Ein Jahr Geschichte zum Anfassen: Felia Einhorn absolviert Jahrespraktikum im Museumsdorf Hösseringen
- Subtitle: Hösseringen
Hösseringen. Draußen ist es regnerisch und düster, aber auch am PC gibt es immer etwas zu tun. Und so hat sich Felia Einhorn für diesen Tag in das kleine Gemeinschaftsbüro im historischen Torhaus des Museumsdorfes Hösseringen zurückgezogen. Fast ein Jahr schon arbeitet die 17 -Jährige von Montag bis Mittwoch und jede zweite Woche auch noch den Donnerstag hier im Museumsdorf.
Die Schülerin der BBS I hat sich für ihr Jahrespraktikum ganz bewusst das Museumsdorf Hösseringen ausgewählt, hatte sie hier doch schon 2024 im Rahmen eines zweiwöchigen Praktikums gute Erfahrungen gemacht. An der BBS I besucht sie die Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Gestaltung und Design – und diesem Thema kann sie im Museumsdorf auf ganz unterschiedliche Weise nachgehen, ebenso wie ihrem Interesse an der Geschichte unserer Region.
Im August 2025 ging es los. Möglichst alle Abteilungen und Arbeitsbereiche sollten in einem Jahr durchlaufen werden. Den Anfang machte die Museumspädagogik. Für das Haus Linden gestaltete sie anhand eines alten Fotos der ehemaligen Eigentümer eine inzwischen gerne genutzte Fotowand. Auch die Betreuung von Schulklassen und die Erarbeitung von Mitmachstationen für Kinder gehörten zu ihren Aufgaben. Im Archiv zeigte ihr Dokumentar Marten Thomsen, wie Sammlungsgegenstände bearbeitet und in die Datenbank eingetragen werden.
"Besonders interessant fand ich Besuche bei Familien, die dem Museumsdorf etwas spenden möchten“, erzählt Felia begeistert. Aber nicht alle alten Gegenstände kommen ins Museum. "Es kommt zum Beispiel darauf an, ob vergleichbare Objekte bereits in den Sammlungen enthalten sind. Viele Sammlungsstücke in den Magazinen sind zwar nicht ausgestellt, aber trotzdem sehr wichtig für die Forschungen zur Geschichte Region“, hat sie gelernt. In der Restaurierungsabteilung zeigte ihr Restaurator Philipp Ramünke, wie man richtig saubermacht. Na ja, nicht mit Handfeger und Kehrschaufel, sondern mit Vorsicht und Fachkenntnis.
"Das war überhaupt nicht langweilig. Wir haben dereinen historischen Schrank gesäubert, dessen Verzierungen und aufgedruckte Dekors mir vorher gar nicht aufgefallen sind. Man bekommt einen ganz anderen Blick für Details“, fasst sie zusammen. Auch den Werdegang und die Gestaltung einer Ausstellung lernte Felia kennen. An der neuen Handpuppenausstellung wirkte sie intensiv mit, schrieb Texte, entwickelte Mitmachstationen und beschäftigte sich mit der Inszenierung der Ausstellungsstücke.
Am Herzen lag ihr beispielsweise das Farbkonzept – bunt zugehen müsse es ja beim Thema Puppentheater, aber welche Farbe ist als Leitfarbe nicht zu dominant? Ein freundliches Gelb war die Antwort. Und auch ein eigenes Projekt durfte die Schülerin erarbeiten. "Dafür habe ich mir das Thema ‚Postkarten‘ ausgesucht“, erzählt Felia. Sie hatte sich im Archiv – eine weitere Station des Jahrespraktikums – Briefe und Postkarten angesehen und erkannte die vielen kleinen Details, die aus den alten Botschaften herauszulesen sind.
"Aber man muss es lesbar machen und in einen Kontext setzen“, fasst sie zusammen. Die kleine Postkartenausstellung ist in einer Vitrine im Eingangsbereich der blauen Scheune aus Wieren zu sehen. Insgesamt habe das Praktikum ihr Interesse an Kultur und Geschichte gefördert. „Ich habe viel Neues kennengelernt und einen Einblick in den Arbeitsalltag bekommen.“ Ein Studium in der Richtung Restaurierung – Gemälde, Kirchen, Denkmalpflege könnte sie sich gut vorstellen. Aber davor liegt erst noch ein Jahr Schule.
Fotos: Museumsdorf Hösseringen