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Landkreis Uelzen

UWG und CDU stimmen gegen Einrichtung einer IGS im Landkreis

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Von Michael Michalzik

Uelzen/Landkreis. Es war eine lange und intensive Debatte. In der Frage, ob der Landkreis Uelzen eine IGS braucht, zeigte sich der Kreistag gestern in seiner letzten Sitzung vor der Wahl tief gespalten. Muss eine Gesamtschule her, um das schulische Angebot im Kreis zu vervollständigen und somit für eine Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, wie es SPD, FDP, Linke und Grüne sehen? Oder würde eine solche Schule dem bestehenden Angebot an Gymnasien und Oberschulen das Wasser abgraben und den kleinen Bildungseinrichtungen an die Existenz gehen, wie es UWG und CDU betrachten? Die Standpunkte blieben unverrückbar. Letztlich setzte sich die Mehrheit von Christdemokraten und UWG durch und stimmte gegen die Einrichtung einer IGS.

Heinrich Scholing (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte an die Eltern-Umfrage, laut der 55 Prozent der Rückmeldungen für eine IGS waren: „Das ist die Aufforderung an uns, etwas zu tun. Wir wären einer der letzten Landkreise in Niedersachsen ohne IGS.“ Gerade im ländlichen Raum hätten Gesamtschulen in anderen Kommunen geholfen, Sekundärschulen zu erhalten. An CDU und UWG gewandt, betonte Scholing: „Sie wollen den Elternwillen ignorieren. GEW, Eltern und Schüler wollen so eine Schule.“ Eine IGS komme dem Auftrag nach Bildungsgerechtigkeit nach. Scholing nach der Sitzung: „Die Mehrheit im Kreistag verweigert die Einrichtung einer Schulform, die erfolgreich arbeitet und eine hohe Akzeptanz bei Schülern und Eltern genießt.“

SPD-Fraktionssprecherin Ivonne Großmann monierte, dass seinerzeit nicht die Schüler befragt worden seien. Von der gegründete Steuerungsgruppe habe sie sich mehr versprochen. Léonard Hyfing (FDP): „Wir wollten damals mit der UWG sehen, wo es hingeht. Aber wir haben die UWG unterwegs irgendwie verloren.“ Die Schüler sollten die Wahl der Schulform haben: „Der Wunsch ist da, das lässt sich nicht wegdiskutieren.“ Deswegen müsse ein entsprechendes Angebot geschaffen werden – und dabei dürfe der Südkreis nicht vergessen werden. Max Lemm (CDU) kritisierte die Schulform IGS: „Bei den Abitur-Ergebnissen sind die Gesamtschulen immer am schlechtesten.“ Vor allem nach der schweren Zeit der Pandemie „brauchen wir jetzt Ruhe an unseren Schulen, aber keine Gedanken an eine neue IGS und große Schulstrukturveränderungen. Wir brauchen weniger Ideologie“.

Klaus-Georg Franke (UWG) erinnerte an das 2010 erstellte Gutachten: „Das blieb liegen, es passierte nichts. Die KGS Bad Bevensen platzt aus allen Nähten, da hat uns das Kultusministerium bereits zugesetzt.“ Rainer Fabel, Fraktionsvorsitzender der FDP: „Die KGS ist übergelaufen.“ Etwa 150 Schüler besuchten die KGS im benachbarten Clenze. Das Koste Eltern jeden Monat 60 bis 100 Euro Transportkosten. Aber die 150 Schüler-Pendler hätten derzeit ohnehin noch nicht einmal einen Platz an Uelzener Schulen.

Andreas Dobslaw (UWG): „Das war ursprünglich mein Antrag, ich habe ihn geschrieben. Aber er ist gewachsen. Was zählt, ist der Elternwille.“ Angesichts der bestehenden Schulsituation im Landkreis bereiten Dobslaw die Abschlussquoten Sorge: Zwischen 2009 und 2019 habe die Abiturquote im Landkreis sich zwar von 30,9 auf 31,8 Prozent verändert. Landesweit liege die Quote aber bei 37 Prozent, bundesweit gar bei 40 Prozent. Die Zahl der Realschulabschlüsse sei im Landkreis von 54,5 Prozent auf 40,7 Prozent gesunken – um 25 Prozent: „Das sind aber genau die Leute, die unser Handwerk braucht.“ Die Zahl der Schüler ohne Abschluss sei im Landkreis Uelzen von 4,3 auf 9,3 Prozent gestiegen: „Wenn man das mit Migration begründet, dann funktioniert hier die Integration irgendwie nicht. Das kann ja wohl nicht wahr sein.“

Markus Jordan, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, zeigte sich nach der Marathonsitzung enttäuscht: „Der Antrag von CDU und UWG will unserer Region sieben Jahre Stillstand in der Schulentwicklung verordnen. Das werden wir nicht zulassen. Das Thema ist keineswegs vom Tisch, und wir werden es im nächsten Kreistag sicherlich wieder aufrufen.“

Foto (Michalzik): Vor der Kreistagssitzung gab es eine Pro-IGS-Kundgebung.



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