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Esterholz

„Ein Kreisel sorgt nicht für weniger Verkehr – aber er bedeutet weniger Unfälle“

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Esterholz. Das Esterholzer Kreuz gilt als besonders gefährlicher Unfallschwerpunkt (Die UEN berichteten). Der UWG-Kreistagsabgeordnete Andreas Dobslaw ist von Beruf Sicherheitsexperte bei der Polizei. Im Interview mit den Uelzener Nachrichten spricht er über die Notwendigkeit, die vielbefahrene Kreuzung in einen Kreisel umzubauen, und die Herausforderungen bei der Realisierung.

Sehr geehrter Herr Dobslaw, Sie machen sich seit Jahren dafür stark, dass die Esterholzer Kreuzung in einen Kreisverkehr umgebaut wird. Was macht die jetzige Kreuzung so gefährlich?

Andreas Dobslaw: Das Esterholzer Kreuz ist seit Jahrzehnten als Unfallschwerpunkt bekannt. Immer wieder kam und kommt es dort zu Verkehrsunfällen beim Überfahren
oder Einfahren in die Kreuzung. 2009 hat dann der Landkreis Uelzen reagiert, weil das Land es nicht geschafft hat, hier baulich Dinge zu verändern. Es wurden
die beiden Blitzer aufgebaut. Das Ergebnis war eine Entspannung, aber leider bis heute keine Entschärfung. Nach wie kommt es dort zu Unfällen, und die
Unfallart ist nach wie vor dieselbe.

Warum hat der Landkreis reagiert und warum hat das Land, das ja eigentlich primär zuständig ist, nichts unternommen?

Andreas Dobslaw: Der Landkreis Uelzen hat 2009 auf Initiative der Unfallkommission eingegriffen. Vom Land kamen regelmäßig abschlägige Bescheide. Mal kein Geld, dann 
keine Priorität oder, wie jetzt übrigens auch wieder, der Hinweis, dass man aktuell kein Personal habe. Die Politik auf Kreisebene hat sich auf meine Initiative dann 
der Sache angenommen und Beschlüsse gefasst. Und nun geht es voran. An dieser Stelle spreche ich allen Parteien im Kreistag meinen Dank für die bisherige 
Unterstützung aus. Zeigt es sich doch, dass wir im Kreistag, fernab von Parteien oder Kirchtürmen, gemeinsam zu notwendigen Entscheidungen kommen.

Warum ein Kreisverkehr? Welche Vorteile hat diese Lösung gegenüber einer Ampelkreuzung?

Andreas Dobslaw: Kreisverkehre lösen kein Stop and Go aus, sondern der Verkehr bleibt im Fluss, allerdings sehr langsam. Und das ist genau einer der Gründe für den Erfolg.
Denken sie nur an die landwirtschaftlichen Züge und Lastwagen, die an einem Kreisverkehr selten aus dem Stand anfahren müssen. Bei einer Ampel wäre das anders.
Und noch etwas gehört zur Wahrheit dazu: Ampeln kann man locker auch bei ‚Rot‘ überfahren, wenn man meint, die Strecke sei frei. Das geht eben bei einer baulichen 
Maßnahme wie einem Kreisel nicht. Die Insel will umrundet werden, und das schließt Unfälle mit hoher Geschwindigkeit und entsprechenden Folgen aus.
Aber auch an Kreisverkehren gibt es natürlich Unfälle, zumeist Blechschäden. Und dies oft gleich nach der Eröffnung, weil sich vor allem Pendler noch an die neue
Situation gewöhnen müssen. 

Wird ein Esterholzer Kreisverkehr auch den Fernverkehr auf der stark befahrenen Strecke entspannen?

Andreas Dobslaw: Ein Kreisverkehr wird sicher nicht zu weniger Verkehr führen. Aber ganz sicher zu weniger schweren Unfällen. Dazu muss man auch berücksichtigen, dass die Landesstraße 270 zu einer Verbindung gehört, auf der die Verkehrsbelastung, übrigens auch die mit Lkw, seit der Wiedervereinigung deutlich zugenommen hat und auch zukünftig weiter steigen wird. Daher ist ein Kreisverkehr eben auch eine bauliche Maßnahme für die Zukunft. Und wenn dann noch der geplante Radweg von Uelzen bis Bad Bodenteich durchgängig fertiggestellt ist, hat die Politik sehr viel für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer getan. 

Wann rechnen Sie mit einer Realisierung? Der Landkreis Uelzen ist ja eingesprungen und hat die Planungen für die zuständige Landesbehörde übernommen, die darauf verwiesen hatte, über keine personellen Ressourcen zu verfügen.

Andreas Dobslaw: Die Planungen sollen im Herbst abgeschlossen und die Baureife soll erlangt sein. Der Bau könnte dann 2022 erfolgen. Da das Land aber mitgeteilt hat, dass es für den Bau aktuell kein Personal zur Verfügung stellen kann, wird es darauf ankommen, ob der Landkreis Uelzen auch den Bau übernimmt. Daher ja auch nun der UWG-Antrag, der darauf abzielt, dass die Landkreisverwaltung mit dem Bau in 2022 beauftragt wird. Das wird angesichts der personellen Ressourcen sicher sportlich, erscheint aber machbar. Und wenn nötig, muss eben ein anderes Vorhaben zurückgestellt werden. Nochmal: Wir sprechen hier über einen Unfallschwerpunkt, und da gilt es, Prioritäten zu setzen.
Was nicht passieren darf ist, dass der Bau im nun kommenden Wahlkampf benutzt wird oder untergeht! Die Lage dort ist einfach zu ernst dafür!

Letztlich ist leider Sicherheit auch eine Frage des Geldes. Wie soll der Kreiselbau finanziert werden?

Andreas Dobslaw: Soweit es bekannt ist, hat das Land das Geld für den Bau in 2022 im Haushalt und würde diesen auch finanzieren. Ob dies auch für 2023 gilt, kann ich Stand heute nicht beurteilen.  Ich würde aber angesichts der Pandemiekosten eher dazu neigen, hier erhebliche Zweifel zu haben. Für mich steht eigentlich fest: Wenn wir die derzeitige Chance auf den Bau und damit die Entschärfung des Esterholzer Kreuzes jetzt verpassen, wird es sehr lange dauern, bis eine solche Chance wieder besteht. Dessen sollten sich alle Entscheider bewusst sein. Für mich gilt das Motto ‚jetzt oder nie‘.

Foto (privat): Andreas Dobslaw

 



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