänzt dies als Dachmarke und Wirtschaftsagentur, die Landesinitiativen bündelt und KI-Anwendungen sowie Förderwege im ländlichen Raum sichtbarer macht. Weitere Informationen finden Sie unter https://digitalagentur-niedersachsen.de/ und https://niedersachsen-next.de/

Das OFFIS – Institut für Informatik in Oldenburg fungiert als zentraler Technologieknotenpunkt: Durch anwendungsorientierte Forschung in den Bereichen KI, Energie, Gesundheit und Verwaltung – oft in Living Labs direkt vor Ort – trägt es zur digitalen Transformation ländlicher Regionen bei. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.offis.de/offis/aktuelles/meldung/innovation-hub-treibt-digitale-transformation-im-niedersaechsischen-mittelstand-voran-49-mio-euro-fuer-cita.html. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bringt KI-gestützte Systeme zur Ressourceneffizienz durch Projekte, Reallabore und Beratung direkt in die Betriebe. Mehr dazu unter https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/news/42244_Digitale_Transformation_veraendert_Arbeitswelt_der_Agrarbranche und https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/news/43057_Darum_ist_es_wichtig_sich_mit_KI_zu_beschaeftigen

Das Projekt Smart Country Side zeigt, wie ländliche Räume vom Technologiekonsumenten zum gestaltenden Akteur werden können. Über Plattformen wie DorfFunk entsteht eine digitale Dichte, die fehlenden physischen Austausch kompensiert und Daseinsvorsorge – Mobilität, Pflege, Nahversorgung – bündelt. In der Modellregion Südniedersachsen und Ostwestfalen-Lippe arbeiten Landkreise, Dörfer und Bürger in einer horizontalen Governance-Struktur zusammen – ein übertragbares Modell für dezentrale Innovationsgovernance. Die Südniedersachsenstiftung adressiert durch SCS gezielt die digitale Daseinsvorsorge und schafft eine kritische Masse für dörfliche Strukturen. Weitere Informationen finden Sie unter https://innovationszentrum-doerentrup.de/2018/03/27/smart-country-side-startet-in-die-umsetzungsphase/ und https://www.suedniedersachsenstiftung.de/.

Niedersachsen verfügt zudem über eine starke KI-Ausbildungslandschaft – Ostfalia, Leuphana, Jade Hochschule, Hochschule Osnabrück, Universität Oldenburg und TU Braunschweig – und hat 50 neue KI-Professuren geschaffen. Das L3S Research Center bildet den wissenschaftlichen Kern (https://www.l3s.de/). Die Hochschule Osnabrück entwickelt im Rahmen von LINGA praxisnahe Formate für KI in Gesundheit und Pflege (https://linga.nds.de/). Das APITs Lab bringt die Games-Branche mit der mittelständischen Wirtschaft zusammen und nutzt Technologien wie Virtual Reality und Gamification für Business-Anwendungen (https://www.nordmedia.de/pages/index.html).

Am Campus Suderburg der Ostfalia bildet digitale Wasserwirtschaft einen forschungsstarken Schwerpunkt. Im Zukunftslabor Wasser des ZDIN werden KI-Methoden erprobt, um frühzeitige Prognosen für das regionale Wassermanagement zu ermöglichen. Das Projekt Dirrigent setzt dies konkret um: Landwirte in Nordostniedersachsen optimieren ihre Bewässerung datenbasiert. Das INBW und das Center for Hydrosystems and Health ergänzen diesen Schwerpunkt durch hydrologische Modellierung und die Verknüpfung von Wasserwirtschaft, Informatik und Gesundheitswesen. Mehr dazu unter https://www.ostfalia.de/inbw.

Abschließend sei der Arbeitsbericht Digitalisierung in ländlichen und verdichteten Räumen der LAG Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland unter Leitung von Annette Spellerberg erwähnt, der die räumlichen Auswirkungen des digitalen Wandels mit besonderem Fokus auf Stadt-Land-Unterschiede untersucht. Den Arbeitsbericht finden Sie unter https://www.arl-net.de/system/files/media-shop/pdf/ab/ab_031/01_spellerberg.pdf.

Regionale KI-Förderung in Uelzen

Die Region Uelzen zeigt exemplarisch, wie KI-Förderung im ländlichen Raum wirksam werden kann – nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von kommunalen Modellvorhaben, regionalen Wirtschaftsnetzwerken, lokal verankerten Unternehmen und angewandter Forschung. Dieses Ineinandergreifen verschiedener Ebenen macht Uelzen zu einem übertragbaren Modell für KI in ländlichen Regionen.

