Uelzen. Wenn in Uelzen ein Haustier verschwindet oder ein fremdes Tier gefunden wird, ist die Facebook-Gruppe „Vermisste und gefundene Tiere in Uelzen und Umgebung“ für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle. Dank des Engagements der Community fanden bereits zahlreiche Fellnasen wieder in ihr Zuhause zurück. Ein Blick in die Arbeit der Gruppe und darauf, was gemeinsames Handeln bewirken kann.
Von unserer Redaktion
Menschen, die verzweifelt ihr Haustier suchen, und Menschen, die ein fremdes Tier finden, sind häufig in einer ähnlichen Situation: Sie möchten das Richtige tun, wissen aber nicht, was der erste Schritt ist und an wen sie sich wenden können. Genau an dieser Stelle setzt die Facebook-Gruppe „Vermisste und gefundene Tiere in Uelzen und Umgebung“ an. Die Seite hat derzeit mehr als 8.400 registrierte Mitglieder und bietet eine Plattform, auf der Such- und Fundmeldungen geteilt, Hinweise gesammelt und Kontakte vermittelt werden. „Wir möchten dafür sorgen, dass entlaufene Tiere schnell wieder nach Hause kommen und nicht unnötig leiden müssen“, sagt Angela Syring, die die Facebook-Gruppe 2014 gegründet hat. Damit bildet die Community ein funktionierendes Hilfsnetzwerk für den Tierschutz in der Uelzener Region.
Aus einer Idee wird eine Initiative
Auf den Gedanken, eine Facebook-Gruppe zu erstellen, kam Angela Syring, nachdem an Weihnachten 2013 die Katze ihrer besten Freundin verschwand. Sie suchte im Internet nach Möglichkeiten zu helfen und entdeckte auf Facebook mehrere Gruppen für vermisste und gefundene Tiere aus unterschiedlichen Landkreisen und Regionen. Daraufhin entschloss sie sich, ein solches Angebot auch für den Raum Uelzen zu schaffen. „Durch die Geschichte meiner Freundin habe ich gemerkt, wie allein und hilflos man sich fühlt, wenn das Haustier plötzlich weg ist“, erinnert sie sich. „Dem wollte ich etwas entgegensetzen.“ Nur einen Tag nach der Gründung meldete sich erste Unterstützung. Heidrun Witte, die Administratorin der Facebook-Gruppe für vermisste und gefundene Tiere in Lüneburg, trat bei. Sie bot Angela Syring ihre Hilfe an. Gemeinsam bauten sie die Seite für die Uelzener Region auf.
Ein gewachsenes Team
Angela Syring betreut die Facebook-Seite zusammen mit ihren beiden Mitstreiterinnen Anke Stroczinski und Mia Manikati. Die drei Frauen sind zu einem starken Team zusammengewachsen. Fast täglich gehen neue Such- und Fundmeldungen ein. Die Administratorinnen prüfen die Angaben, sortieren Hinweise, vermitteln Kontakte und koordinieren Hilfsangebote. Zur Dokumentation werden jedes Jahr Listen über geklärte und ungeklärte Fälle geführt.
Um schnelle Hilfe bereitstellen zu können, hat das Admin-Team Leitfäden erarbeitet, die erklären, was bei einem entlaufenen oder gefundenen Tier zu tun ist. Ein zugelaufenes Tier gilt nämlich per Gesetz als Fundsache und muss gemeldet werden. Wer es einfach so behält, macht sich strafbar. „Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen. Wir möchten unser Wissen weitergeben, damit sie Sicherheit gewinnen und entschlossen handeln können“, sagt Angela Syring und ergänzt: „Wer unsicher ist und zu lange zögert, verschenkt Zeit, die für hilfsbedürftige Tiere entscheidend sein kann.“
Was Gemeinschaft möglich macht
Unterstützung erhalten Angela Syring und ihre Mitstreiterinnen von ihrer Facebook-Community, dem Tierheim Uelzen und der Katzen-Hilfe Uelzen e. V. „Unsere Gruppe funktioniert nur, weil so viele Menschen mitmachen“, sagt Syring. Die wichtigste Arbeit leisten in ihren Augen die Mitglieder. Sie sind es, die Beiträge teilen, in Nachbarschaften klingeln, Futterstellen beobachten, Fundtiere sichern oder verletzte Tiere zum Tierarzt bringen. Manche Helfende sind mit einem Chiplesegerät mobil im Einsatz. Sie können herausfinden, ob ein Fundtier gechippt ist und – wenn ja – wem es gehört. Ohne diese Hilfe würde die Aufklärung vieler Fälle deutlich länger dauern.
