Bundeswehr-Übung: Schüsse direkt neben dem Gnadenhof Natendorf verängstigen traumatisierte Tiere
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Natendorf. Seit fast 18 Jahren nimmt der Gnadenhof Natendorf Tiere mit schweren Schicksalen auf - misshandelt, traumatisiert, ausgesetzt. Unter anderem Pferde, Schafe, Hängebauchschweine. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind sensibel, oft verängstigt. Und dann das: Am gestrigen Sonntag haben in aller Frühe Schüsse die Stille direkt am Gnadenhof zerrissen - Bundeswehr-Übung Brave Lion 2026 in vollem Gange!
Sabine Bracker, auf dem Gnadenhof sieben Tage die Woche im Dauereinsatz, fackelte nicht lang und stürmte mitten zwischen die Soldaten der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“: „Denen habe ich erstmal etwas erzählt“, so Bracker. Sie sei dabei wohl auch „ein bisschen lauter geworden“, räumt sie ein.
Aber die Vorwürfe der Gnadenhof-Chefin wiegen schwer: „Die haben doch gesehen, dass hier ein Gnadenhof ist. Da muss man doch nicht direkt nebenan mit Übungsmunition schießen. Hier oben in der Heide ist doch wohl genug Platz.“ Bracker geht es nicht nur darum, dass die Tiere verängstigt wurden - sie spricht von einer handfesten Gefährdung: „Was wäre gewesen, wenn meine Mitarbeiterin oder ich gerade die Hufe der Stute gepflegt hätten - und das Tier hätte gescheut? Was wäre gewesen, wenn Tiere ausgebrochen und auf die Straße gelaufen wären? Da hätten Menschenleben in Gefahr sein können.“ Die Tiere auf dem Hof seien komplett verängstigt gewesen, die Hunde regelrecht außer Rand und Band.
Was Sabine Bracker besonders verärgert: Am Samstag seien Angehörige der Bundeswehr vor Ort gewesen und hätten gesagt, es werde nicht geschossen. Dennoch seien am Sonntagmorgen Waffen mit Übungsmunition abgefeuert worden, Fahrzeugbewegungen direkt neben dem Gnadenhof habe es auch gegeben: „Die haben sogar Vlies und Paletten von uns genommen und sich auf unserem Grund und Boden einen Unterstand gebaut.“
Immerhin konnte Sabine Bracker weiteren Stress für ihre Tiere verhindern: „Die haben sogar noch einen 'Gegenangriff' erwartet. Aber nach unserem Gespräch haben sie sich dann nach Süden zurückgezogen.“
Noch bis zum 5. Februar führt die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" eine Gefechtsübung im Raum Uelzen, Lüneburg Celle und dem Heidekreis durch. An der Übung nehmen rund 1.200 Soldatinnen und Soldaten der Panzerbrigade 12 aus dem bayrischen Cham teil. Es kommen etwa 280 Rad- und Kettenfahrzeuge zum Einsatz. Zusätzlich ist mit militärischem Flugbetrieb zu rechnen, so die Bundeswehr.
Im genannten Zeitraum könne es insbesondere in ländlichen Bereichen zu verstärkten militärischen Fahrzeugbewegungen und erhöhten Geräuschentwicklungen, auch in den Abend- und frühen Morgenstunden, kommen.
Auf die Anfrage der Uelzener Nachrichten hat das zuständige Presse- und Informationszentrum des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr bislang keine Stellung zu den Vorwürfen bezogen.
Foto: Bundeswehr, Dahlmann (oh)