Das KI-Forum Uelzen, organisiert von der Wirtschaftsförderung gemeinsam mit der Ostfalia Hochschule und der INNO.NON GmbH, dient als regionale Austauschplattform für die praxisnahe KI-Integration. Anwendungsbeispiele reichen von KI-gestützter Fehlwurferkennung in Müllfahrzeugen über Absatzprognosen bis hin zu Smart-Farming-Anwendungen der Nordzucker AG. Das eng verknüpfte Kompetenznetzwerk KI.NON ergänzt das Forum durch kostenlose Erstberatungen, Vernetzung zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor sowie Informationen zum EU AI Act – in Kooperation mit der Leuphana Universität. Sehen Sie dazu https://www.landkreis-uelzen.de/home/ki-forum-des-landkreises-rueckt-verantwortungsvolle-innovation-in-den-mittelpunkt.aspx

Die juS.TECH AG mit Sitz in Uelzen ist ein Beispiel für regionale KI-Kompetenz im ländlichen Raum (https://justech-ag.com/). Das Unternehmen unterstützt KMU bei der Entwicklung von KI-Roadmaps und der praktischen Technologieintegration – mit einem menschenzentrierten Ansatz, der die Einbindung der Mitarbeitenden in den Wandel explizit mitdenkt. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Verknüpfung von KI mit ESG-Reporting: KI-gestützte Analysen machen die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen messbar. Eingebunden ist juS.TECH in lokale Vernetzungsformate wie das KI-Forum des Landkreises Uelzen, das Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenbringt. Sehen Sie dazu auch https://www.justech-footprint.de/

Als einer von bundesweit sieben Modelllandkreisen erprobte die Region Uelzen zudem im Rahmen von Smarte.Land.Regionen über vier Jahre digitale Lösungen zur Verbesserung der Daseinsvorsorge. Ziel war es, digitale Defizite abzubauen und allen Bürgerinnen und Bürgern – unabhängig von Alter und Vorerfahrung – gleichwertige Teilhabechancen zu eröffnen. Das Modellvorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung gefördert und durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) umgesetzt. Das Fraunhofer IESE verantwortet die technische Entwicklung und den Aufbau eines digitalen Ökosystems gemeinsam mit den Modellregionen. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.landkreis-uelzen.de/home/landkreis-uelzen-politik-verwaltung-wirtschaft/digitale-entwicklung/smarte-land-regionen.aspx

Speziell für die regionale Wasserwirtschaft hat das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz ein Zukunftslabor Wassermanagement eingerichtet. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Volkswagenstiftung. An dem Projekt sind zahlreiche Unternehmen und Hochschulen der Region beteiligt sowie die Ostfalia Hochschule. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.dfki.de/web/forschung/projekte-publikationen/projekt/zlw

Fazit

Die grundlegenden Wirkungsmechanismen von KI sind gut erforscht, ebenso die strukturellen Besonderheiten ländlicher Räume. Was dieser Überblick zeigt: Die Förderlandschaft ist breiter, vielfältiger und gezielter als oft wahrgenommen. Von der EU-Ebene bis in einzelne Landkreise entstehen Strukturen, die KI nicht länger als urbanes Privileg behandeln, sondern als Werkzeug regionaler Gestaltungskraft.

Ländliche Räume sind dabei keine passiven Empfänger von Technologie, sondern zunehmend aktive Gestalter. Modellregionen wie Uelzen, Reallabore wie das CRAI in Osnabrück oder Plattformen wie Digitale Dörfer zeigen, dass praxisnahe KI-Anwendungen unter realen ländlichen Bedingungen funktionieren – und skalierbar sind. Die Kombination aus kommunalem Engagement, regionalen Hochschulen, angewandter Forschung und gezielter Förderung erweist sich dabei als tragfähiges Modell.

Die entscheidende Botschaft lautet: Der Rückstand ländlicher Räume bei Digitalisierung und KI ist kein Naturgesetz. Er ist das Ergebnis von Strukturen – und Strukturen lassen sich verändern. Die dafür notwendigen Instrumente, Netzwerke und Kompetenzen sind vorhanden. Was es jetzt braucht, ist ihre konsequente Verbindung: zwischen Förderebenen, zwischen Akteuren, zwischen Forschung und Praxis.

KI kann ländlichen Räumen nicht nur helfen, Versorgungslücken zu schließen – sie kann ihnen ermöglichen, eigene Stärken neu zu definieren und Innovationen zu entwickeln, die auch für urbane Räume relevant sind. Die Chance ist real. Die Grundlagen sind gelegt. Jetzt gilt es, sie zu nutzen.

Grafik: Launer