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Landkreis Uelzen

Bahnstrecke Hannover–Hamburg: Niedersachsen kritisiert Berliner Pläne - Keine Perspektive für Uelzen

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Uelzen/Landkreis. Es sieht schlecht aus für den traditionsreichen Bahnknotenpunkt Hannover: Wie die „Zeit“ berichtet, sprechen sich Verkehrspolitiker von Union und SPD für den Bau einer neuen Trasse zwischen Hamburg und Hannover aus. Das gehe aus dem Entwurf einer Beschlussvorlage für den Bundestag hervor, auf den sich die Fachpolitiker der Regierungskoalition geeinigt haben. Mit dem Entwurf folgen sie der Empfehlung des Bundesverkehrsministeriums für eine neue Strecke, zusätzlich zur bereits bestehenden.

Der Verkehrsausschuss des Bundestags soll bereits am kommenden Mittwoch über die Beschlussvorlage entscheiden, am Tag darauf folgt die Abstimmung im Parlament. An dem Entwurf werde derzeit noch gearbeitet.

Die neue Strecke soll laut Entwurf zwischen Meckelfeld bei Hamburg-Harburg und der Ortschaft Großburgwedel nördlich von Hannover entstehen. Sie soll demnach entlang der A7 und der B3 verlaufen, westlich an Celle vorbei. Die Kosten des Neu- und Ausbaus der Strecke werden mit rund 8,8 Milliarden Euro angegeben.

Uelzen wäre damit von der wichtigem Trasse abgehängt. Eine erste Reaktion kommt aus Hannover:

Nach der Verständigung der Verkehrspolitiker der Koalitionäre im Bund auf eine Beschlussvorlage für eine Entschließung zum weiteren Vorgehen bei der geplanten Neubaustrecke Hannover–Hamburg bekräftigt Niedersachsen seine Kritik an den Planungen. Die von Niedersachsen mehrfach vorgelegten Vorschläge für einen schnellen Kapazitätsausbau auf der bestehenden Strecke finden aus Sicht des Landes darin nicht ausreichend Berücksichtigung.

Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne: „Wir brauchen dringend mehr Kapazität auf der Schiene zwischen Hannover und Hamburg. Aber wir brauchen sie nicht irgendwann nach 2050, sondern so schnell wie möglich. Genau dafür hat Niedersachsen konkrete Vorschläge gemacht. Wir wollten die anstehende Generalsanierung nutzen, den bestehenden Engpass angehen und Schritt für Schritt zusätzliche Kapazitäten schaffen. Dieser Ansatz ist nicht aufgegriffen worden.

Stattdessen soll nun ein Projekt mit Kosten von weit mehr als zehn Milliarden Euro weitergeplant werden, dessen Inbetriebnahme selbst unter günstigen Annahmen frühestens für 2050 erwartet wird. Wenn der Bundestag diesen Weg beschließt, übernimmt der Bund damit auch die Verantwortung für die Konsequenzen: für die Finanzierung, für den Zeitplan, für die fehlende Akzeptanz in der Region, für das Nicht-Erreichen der Klimaschutzziele in den 40er Jahren und vor allem dafür, dass der schlechte Zustand im Bahnnetz der betroffenen Region 20 bis 30 Jahre so bleiben wird.

Unsere Position bleibt klar: Niedersachsen steht für mehr Schiene und mehr Kapazität. Wir halten es aber für falsch, heute dringend benötigte Verbesserungen auf der Bestandsstrecke einer langfristigen Neubaustreckenplanung unterzuordnen.“

Aus Sicht des Landes fehlt insbesondere eine belastbare Perspektive für den heute schon bestehenden Engpass zwischen Uelzen und Hamburg. Zwar enthält die Beschlussvorlage einzelne Maßnahmen an der Bestandsstrecke, ein klarer Zeitplan für eine spürbare Kapazitätssteigerung fehlt jedoch. "Das ist noch nicht einmal weiße Salbe, geschweige denn ein ernsthafter Kompromissvorschlag", so Tonne.

Niedersachsen hatte vorgeschlagen, die für 2029 vorgesehene Generalsanierung zu nutzen, um gleichzeitig zusätzliche Kapazitäten auf der Bestandsstrecke zu schaffen. Damit sollte verhindert werden, dass nach einer mehrmonatigen Sperrung wenige Jahre später erneut umfangreiche Bauarbeiten notwendig werden.

Tonne: „Es ist weder den Reisenden noch den Steuerzahlern gut zu vermitteln, eine Strecke monatelang zu sanieren und absehbar notwendige Ausbaumaßnahmen dann irgendwann im Anschluss anzugehen und somit die sanierte Strecke wieder aufzureißen.“

Niedersachsen hält deshalb an seiner Position fest: Vorrangig müssen schnell realisierbare Kapazitätssteigerungen auf der Bestandsstrecke umgesetzt werden. Anschließend kann auf Grundlage des dann verbleibenden Bedarfs über weitere Ausbauschritte beraten werden.

Hintergrund:

Die Planungen für zusätzliche Schienenkapazitäten zwischen Hannover und Hamburg reichen bis zur sogenannten Y-Trasse zurück, die seit 1992 im Bundesverkehrswegeplan enthalten war. Nachdem dieses Vorhaben nicht weiterverfolgt wurde, erarbeitete das Dialogforum Schiene Nord 2015 unter Beteiligung von Bund, Bahn, Ländern, Kommunen, Verbänden und Bürgerinitiativen eine Alternative.

Ergebnis war Alpha-E mit einem Schwerpunkt auf dem Ausbau bestehender Strecken. Vertreter von Bund und Bahn sagten damals zu, Alpha-E vollständig in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen und schnellstmöglich umzusetzen. 2016 wurde das „Optimierte Alpha-E mit Bremen“ Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans. Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren mehrfach vorgeschlagen, die Generalsanierung mit zusätzlichen Alpha-E-Maßnahmen zu verbinden und erst anschließend über den langfristig verbleibenden Infrastrukturbedarf zu entscheiden.

Foto: Michalzik