Mitunter leistet die Community echte Detektivarbeit. So wurde vor einiger Zeit eine Katze gefunden, deren Chip in keiner Datenbank registriert war. Also kontaktierte man den Hersteller des Chips. Er konnte Auskunft geben, an welche Tierarztpraxis das Exemplar geliefert worden war. Über die Praxis ließ sich schließlich der Besitzer der Katze ermitteln. „Allen, die helfen, sind wir unglaublich dankbar“, betont Angela Syring. „Durch sie sind schon viele Tiere und Besitzer wieder zusammengekommen.“
Vom Notfall zum Happy End
Die Community beschäftigt sich mit unterschiedlichen Fällen. Am häufigsten gehen Such- und Fundmeldungen zu Katzen ein. An zweiter Stelle stehen Hunde. Häufig handelt es sich dabei um Angsthunde, die schnell auf fremde Reize reagieren und ein ausgeprägtes Fluchtverhalten zeigen. Auch Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen, Ziervögel und Stadttauben tauchen in den Meldungen auf. Zudem gibt es immer wieder Fälle von verwaisten oder verletzten Igeln und anderen Wildtieren. Die Facebook-Gruppe versucht auch hier, zu beraten und die Tiere an Pflegestellen oder Auffangstationen zu vermitteln. „Eigentlich sind wir auf Haustiere ausgelegt“, sagt Angela Syring, „Aber wenn ein Tier Hilfe braucht, können wir nicht wegsehen.“
Am schwersten sind die Momente, in denen Tiere tot aufgefunden werden. Dann versuchen engagierte Mitglieder, die Besitzer zu ermitteln, damit sie Gewissheit bekommen, Abschied nehmen und ihr Tier würdevoll beerdigen können. Zum Glück gibt es aber auch viele Fälle mit Happy End. Manche von ihnen bleiben besonders im Gedächtnis.
Kater Carlos zum Beispiel wurde vergangenes Jahr vor einem Seniorenheim in Uelzen aufgefunden. Das Auslesen seines Chips ergab, dass er eigentlich Bumbug heißt, aus Bielefeld stammt und bereits drei Jahre zuvor als vermisst gemeldet worden war. Mehr als 200 Kilometer hatte das Tier offenkundig zurückgelegt. Da ihn sein Besitzer nicht mehr zurücknehmen konnte, durfte der Kater im Seniorenheim bleiben – sehr zur Freude der Menschen dort.
Ein weiteres Beispiel ist Felix aus Oldenstadt. Der schwarze Kater war völlig abgemagert und geschwächt, als man ihn fand. Er musste wochenlang zugefüttert werden, bis er zutraulich wurde und sich einfangen ließ. Anhand der Daten auf seinem Chip fand man heraus, dass er bereits 1 ½ Jahre als vermisst galt. Das Tragische: Sein Zuhause lag nur 500 Meter Luftlinie entfernt. Nach dem Umzug seiner Familie war Felix entlaufen und hatte den Weg nicht mehr zurückgefunden.
Und dann ist da noch Kater Benni. Er wurde ursprünglich aus einem Tierheim an der deutsch-polnischen Grenze vermittelt und später mehrfach weitergereicht. Am Ende strandete er herrenlos in Uelzen. Als Hauskatze war er mit dem Leben auf der Straße völlig überfordert. Über das Tierheim fand er schließlich ein liebevolles Zuhause. „Das sind die Momente, die uns weitermachen lassen. Sie zeigen, dass sich unser Einsatz lohnt“, sagt Angela Syring.
Zwischen Systemlücken und Zusammenhalt
In der Praxis stoßen Angela Syring und ihre Community immer wieder auf Lücken im System, die ihre Arbeit erschweren. Ein großes Problem ist es, wenn Tiere nicht gekennzeichnet und registriert sind. In solchen Fällen ist es schwierig bis unmöglich, einen Besitzer zu ermitteln. „Ohne registrierten Chip suchen wir oft die Nadel im Heuhaufen“, sagt Angela Syring. „Das ist frustrierend, denn am Ende verlieren dadurch alle Zeit.“
Ein weiteres Problem ist die unkontrollierte Vermehrung von Katzen, die nicht kastriert sind. So entstehen neue Populationen von Tieren, die alleine kaum überlebensfähig sind und versorgt werden müssen. „Ohne Kastration dreht sich die Spirale immer weiter. Das bringt den Tierschutz an seine Grenzen“, konstatiert Syring. Eine bundesweit geltende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen wäre ihrer Auffassung nach absolut notwendig.
Was die Betreuung ihrer Facebook-Seite betrifft, freuen sich Angela Syring und ihre Mitstreiterinnen immer über Unterstützung. „Wir sind ein kleines Team für eine große Aufgabe. Jede Hilfe zählt.“ Ihre Arbeit würden sie gerne fortsetzen. Die Zukunft der Gruppe liegt klar in den Händen der Gemeinschaft: bei Menschen, die hinschauen, anpacken und Verantwortung übernehmen. Sie zeigen jeden Tag aufs Neue, was gemeinsames Handeln bewirken kann.
Hier geht es zur Facebook-Seite „Vermisste und gefundene Haustiere in Uelzen und Umgebung”: https://www.facebook.com/groups/297808897055814?locale=de_DE
Fotos: privat