Headtracking mit TrackIR: Der Realismus-Kick für die PC-Fliegerei

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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Auto und können nur geradeaus schauen. Spätestens an der ersten Kreuzung oder Kurve führt das zu erheblichen Problemen.

Zwar ungefährlich, aber trotzdem sehr unschön, sah der Flugalltag lange Zeit für Simulator-Piloten aus. Während echte Piloten ihren Blick in Wirklichkeit fast permanent über die Instrumente und in den Himmel schweifen lassen, schauten PC-Hobbyflieger lange Zeit buchstäblich in die Röhre. Für bedingte Abhilfe sorgen seit einigen Jahren Mini-Controller auf den Joysticks, mit denen sich die Blickkamera bewegen lässt. Unrealistisch und unbequem. Dabei ist der Blick aus dem Seitenfenster beim Fliegen ebenso wichtig wie die Fixierung der Runway beim Landeanflug.

Mit modernen VR-Brillen haben die Probleme bei der PC-Fliegerei unter anderem mit dem Einzug des Microsoft Flight Simulators (MSFS) 2020 im Grunde ein Ende – wenn da nicht das „Wenn“ wäre: Eine gute VR-Brille kostet ab 600 Euro aufwärts. Und ein mehrstündiger Simulator-Flug mit quasi vollständig bedecktem Kopf ist gerade bei sommerlichen Temperaturen nicht jedermanns Sache. Zumal die „Motion Sickness“, ein Schwindelgefühl, das viele Nutzer gerade in der Anfangsphase befällt, ein bekanntes Problem bei VR-Brillen ist.

Eine inzwischen ausgereifte Alternative, die obendrein noch erheblich günstiger ist, ist TrackIR vom Hersteller Natural Point, das inzwischen in der fünften Generation erhältlich ist. Das Prinzip ist im Grunde simpel: Auf dem Monitor wird ein Sensor geklemmt, der über USB an den Rechner angeschlossen wird. Dieser Sensor wertet fortlaufend die Lage dreier LED-Lichter oder Reflektoren im Raum aus. Diese Marker sitzen entweder – etwas schweißtreibend und unpraktisch – auf einer mitgelieferten Base Cap. Oder auf einem Gestell, das ans Headset angeclipst wird. An unseren Sennheiser Epos GSP 370 (Produktvorstellung in der nächsten Folge) passt das TrackIR-Teil wie angegossen.

Eine umfangreiche Software hilft, das Ganze zu konfigurieren. Denn logischerweise ist der Bewegungsspielraum eingeschränkt – wenn man sich zu weit zur Seite dreht und mit dem Kopf die LEDs verdeckt, ist es mit der Erkennung vorbei. Da haben VR-Brillen, mit denen man sogar hinter sich blicken kann, klar die Nase vorn. Man muss also bei TrackIR damit leben, dass eine Kopfbewegung von nur wenigen Grad ausreicht, um in der Simulation komplett zur Seite zu schauen. Allerdings: Daran hat man sich in wenigen Minuten gewöhnt. Die kostenlose Software macht es außerdem möglich, den Grad der Bewegung und Nullzonen problemlos einzurichten.

TrackIR läuft mit allen bekannten Flugsimulatoren (und auch mit Arma Reforger, aber das ist eine andere Geschichte), der MSFS macht natürlich keine Ausnahme. Und hier wird es dann sogar richtig spannend, da die Cockpits der erhältlichen Flugzeuge alle in echtem 3D modelliert sind: Wer Track IR verwendet, braucht kleinere Instrumente oder den Navi-Block nicht mehr per Tastendruck heraus zu zoomen, um alles gut erkennen zu können: Man geht einfach mit der Nase dichter an den Monitor, der Track IR setzt alle Bewegungen real um, der Pilot „rückt“ näher ans Instrumentenbrett.

Die eigentliche Fliegerei erhält eine völlig neue Dimension. Da lediglich das Monitorbild geschwenkt wird, bleibt die Auflösung im Gegensatz zu billigen VR-Ausführungen voll erhalten. Allerdings kostet die zusätzliche Berechnung der Kopfbewegung ein Stück weit Performance, das können teure VR-Brillen besser. Wirklich schlimm ist das nicht – wer bislang die Kameraschwenks per Joystick oder Maus vorgenommen hat, hat die gleiche Systemleistung verbraucht. Alles halb so wild.

Im Gegenzug erhält man mit der neuen Bewegungsfreiheit einen erheblichen Realismus-Schub: Beim Sichtflug lassen sich Sehenswürdigkeiten ganz einfach und realistisch im Blick behalten. Das rasche Überfliegen der wichtigsten Instrumente geht ganz natürlich vonstatten. Und die angeflogene Landebahn lässt sich wunderbar im Endanflug sicher im Auge behalten. Gerade bei einer Warteschleife ist das sehr viel wert. Es macht einfach einen Heidenspaß, sich flüssig im Cockpit umzusehen (und gegebenenfalls sogar neue Details zu entdecken). Der heiße Kopf bleibt im Gegensatz zu VR aus. Und Motion Sickness wollte sich absolut nicht einstellen. Die Verarbeitung ist sehr ordentlich. Lediglich das Kabel zum Headset-Clip könnte unserer Meinung nach etwas länger sein, aber das ist sicher Geschmacksache.

TrackIR 5 ist in mehreren Varianten erhältlich und kostet mit dem absolut empfehlenswerten Headset-Clip um die 200 Euro. Wer seiner Simulator-Fliegerei einen erheblichen Realismus-Schub hinzufügen möchte, schlägt zu.

Fotos: Hersteller

 

 



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