Nach dem Großbrand in der Uelzener Innenstadt: Betroffene schildert Flucht aus brennender Wohnung - Katzen überlebten nicht
Von Michael Michalzik.
Ein Albtraum: Eine junge Uelzenerin und ihr Partner schlafen am frühen Samstag des vergangenen Wochenendes in ihrer Wohnung in der Mühlenstraße, als ein Lichtschein vor dem Fenster sie gegen 3 Uhr weckt: „Ich wusste, dass es kein normales Licht war, es war ein ungewöhnliches Flackern“, berichtet die Frau im Gespräch mit den Uelzener Nachrichten.
Es sind meterhohe Flammen, die aus dem Abfallcontainern unten im Hof lodern und bereits die hölzerne Fassade des Wohnhauses erfasst haben. Schlagartig ist das Paar hellwach - es geht um Sekunden: „Auf dem Weg raus knallte es bereits hinter uns.“ Es sind die Fensterscheiben der Wohnung, die durch die Brandhitze krachend bersten.
Unten auf dem Hof kommt ihnen bereits der erste Feuerwehrmann entgegengerannt. Die junge Frau rennt auf die andere Seite des Mehrparteienhauses, drückt an der Schuhstraße alle Klingeln, um die Nachbarn zu alarmieren: „Dort wohnt auch eine Frau, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ihr hätte wer weiß was passieren können.“ In kürzester Zeit kommen immer mehr Rettungskräfte, nehmen den Kampf gegen die Flammen auf, die Fassaden und Balkone erfassen. Zum Teil brennt es bereits in den Gebäuden.
35 Menschen müssen in einer der schlimmsten Uelzener Feuernächte der vergangenen Jahre aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Zwei Menschen erleiden Rauchvergiftungen. Ein Schaden von mehr als 800.000 Euro entsteht. Eine Katze und ein Hamster können wohlauf aus anderen Wohnungen in Sicherheit gebracht werden.
Aber: „Meine beiden Katzen haben es nicht geschafft“, berichtet die junge Uelzenerin. Eine von ihnen konnte nur noch tot aus ihrer Wohnung geborgen werden. Das zweite Tier wurde vom DRK noch mit Sauerstoff versorgt und von ihrem Lebensgefährten in eine Lüneburger Tierklinik gefahren. Doch die Lungenschäden waren zu groß, die Katze musste von ihrem Leid erlöst werden.
Für die Rettungskräfte hat die junge Frau nur Lob übrig: „Man hat sich sofort toll um uns gekümmert.“ Unter anderem waren Ehrenamtliche der Psychosozialen Notfallversorgung vor Ort und betreuten die betroffenen Bewohner. Und die Feuerwehr drang sogar noch einmal in die Wohnung des Paares vor, um ihr Notebook mit wichtigen Dokumenten zu bergen. Am Samstagmorgen konnte sie schließlich noch einmal in ihre nicht mehr bewohnbare Wohnung, um die Portmonees zu holen.
Doch ansonsten sind Schock und Schaden riesig. Kaum etwas ist geblieben. Das Paar ist bei seinen Familien untergekommen. Die Polizei sucht unterdessen weiterhin nach einem Unbekannten, der kurz vor dem Brand in der Nähe der Müllcontainer zu sehen war - er soll versucht haben, dort erste Flammen zu löschen, verschwand dann aber spurlos. Die Polizei ermittelt deshalb wegen fahrlässiger Brandstiftung und bittet um Hinweise auf den Mann unter Telefon 0581-930-0
Fotos: Feuerwehr Uelzen