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Tierwelt

Tierpfotenhilfe e. V.: Ein Verein, der Mensch und Tier zusammenhält

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Bad Bevensen. Einmal im Monat findet im Foyer einer Schule in Bad Bevensen eine Tiertafel statt. Hier bekommen Menschen, die finanziell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, Futter- und Sachspenden für ihre Haustiere – sorgfältig geprüft und liebevoll verpackt. Dahinter steckt ein kleiner Verein mit großem Herzen: die Tierpfotenhilfe. Eine Geschichte über persönliche Schicksale und ein Versprechen.

Von unserer Redaktion

Haustiere bedeuten für viele Menschen ein Stück Familie. In einer lauten und hektischen Welt, die oft unberechenbar erscheint, schenken sie Beständigkeit, ehrliche Zuneigung und bedingungslose Treue. Umso schlimmer ist es, wenn man finanziell nicht mehr in der Lage ist, sein Haustier zu versorgen. Fehlt das Geld, um elementare Dinge wie Futter zu kaufen, stellt sich schnell die Frage: Muss ich mein Tier weggeben? „Für Betroffene ist das eine große emotionale Belastung“, weiß Thorsten Beitsch. „Viele fühlen sich hilflos oder sogar schuldig, wenn sie ihrem Haustier nicht die gewohnte Fürsorge bieten können.“

Thorsten Beitsch leitet die Tierpfotenhilfe, einen gemeinnützigen Verein in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen in Notlagen mit Spenden zu helfen, damit sie ihre Tiere versorgen und weiter bei sich behalten können.

Vom Auslandseinsatz zur lokalen Initiative 

Gegründet wurde die Tierpfotenhilfe im Jahr 2017 von Thorsten Beitsch, seiner Frau Stephanie und einer gemeinsamen Freundin. Lange hatte sich das Ehepaar im Auslandstierschutz engagiert, war unter anderem in Spanien, Mallorca und Ungarn aktiv. Als diese Zeit endete, erkannten sie, dass auch in Deutschland und ihrer unmittelbaren Umgebung Hilfe benötigt wird. „So viele Menschen kämpfen jeden Tag, um sich und ihre Tiere über Wasser zu halten“, sagt Thorsten Beitsch.

Zwar gab es zum damaligen Zeitpunkt bereits die Uelzener Tiertafel. Für viele in und um Bad Bevensen ist Uelzen jedoch nicht so einfach zu erreichen. Die meisten haben kein Auto und die Spenden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu bringen, ist gerade für ältere oder in der Beweglichkeit eingeschränkte Personen schwer zu bewerkstelligen. Schnell war den Beitschs klar, dass sie eine eigene Tiertafel gründen müssten. Klein, überschaubar und in unmittelbarer Umgebung sollte sie sein.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Im Oktober 2018 war es dann so weit. In den Räumlichkeiten der Arbeiterwohlfahrt in Bad Bevensen fand die erste Tiertafel statt. Doch dann kam Corona – und infolgedessen eine Vielzahl an Hygiene- und Kontaktauflagen, die sich kaum erfüllen ließen. Das bedeutete das Ende mühsam geknüpfter Strukturen.

Der Bedarf aber blieb. Also erfand sich die Tierpfotenhilfe kurzerhand neu: Fast ein Jahr waren die Beitschs und ihre Mitstreiter mobil unterwegs und belieferten ihre Region mit Futter- und Sachspenden. Es war eine pragmatische, aus der Not geborene Lösung, die verdeutlicht, was den Verein ausmacht: Er gibt nicht klein bei, wenn es schwierig wird.

Als sich die Lage normalisierte, begann die Suche nach einem neuen, dauerhaften Standort für die Tiertafel. Mit ihrem Anliegen drangen die Beitschs bis zum Landrat vor und hatten schließlich Erfolg. Seither stellt die Kooperative Gesamtschule Bad Bevensen einmal im Monat ihr Foyer zur Verfügung. Dort findet die Tiertafel jeden dritten Freitag im Monat statt. 

Hilfe mit klaren Regeln 

Die Tiertafel folgt nicht dem Selbstbedienungsprinzip. Wer Hilfe braucht, meldet sich vorher an. Es wird nach Anzahl, Alter und Besonderheiten der Tiere gefragt, beispielsweise nach Unverträglichkeiten und speziellen Bedürfnissen. Zudem müssen Interessenten beim Erstkontakt ihren Personalausweis und einen Einkommensnachweis vorlegen, etwa einen Bescheid zur Rente oder Grundsicherung. 

Dass Thorsten Beitsch so genau vorgeht, hat einen guten Grund: „Leider ist es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass Menschen Spenden abgegriffen haben, die gar keine Haustiere hatten oder die es finanziell nicht nötig gehabt hätten.“ Er ergänzt: „Unsere Regeln sind streng, aber damit stellen wir sicher, dass die Hilfe bei den Menschen ankommt, die sie wirklich brauchen.“

Streng ist Thorsten Beitsch auch, wenn es um die Spenden geht. Die Kisten und Tüten packt er vor jedem Termin selbst. Er kennt seine Kunden und ihre Tiere, plant bedarfsgerecht und kauft zu, wenn die Futter- oder Sachmittel nicht reichen. Abgelaufene, geöffnete oder beschädigte Ware gibt er nicht weiter. Seine Frage an alle, die Nahrung oder Zubehör spenden möchten, ist so einfach wie wirkungsvoll: „Sind die Sachen so gut, dass Sie sie selbst nehmen würden?" Thorsten Beitsch erklärt: „Das hat auch etwas mit Respekt zu tun. Menschen in Not sollen sich nicht abgewertet fühlen.“ 

Mit kleinen Mitteln Großes bewirken 

Jeden Monat kommen zwischen 10 und 15 Menschen zur Tiertafel in Bad Bevensen. Manche werden beliefert, wenn sie gesundheitlich nicht in der Lage sind, selbst den Weg anzutreten. Sofern es die Mittel erlauben, unterstützt der Verein auch bei Tierarztkosten, um Kastrationen, Sterilisationen oder medizinische Behandlungen zu ermöglichen. Tierschutzpaten spenden regelmäßig Beträge zwischen 10 und 15 Euro im Monat, damit im Ernstfall geholfen werden kann. Die Kunden haben dann die Möglichkeit, das Geld in Raten zurückzuzahlen.

Für viele Menschen, die die Tiertafel aufsuchen, ist das Haustier der einzige Halt. Ihre Geschichten zeigen, dass sich das Leben von einem Moment auf den anderen verändern kann. Schicksalsschläge wie Unfälle und Erkrankungen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder finanzielle Krisen können dazu führen, dass plötzlich die Mittel fehlen, um das geliebte Haustier ausreichend zu versorgen. 

„Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen. Es wird zu oft übersehen, dass es Leute gibt, die Hilfe brauchen“, sagt Thorsten Beitsch. Sein Appell: Es braucht mehr Aufmerksamkeit und gesellschaftliches Engagement. Viele Menschen kämpfen im Verborgenen, auch wenn sie es nach außen nicht immer zu erkennen geben.

Weitermachen, so lange es geht

Auf die Frage, was ihn bei seiner Arbeit antreibt, antwortet Thorsten Beitsch ruhig: „Meine Frau war die Seele hinter dem Verein. Ohne sie wären die Tierpfotenhilfe und die Tiertafel vielleicht gar nicht entstanden.“ Als sie starb, hätte er aufhören können. Er hat es nicht getan. „Ich habe ihr versprochen, die Arbeit so lange weiter zu machen, wie es geht. Und ich halte mein Versprechen.“

Thorsten Beitsch organisiert den Verein heute weitgehend selbst. Unterstützung erhält er überwiegend aus dem familiären Umfeld und von seiner Mitstreiterin Nicole Danneberg, die bei der Ausgabe hilft. Es gibt einen festen Jahresplan, an dem sich alle orientieren. Im Juli wird eine Pause eingelegt. Die Kunden bekommen dann im Juni ein paar mehr Spenden mit, damit sie die Zeit gut überbrücken können.

Für die Zukunft wünscht sich Thorsten Beitsch, dass er mit seiner Tiertafel weiterhin etwas bewirken kann – und dass die Gesellschaft nicht verlernt, zusammenzuhalten. Denn eine starke Gemeinschaft entsteht dort, wo wir füreinander einstehen und niemand aus dem Blick gerät, weder Mensch noch Tier.

Mehr Informationen finden Sie auf: https://www.tierpfotenhilfe.de/

Foto (privat): Nicole Dannenberg unterstützt bei der Ausgabe.